Ein detaillierter Anlage- und Auswahlprozess ist ein Muss für jeden Investor. Denn sinnvolle Entscheide rund um Investitionen setzen ein sorgfältiges Abwägen zwischen Risiko und Rendite voraus. Dem Risikoprofil wird aber allzu oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies kann schmerzliche Folgen haben. Die zahlreichen Ereignisse in den letzten 18 Monaten haben diese Komponente des Anlageprozesses aber wieder in den Vordergrund gerückt. Die Renditen stehen nicht mehr zwingend im Vordergrund, die möglichen Risiken werden wieder sorgfältiger abgewägt.

Marktpflege variiert stark

Einer der meist unterschätzten Faktoren bei Investmentprodukten ist das Market Making, auch Marktpflege genannt. Anders als bei standardisierten Optionen und Futures an Terminbörsen wie Eurex, wo sich Finanzdienstleister verpflichten, jederzeit Kauf- und Verkaufskurse zu stellen, ist die Marktpflege von strukturierten Produkten durch die jeweiligen Emittenten freiwillig. Dies führt dann leider oft zu unkonstanten Kursstellungen oder gar vollen Absenzen. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Produkte nicht an einer Börse kotiert sind und ausserbörslich gehandelt werden. Gerade im turbulenten Börsenherbst 2008 liess die Kurspflege vieler Emittenten zu wünschen übrig.

Anleger erwarten, dass sie jederzeit zu fairen und marktgerechten Preisen handeln können. In einem Umfeld mit extremen Marktbewegungen und panikartigen Bedingungen steigt dieses Bedürfnis umso mehr. Doch gerade in solchen Situationen fehlen Kurse (auch Quotes genannt) häufig. Die Gründe dafür liegen oft in der fehlenden Liquidität oder bei massiven Volatilitätsveränderungen. Ungenügende oder falsche Bewertungskurse stellen ein weiteres Problem dar, da die Produkte auch oftmals als Pfand für Sicherheiten verwendet werden können. Neben dem permanenten Quoting muss zudem der Spread, also die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs, relativ gering sein. Dies ermöglicht dem Investor, rasch auf Veränderungen zu reagieren. Damit sich die Marktteilnehmer vor dem Kaufentscheid selber ein Bild über die Emittenten machen können, hat Scoach, die Schweizer Börse für strukturierte Produkte, Qualitätsmerkmale für Produkte und Emittenten eingeführt. Diese Ratings ermöglichen eine Analyse der Emittenten und ermuntern diese, sich kontinuierlich um die Marktpflege zu kümmern.

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Statistiken zeigen Qualität auf

Zur Ermittlung der Statistik werden die durchschnittlichen Spreads in Prozent, das durchschnittliche Volumen der eingegebenen Quotes, die Verfügbarkeit von Quotes und der letzte Buy- und Sell-Quote auf täglicher Basis einbezogen.

Anhand des Beispiels eines SLI-Trackers sollen die Qualitätsmerkmale erläutert werden: Eine Emittentin zeichnet für die Marktpflege verantwortlich. Die durchschnittliche Geld-/Brief-Spanne beträgt 0,25%, das durchschnittliche Volumen auf der Kauf- und Verkaufsseite je 500000 - eine sehr gute Marktpflege. So beträgt die Verfügbarkeit der Quotes 99,81%, was als nahezu perfekt bezeichnet werden darf.

Potenzial für Verbesserungen

Das Fachmagazin «dp payoff magazine» geht einen ähnlichen Weg und entwickelte in Zusammenarbeit mit Derivative Partners den «Payoff Market Making Index». Im Gegensatz zu den Qualitätskennzahlen von Scoach ermöglicht dieser Index den Vergleich zwischen den Emittenten und ortet dazu Verbesserungspotenzial. Die Anzahl der vom Emittenten quotierten Produkte is t dabei nicht massgebend. Vielmehr fliesst die Qualität der Kursstellung in die Berechnung ein.