Die Citigroup gehört zu den Banken, die von der Kreditkrise besonders hart erwischt wurden. Allein im 4. Quartal musste die Bank einen Verlust von 9,8 Mrd Dollar hinnehmen, darin enthalten sind Abschreibungen in der Höhe von 18,1 Mrd Dollar. Die Abschreiber liegen zwar deutlich über den angekündigten 8 bis 11 Mrd Dollar, doch die Flüsterschätzungen am Markt haben im Vorfeld bis zu 24 Mrd Dollar betragen.

Zudem hat sich die krisengeschüttelte Bank erneut frisches Kapital besorgt. Unter anderem schiessen die Staatsfonds von Singapur und Abu Dhabi Kapital über insgesamt 14,5 Mrd Dollar ein. Auch die Dividende wird gekürzt. Damit hat das mit Spannung erwartete Ergebnis der Citigroup die Bankaktien nach einer kurzen Erholungen unter Druck gebracht.

Ähnlich negative Neuigkeiten erwarten die Investoren von Merrill Lynch. Der US-Broker hat sich durch den Einstieg eines Staatsfonds aus Singapur und einer Fondsgesellschaft ebenfalls bereits eine weitere Geldspritze über 6,6 Mrd Dollar zugesichert. Für das Ergebnis im 4. Quartal, das Merrill Lynch am Donnerstag, 17. Dezember, präsentieren wird, rechnen Analysten mit einem Verlust von 3,2 Mrd Dollar.

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Rückschlüsse auf UBS und CS

Von den Zahlen der US-Banken, unter anderem legt JPMorgan Chase Zahlen vor, erhoffen sich Anleger auch Hinweise auf die Schweizer Grossbanken. So sind für die Finanzgemeinde Aussagen zur Situation der Kreditmärkte im Dezember sowie der Ausblick auf das Jahr 2008 von Interesse. Direkte Rückschlüsse von den Ergebnissen der US-Banken auf die UBS und die Credit Suisse lassen sich jedoch nicht ziehen, da jede Bank verschiedene Positionen in den Büchern und sich unterschiedlich dagegen abgesichert hat. «Da sich das Umfeld im Dezember nochmals verschlechtert hat, sind auch bei der UBS weitere Abschreibungen wahrscheinlich», sagt Sacha Holderegger, Analyst bei Clariden Leu. Über deren Höhe wird derzeit am Markt munter spekuliert, es ist die Rede von bis zu 8 Mrd Dollar.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2007 droht der UBS ein Verlust. Dennoch verzichtet die Grossbank nicht auf Bonuszahlungen. Um die Investmentbanker bei der Stange zu halten, werden die Boni höchstens gekürzt oder zu einem höheren Teil mit Aktien entrichtet. Die Credit Suisse hat sich im Vergleich zur UBS weniger am US-Subprime-Markt engagiert, hält aber grössere Positionen im Bereich Übernahmefinanzierungen und bei Geschäftshypotheken. Somit kursieren auch bei der Credit Suisse Gerüchte um weitere Abschreiber in der Höhe von rund 3 Mrd Fr.

Konsumkredite an der Reihe

Welche Abschreibungen noch auf die Banken zukommen, hängt von der weiteren Entwicklung der Krise ab. «Die Kreditkrise weitet sich bereits auf andere Kreditmärkte aus», sagt Holderegger von Clariden Leu. Der Verlust von American Express im 4. Quartal sei ein erstes Zeichen, dass die Krise auch das Kreditkartengeschäft erreicht hat. Und: «Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es auch im Bereich Geschäftsliegenschaften vermehrt zu Ausfällen kommt, als Nächstes sind wohl Konsumkredite und Autoleasing an der Reihe.» Diese Verwerfungen dürften weitere Abschreibungen bei Banken notwendig machen. Eines der ersten Opfer der Kreditkrise wird nun verkauft. Die Bank of America übernimmt den schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Countrywide zu einem erschwinglichen Preis. Auch andere in Schieflage geratene US-Immobilienfinanzierer könnten demnächst übernommen werden. «Kurzfristig wird eine grössere Konsolidierung im Bankensektor aber ausbleiben», so Holderegger. Denn viele Institute müssten derzeit Kapitalerhöhungen durchführen und wahrscheinlich Dividenden kürzen. Doch sobald die Probleme gelöst seien, werde es zu mehr Übernahmen kommen.

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Die tiefen Aktienkurse rufen bei den breit aufgestellten Banken auch vermehrt Forderungen nach einer Abspaltung von Unternehmensteilen auf den Plan. Während sich Merrill Lynch von Sparten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, trennen dürfte, erachtet Holderegger eine Abspaltung der Investmentbank bei der Citigroup und vor allem bei der UBS als unwahrscheinlich.

Für Trendwende noch zu früh

Viele Bankaktien haben durch den Kursrutsch mittlerweile verlockende Bewertungen erreicht, die für langfristige Investoren interessant geworden sind. «Zumal die langfristigen Perspektiven für die europäischen Investmentbanken exzellent sind», so Helvea-Analyst Peter Thorne. Doch solange die Kreditmarktkrise nicht ausgestanden sei, zeichne sich bei den Bankenwerten noch kein substanzieller und deutlicher Erholungstrend ab.

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Denn erst wenn die Abschreibungswelle abebbt, würden die Geschäftsbanken wieder Vertrauen ineinander fassen und sich die Lage am Interbankenmarkt entspannen. Normale Verhältnisse erwartet Thorne somit frühstens Ende Juli oder Anfang August. Zudem werden die Bankentitel von den konjunkturellen Unsicherheiten belastet. «Diese werden sich wohl eher in der 2. Jahreshälfte auflösen als in der 1., erwartet Thorne.