Von der Finanzkrise gebeutelte Unternehmen horten mehr Bargeld und einen grösseren Anteil an Vermögenswerten in Cash als jemals zuvor in den vergangenen 40 Jahren. Im 2. Quartal hielten die 500 grössten US-Unternehmen, die nicht im Finanzsektor angesiedelt sind, 994 Mrd Dollar beziehungsweise 9,8% ihrer Vermögenswerte in Cash oder kurzfristigen Anlagen. Zwölf Monate zuvor hatten die Grossunternehmen zusammen 846 Mrd Dollar, also nur 7,9% ihres Anlagevermögens, auf der hohen Kante.

Dieser Trend scheint sich im 3. Quartal trotz der sich verbessernden Wirtschaftslage fortzusetzen. Von den 500 Unternehmen hat rund die Hälfte bereits ihre Zahlen für das 3. Quartal vorgelegt. Ihr Barbestand erhöhte sich von 10,1% der Vermögenswerte im 2. Quartal auf 11,1%.

Positive Folgen für die Wirtschaft

«Alle horten ihr Geld», sagt Carsten Stendevad, Leiter der Abteilung Finanzstrategie der Citigroup. Er und andere führen dies auf die Katerstimmung nach der Finanzkrise im Vorjahr zurück, als die Unternehmen kein Fremdkapital beschaffen konnten oder deutlich höhere Zinsen als üblich zahlen mussten.

Hohe Barbestände sind Fluch und potenzieller Segen für die Wirtschaft zugleich. Das Horten von Geld bedeutet, dass Unternehmen weniger ausgeben oder investieren und deshalb das Wachstum abflaut. Jedoch besitzen sie in Zeiten wirtschaftlicher Erholung grössere finanzielle Reserven, was ihnen mehr Freiheiten für Zukäufe, Personalaufstockung und Investitionen lässt. Hohe Barmittel sind laut Carsten Stendevad «gute Nachrichten für die Makroökonomie. Viele Unternehmen sind in der Lage, neu zu investieren, und das fördert die Beschäftigung.»

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Als Antwort auf die Finanzkrise haben viele Unternehmen Geld in sogenannten Schlechtwetterfonds geparkt, um jederzeit Liquidität für das Tagesgeschäft zu haben. Auch aggressive Kostensenkungen und der Emissionsboom von Anleihen liessen die Barbestände anschwellen.

Konkrete Pläne für das Geld haben viele Unternehmen nicht. «Sie müssten mich schon niederschlagen, um mir das Geld aus den Händen zu reissen», sagt etwa Charles McLane, Finanzchef bei Alcoa. Der Aluminiumhersteller meldete, dass er am 30. September 1,1 Mrd Dollar an Cash und Geldmarktanlagen besass, 28% mehr als 2008.

Das Hamstern von Bargeld beschleunigt einen Trend, der zwei Jahrzehnte zurückdatiert: Anfang 1991 hielten laut Analyse des «Wall Street Journal» die 500 grössten Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors 3,9% ihrer Vermögenswerte in Cash. Diese Zahl stieg bis Mitte 2004 stetig auf 9,2%.

Ende des 2. Quartals 2009 hiel-ten die 54 grössten IT-Unternehmen 280 Mrd Dollar oder 27% ihres Anlagevermögens in liquiden Mitteln - laut Analyse des «Wall Street Journal» ein höherer Prozentsatz als in jeder anderen Branche. Die Barmittel wuchsen im 3. Quartal 2009 bei den 34 Unternehmen dieser Gruppe, die ihre Zahlen bereits vorgelegt haben, weiter.

Zum Beispiel Google: Die Bar-bestände und kurzfristigen Inves-titionen des Suchmaschinen- giganten stiegen im 3. Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 53% auf 22 Mrd Dollar, was einem Anteil von 58% der Vermögenswerte entspricht.

Google glücklich über Bankkonto

Google-Chef Eric Schmidt sagte jüngst gegenüber Analysten, die Barmittel böten «operative und strategische Flexibilität. Wir sind sehr glücklich, dass wir sie auf unserem Bankkonto haben und dafür einen moderaten Zinssatz bekommen.» Heute belohnten Investoren Unternehmen mit grossem Geldvorrat, sagt Stendevad von der Citigroup. Aber manche Firma habe mehr, als sie brauche. Investoren beginnen, Manager zu drängen, das Geld zu reinvestieren oder es den Aktionären in Form von Aktienrückkäufen oder Dividenden zurückzugeben.

«Während der Krise konnten gar nicht genug flüssige Mittel vorhanden sein», so Stendevad, «jetzt geht es wieder um Wachstum.»