Dass Obama den Druck auf die Pharmaindustrie verstärken würde, darüber herrschte bereits im Wahlkampf wenig Zweifel. Bereits einen guten Monat nach Amtsantritt verdunkeln sich die Wolken für die Pharmakonzerne nun zusätzlich: Am Donnerstag präsentierte Obama sein Haushaltsbudget 2010. Erklärtes Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu verbessern - so verfügen knapp 50 Mio Amerikaner nach wie vor über keine Krankenversicherung.

Biosimilars bedrohen Pharma

Geplant sind aber auch tiefere Medikamentenpreise. In diesem Zusammenhang eine Passage des Papiers, die den Pharmafirmen besonders Bauchschmerzen bereitet: Die Food and Drug Administration (FDA) wolle Amerikanern den Zugang zu sicheren und effektiven Medikamenten aus anderen Ländern erleichtern. Dieser Fingerzeig auf die Zulassung von Parallelimporten setzt den Firmen zu. Auch will Obama sogenannte Biosimilars (siehe Kasten) fördern.

Die Titel der Pharmafirmen gingen nach Publikation auf Tauchgang. Der europäische Healthcare-Index, der GlaxoSmithKline, AstraZeneca, Novartis, Sanofi-Aventis und Roche beinhaltet, verlor 4,5%. Noch stärkere Abgaben verzeichneten die Einzelaktien von Novartis. Mit -6,5% gingen die Titel aus dem Handel. Auch die Genussscheine von Roche mussten Federn lassen, erholten sich jedoch im Tagesverlauf und konnten die Verluste bis Handelsschluss wieder wettmachen.

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Dabei wird voraussichtlich Roche - zumindest von den Auswirkungen der Biosimilar-Förderung - mehr leiden als Novartis. Mit der Generika-Tochter Sandoz hat Novartis bereits ein Bein im Generika-Markt. Sandoz ist auch führend im Bereich Biosimilars. 18% des Gesamtumsatzes von Novartis werden in der Sandoz-Sparte erwirtschaftet. Man könne die möglichen positiven Auswirkungen bei Sandoz noch nicht abschliessend beurteilen, so der Helvea-Analyst Karl-Heinz Koch: «Für eine Beurteilung ist es zu früh.» Selbst wenn es zu einer Rechtsprechung käme, wisse man noch nicht, wie die Produkte effektiv vom Markt aufgenommen würden, so der Analyst (siehe auch Kasten). Die Aktienkurse der beiden Schweizer Pharmamultis Roche und Novartis schnitten 2008 noch deutlich besser ab als der Gesamtmarkt.

Dieses Jahr mussten Novartis (-19%) und Roche (-16%) jedoch stärker zurückstecken als der SMI (-15%).

Kurs tiefer nach Gewinnwarnung

Als Novartis-Lenker Daniel Vasella jüngst anlässlich der Generalversammlung eine versteckte Gewinnwarnung aussprach, fiel der Aktienkurs zeitweise um über 3%. Die jüngste Stärke des Dollar werde wahrscheinlich das Finanzergebnis im 1.Quartal 2009 beeinträchtigen, so der Konzernchef. Auch bei Roche sind die Aktionäre derzeit zurückhaltend: Es wird befürchtet, dass Roche für die Total-übernahme ihrer Tochter Genentech nochmals nachlegen muss. Am Dienstag hat Genentech wiederholt, das Angebot sei zu niedrig. Roche hat indes eine Kapitalerhöhung in der Höhe von insgesamt rund 30 Mrd Dollar für die Akquisition vorgenommen. Die Vehikel waren am Markt rasch überzeichnet. Damit dürfte die Frage, ob sich Roche die Übernahme überhaupt leisten könne, vom Tisch sein.