Konjunkturbeobachter sind sich einig: Wir stehen am Anfang einer Rezession. Schon das 4. Quartal 2008 wird wohl negativ ausgefallen sein. Auch für die ersten zwei Quartale in diesem Jahr ist mit einem negativen BIP-Wachstum zu rechnen. Damit sind die Voraussetzungen für eine technische Rezession gegeben. Das BIP-Wachstum wird in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Quartalen sinken. So weit der Konsens.

Deutlich schwieriger wird die Einschätzung der Konjunktur in der mittleren Frist. Die momentanen Unsicherheiten über die Lage in der zweiten Jahreshälfte 2009 und im Jahr 2010 sind derart gross, dass auch die Einschätzungen der Marktbeobachter sehr unterschiedlich ausfallen. Von einer konjunkturellen Erholung, Stagnation bis hin zu einer Vertiefung der Rezession im 3. und 4. Quartal 2009 ist die Rede. Die zentrale Frage lautet somit: Wie lange dauert die Rezession, bzw. wann ist der konjunkturelle Tiefpunkt erreicht?

Trendwende zuerst in den USA

Da die Frage kaum schlüssig beantwortet werden kann, wurden im November 2008 Führungskräfte aus der Wirtschaft gebeten, ihre Einschätzung mitzuteilen (siehe Abbildung). Ein Drittel der Führungskräfte erwartet den Wendepunkt in den USA bereits bis zum April dieses Jahres. In den nächsten drei Monaten erhöht sich der Anteil auf 50%, bis im September 2009 auf zwei Drittel. Zwei Drittel der Führungskräfte sind also der Meinung, dass die Trendwende in den USA zwischen April und September erfolgen wird.

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Besonders auffällig ist nun, dass die Trendwende gemäss dieser Einschätzung in der Schweiz später stattfindet. Die Talsohle sollte zwischen Juni und Dezember 2009 durchschritten werden. In der EU lässt die wirtschaftliche Erholung gar noch deutlich länger auf sich warten: Zwei Drittel der Schweizer Führungskräfte erwarten den Aufschwung in der EU erst zwischen September 2009 und März 2010.

Vorteil der Schweiz gegenüber EU

Es sprechen einige Argumente dafür, dass sich die Schweiz in einer relativ besseren Ausgangslage als die EU befindet. Historisch betrachtet verliefen die Konjunkturzyklen in der Schweiz und der EU zwar meist parallel bzw. erfolgte der Aufschwung in der Schweiz sogar eher später als in der EU.

Die Schweiz hat heute aber nicht wie andere europäische Länder mit den Folgen einer Immobilienblase zu kämpfen. Die Schweizer Unternehmen sind solide finanziert, und es ist kein Credit Crunch festzustellen. Nur vereinzelt klagen KMU über schlechtere Kreditkonditionen, generell ist aber bis dato keine Kreditverknappung festzustellen.

Weiter ist die Schweizer Wirtschaft breit diversifiziert und auf allen wichtigen Märkten der Welt präsent. Aus diesen Gründen geht Economiesuisse davon aus, dass die Phase des Abschwungs in der Schweiz kürzer und weniger ausgeprägt als in der EU sein wird. Die konjunkturellen Risiken für die Schweiz sind aber so gross wie selten zuvor.

Ein stärkerer Franken würde die Exportindustrie zusätzlich belasten. Zudem besteht die Gefahr, dass die Weltkonjunktur aufgrund von negativen Kettenreaktionen, ausgehend von den USA und der EU, weiter nach unten gezogen wird. Auch eine Kreditverknappung ist hierzulande möglich. Ohne zusätzliche Belastungen aber sind die Chancen immer noch intakt, dass die Schweizer Wirtschaft die konjunkturelle Talsohle im 3. oder 4. Quartal 2009 durchschreitet.