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Finanzen
«USA sind wegen der Trump-Rhetorik am besten positioniert»

Martin Lück, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter BlackRock.
Martin Lück: Der Kapitalmarktstratege von Blackrock gibt einen Ausblick, ob Anleger auf eine Jahresendrally hoffen dürfen. Quelle: Jannis Chavakis

Martin Lück ist Kapitalmarktstratege von Blackrock. Im Interview sagt er, wie der grösste Vermögensverwalter im Handelsstreit gewichtet.

Von Carla Palm
am 18.07.2018

Welche Auswirkungen wird eine Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China auf Europa und die globalen Märkte haben?
Martin Lück*: Ich glaube, es wird schlimmer bevor es besser wird. Niemand, der halbwegs bei Verstand ist, kann annehmen, dass ein Handelskrieg gewonnen werden kann. Doch Donald Trump braucht den Handelskonflikt als Resonanzboden für seinen Wahlkampf. Dieses Thema ist für seine Wähler enorm wichtig. Bis zu den Midterm-Wahlen am 6. November wird uns die Diskussion noch begleiten. Anfang nächsten Jahres könnte Trump dann wieder einlenken.

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Wie wird es dann weitergehen?
Es könnte sein, dass wir am Ende sogar niedrigere Zölle haben als zuvor. Wir müssen aber vorher noch einmal durch das Tal der Tränen, wenn die Amerikaner tatsächlich, auf Zöllen von 20 Prozent bestehen, wie momentan kolportiert wird. Doch das kann nicht lange halten. Dafür sind die globalen Wertschöpfungsketten zu sehr miteinander verknüpft.

Was bedeutet dieses Szenario für US-Aktien versus Euro-Aktien?
Wir sind übergewichtet in US-Aktien, da die USA unserer Meinung nach wegen der Trump-Rhetorik am besten positioniert sind. Wir rechnen in den nächsten Monaten mit starkem Gewinnwachstum auf der Unternehmensseite und einer Aufwertung des Dollars. Beides spricht für US-Aktien im Vergleich zu Aktien der Eurozone. US-Unternehmen sind zudem weniger exportorientiert als europäische Gesellschaften.

Was raten Sie Schweizer Anlegern?
Anleger in Schweizer Franken müssen Geduld bewahren. Der SMI ist traditionell stark exportlastig, die Unternehmen reagieren sehr sensibel auf die globalen Handelsströme. Wenn man unserem Szenario folgt, dürften die Unternehmen erstmal weniger gut abschneiden, was an der Börse eher Kaufgelegenheiten eröffnet. Denn wie gesagt, es wird erst einmal schlimmer, bevor es besser wird.

Demnach können Anleger weiter in Risk-On-Szenarien denken?
Ja, denn noch nie gab es so viel Visibilität auf die Zentralbanken wir jetzt. Das spricht klar für Risk-On. Das Fed und die EZB sind berechenbar, die Zinsen dürften niedrig bleiben. Die EZB etwa dürfte die Zinsen noch bis zur zweiten Jahreshälfte 2019 niedrig halten. In Europa wird das Wachstum leicht schwächer, was aber kompensiert wird durch das stärkere Wachstum in den USA. Daher raten wir Anlegern trotz allem, die Portfolios wetterfest zu machen. Wir setzen auf Aktien und mit Blick auf das Anleihenportfolio ziehen wir kürzere Laufzeiten vor, da die Risiken steigen. Das gilt besonders für Dollar- und Euro-Investoren. Und wir setzen auf gute Kreditqualität.

Was sollten Anleger meiden? Kryptowährungen?
Kryptowährungen sind erstens keine Währungen und zweitens keine Anlageklasse. Das hat mit Anlegen nichts zu tun. 

Wird es eine Jahresendrally geben?
Es kommt darauf am, welches Umfeld sich in den nächsten Monaten durchsetzt. Ist eines der Risiken wie Italien und die Midterm-Wahlen in der Lage, das Sentiment der Investoren zu verändern? Wenn ja, dann wird es sich bis Ende Jahr nicht mehr beruhigen. Wenn der Markt aber die Nerven behält und an die Gewinnaussichten glaubt, die er eingepreist hat, dann ist ein Jahresendrally durchaus möglich. 

Was wird das Zünglein an der Waage?
Die Unternehmensergebnisse des zweiten Quartals.   

*Martin Lück ist Kapitalmarktstratege von Blackrock, dem grössten Fondsanbieter der Welt.

 

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