Vor einer Woche überraschte die US-Notenbank die Märkte mit der Ankündigung, in den nächsten Monaten für bis zu 300 Mrd Dollar lang laufende Staatsanleihen zu kaufen. Zudem will die Fed weitere 750 Mrd Dollar für den Kauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren ausgeben. Mit den Massnahmen sollen die langfristigen Zinsen gedrückt und die Kreditmärkte stabilisiert werden.

Kurz nach Bekanntwerden der Entscheidung setzte ein Ausverkauf beim Dollar ein. Er verlor gegenüber dem Euro, dem japanischen Yen, dem Schweizer Franken, dem britischen Pfund, dem kanadischen Dollar sowie einer Reihe von Emerging-Markets-Währungen. Der Euro verbuchte gegenüber dem Greenback einen seiner höchsten Intraday-Gewinne.

Entgegengesetzt zur Talfahrt des Dollar legte die Notierung für Gold um 6,4% auf 946 Dollar pro Feinunze zu. Damit ist - zumindest kurzzeitig - eine Mechanik wieder hergestellt, wie sie lange galt. Denn in den vergangenen zehn Jahren bewegten sich der Goldpreis und der Wert des Dollar meist in entgegengesetzte Richtungen. Wenn Gold stieg, sank der Dollar und umgekehrt. Seit vergangenem Dezember hatten sich die Kursbewegungen jedoch in auffälliger Weise synchronisiert.

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Anlage für Katastrophenzeiten

Traditionell suchen Anleger in Krisenzeiten nach sicheren Häfen. Häufig kaufen sie dann Gold, wenn sie steigende Preise befürchten, da Gold in jeder Katastrophensituation als hartes Zahlungsmittel gilt. In den vergangenen Monaten waren Anleger aber nicht nur stark an Gold, sondern ebenso sehr am Dollar interessiert. Schliesslich ist der Dollar die wichtigste Reservewährung der Welt. Sie wird von Notenbanken und Institutionen gehalten.

In Krisenzeiten wie diesen avancierte auch der Greenback zum Sicherheitsinvestment - in enger Verbundenheit mit Gold. In weniger unruhigen Zeiten kaufen Anleger Gold eher, um sich gegen einen schwächeren Dollar und Inflation abzusichern.

Die Fed-Entscheidung vom Mittwoch hat nun die gewohnte Gegenläufigkeit von Gold und Dollar wieder in Kraft gesetzt. Denn der massive Ankauf von US-Staatsanleihen durch die amerikanische Regierung bedeutet nichts anderes, als dass die Vereinigten Staaten die Notenpresse anwerfen. Das schwächt den Wert des Dollar und treibt die Inflationserwartungen in die Höhe.

Rekordhohe Gold-Bestände

In einem solchen Umfeld flüchten die Anleger wieder wie gehabt in Gold. «Die Umkehrverbindung zwischen Dollar und Gold ergibt viel Sinn», sagt Richard Bernstein, Chefinvestmentstratege bei Banc of America Securities. Die Bestände des weltgrössten Gold-ETF SPDR Gold stiegen um 15,3 t auf einen neuen Rekordwert von über 1084 t.