Für Hedge-Fonds war der September ein Albtraum: Praktisch alle Strategien funktionierten nicht. Gesamthaft verlor die Branche 4,7%, gemessen am auf der Basis vorläufiger Daten berechneten HFRI-Index. Seit Jahresanfang summieren sich dadurch die Einbussen auf 9,4%. Besonders schwach schnitten die Strategien Energie/Basismetalle (Minus 13,2%), Obligationen-Arbitrage (Minus 12%) und Multi-Strategie-Fonds (Minus 6,8%) ab. Emerging Markets verloren 9%, Asien ohne Japan (also China und Indien) 8,4%, Lateinamerika 7,4% und Russland/Osteuropa 15,5%.

Hohe Korrelation

Einzige Lichtblicke sind die Short-Bias-Strategien und die systematisch diversifizierten Index-Strategien. Beide gewannen auch im September (5,3% bzw. 2,2%) und liegen auch seit Jahresanfang mit 15,1 bzw. 9,5% noch nennenswert im Plus. Diese Strategien scheinen in diesem Jahr einigermassen zu funktionieren – was indes keine Gewähr gibt, dass das auch im nächsten Jahr der Fall sein wird.

Anleger können vor allem über strukturierte Produkte an der Performance von Hedge-Fonds partizipieren. Merrill Lynch (ML) wirbt jetzt für das Factor Index Zertifikat, das die Performance des HFRI-Index einfach, transparent und kostengünstig darstellen soll (Valor: 2894 585). Erreicht wird das durch die sechs Indexbestandteile S&P 500 (US-Blue Chips), Russell-2000 (US-KMU), MSCI-EAFE (Europpäische Aktien), MSCI Emerging Markets, US-Dollar-Index und dem 1-Monats-Libor (des Dollar). Die Gewichtungen der Komponenten wird einmal pro Monat überprüft und angepasst. Rückberechnungen haben ergeben, dass die Korrelation zwischen diesem Index und dem HFRI-Gesamtindex (in der gewichteten Variante) bei 95% liegt. Das Produkt ist nicht mit einem formalen Laufzeitende versehen (so oder so ist aber am 16. März 2106 Schluss), die Verwaltungsgebühr dieses seit März 2007 erhältlichen, in Dollar denominierten und passiv ausgestalteten Index-Nachbildes liegt bei 1% jährlich.

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Die Strategie erinnert stark an ein ähnliches, von anderen US-Banken propagiertes Vorgehen, Hedge-Fonds gesamthaft mit einfachen Mitteln – den sogenannten sechs Komponenten – nachzubilden. Diese Ansätze sind indes seit Sommer 2007 unter Druck, weil die Marktverwerfungen zu gross und die Effekte der Kreditkrise zu umfassend gewesen waren.

Geschönte Hedge-Fonds tracken

Dennoch funktioniert das ML-Produkt bisher gut: Seit der Emission ging der Preis um 5% zurück, der SMI verlor im gleichen Zeitraum 32%. Auf kürzere Zeiträume (1 bis 6 Monate) reduziert sich der Vorsprung indes auf 6% Performancedifferenz – hier widerspiegeln sich die verschärften Rahmenbedingungen an den Märkten. Und seit Anfang September verlor dieses Produkt etwa gleich viel wie der HFRI-Index – rund 6%.

Das Factor-Index-Zertifikat konkurriert auch mit den von der Credit Suisse begebenen sechs Indextracker auf den CS-Tremont-Hedge-Fonds-Index, einem Konkurrenten zum HFRI. Auf Ein-Jahres-Sicht haben beide Produkte den SMI deutlich geschlagen, wobei sich HEDGU bis zum jüngsten Einbruch etwas besser hielt als das ML-Factor-Index-Zertifikat.

Index-Tracker weisen bei Hedge-Fonds noch einen Vorteil auf: Weil nur die überlebenden Fonds Daten melden, zeichnen sie ein geschöntes Bild der Hedge-Fonds insgesamt, die Verlierer fallen heraus. Was oft beklagt wird, wenn es um eine aufschlussreiche Diagnose der Industrie geht, ist hier für einmal ein Vorteil für Anleger.