Der Analystenkonsens lag bei einem Verlust von 3.17 Dollar pro Aktie, die in den letzten Tagen an der Wall Street herumgereichte Flüsterschätzung bei 5 Dollar Verlust. Goldman Sachs wies dann ein Minus von 4.97 Dollar pro Aktie bzw. 2,12 Mrd Dollar aus. Die Flüsterer hatten diesmal Recht behalten. Die Bonitätsanalysten von Moody’s kürzten unmittelbar nach dem Ergebnis die Note um eine Stufe auf «A1».

Erinnerungen an LCTM-Krise

Damit markierte Goldman Sachs den ersten Quartalsverlust seit dem IPO vor zehn Jahren, als der Kollaps des Hedge Fund LCTM und die Asienkrise ihre Spuren in den Büchern vieler Finanzinstitute hinterlassen hatten. Im Vorjahr hatte die Bank noch einen Gewinn von 7 Dollar pro Aktie ausgewiesen. Trotzdem stieg die Aktie nach dem Resultat vorbörslich um 2%: Die Anleger hatten mit noch schlechteren Zahlen gerechnet. «Goldman Sachs hat die Kosten massiv gesenkt, die Bilanz sieht gut aus», kommentiert Panagiotis Spiliopoulos, Analyst bei der Bank Vontobel. Vor dem Hintergrund des schlechten Umfelds sei dies ein relativ gutes Ergebnis. Die Bank hat 1,4 Mrd Dollar bei kommerziellen Liegenschaften abgeschrieben und 1,7 Mrd Dollar auf Verbriefungen privater Hypotheken. Dabei geht aus den Zahlen noch nicht hervor, wie stark die veränderten Bilanzierungsregeln die Bilanzverhältnisse geschönt haben.

Die Vorbildwirkung für andere Banken fällt dabei unterschiedlich aus: «Für die UBS ist dieses Ergebnis bedeutungslos», sagt Spiliopoulos, «denn Ende September sind die illiquiden Problempapiere aus den Büchern.» Die Credit Suisse, die bereits Ende November vor einem verhagelten Quartal gewarnt hatte, hat laut Spiliopoulos noch rund 10 Mrd Dollar an Papieren auf kommerzielle Liegenschaften und zwischen 6 und 7 Mrd Dollar an Verbriefungen von Privathypotheken in ihren Büchern. «Die Credit Suisse hat damit im laufenden Quartal bereits so viel abgeschrieben, dass nicht mehr allzu viel dazu kommen dürfte», meint Spiliopoulos.

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19 Milliarden an Abschreibern

Laut Kian Abouhossein, Analyst bei JP Morgan in London, müssen die europäischen Banken im 4. Quartal weitere Abschreiber in einer Höhe von 19 Mrd Dollar vornehmen. Besonders bei Verbriefungen auf kommerzielle Liegenschaften (CMBS) sind die Risiken für weitere Abschreiber hoch. Von der Credit Suisse, bei der die Bücher «relativ sauber» seien, erwartet er noch 572 Mio Euro (800 Mio Fr.) an Abschreibungen. Am meisten bei kommerziellen Liegenschaften exponiert ist die Deutsche Bank - hier rechnet Abouhossein mit einem Milliardenabschreiber.