Zentral im Kampf um Kundengelder sind die Kundenberater. Erst vergangene Woche wechselte ein Team von der UBS zu Merrill Lynch - und mit ihm laut Analystenschätzungen einige 100 Mio Dollar.

Ende letzten Jahres hatte ein anderes Team in Basel von der UBS zur Bank Sarasin gewechselt und 2 Mrd Fr. mitgenommen. Unter dem Strich haben sich die Schweizer Kundengelder der schweizerischen Banken kaum verändert. Die ausländischen Assets hingegen sind laut dem jüngsten Bericht der SNB um fast 25% im Vergleich zum Vorjahr gefallen - hier machen sich neben Währungskursveränderungen auch Rückzüge ausländischer Bankkunden bemerkbar. Laut FPK-Analyst Chris Roberts dürfte sich der Abfluss dieser Kundengelder fortsetzen. Und weniger Kundengelder bedeuten einen erhöhten Druck auf die Margen der Vermögensverwalter.

Kampf um Gelder in Asien

Umso wichtiger im Kampf um Kundeneinlagen ist Asien. Es ist gegenwärtig die einzige Region, in der die Vermögen noch steigen. Zudem sind die Nummer eins und zwei, die UBS und die Citigroup, hier im Kampf um die vermögenden Kunden in starker Bedrängnis, weil ihre Reputation angeschlagen ist. Zuwächse verzeichnen die Nummer drei, HSBC, sowie die Nummer vier, die Credit Suisse. Gleich dahinter positionieren sich die kotierten Schweizer Privatbanken Julius Bär, Sarasin und Vontobel.

Ob und wie gut das Wachstum in Asien die Rückgänge in den USA und den europäischen Ländern ausgleichen kann, ist unter Analysten umstritten.

Im Kern geht es um die Frage, ob die Abflüsse zyklisch oder strukturell (Steuern usw.) bedingt sind. Am exponiertesten gegenüber strukturellen Herausforderungen ist Julius Bär, wo drei Viertel der Private-Banking-Gelder «offshore» sind, also Ausländern mit Wohnsitz ausserhalb der Schweiz gehören. Bei Sarasin ist der Anteil lediglich halb so hoch. Noch viel kleiner ist dieser, laut FPK-Analyst Chris Roberts, bei der Bank Vontobel, weil dieses Institut ungleich stärker im Investment Banking aktiv ist als die beiden anderen Konkurrenten.

Margenvorteil fällt weg

Deshalb würde laut den Modellrechnungen von Roberts ein Schrumpfen der Kundengelder um 10% bei Julius Bär den operativen Gewinn um 18% zurückgehen lassen. Bei Sarasin und Vontobel wäre der Rückgang je 12%. Und wenn der Margenvorteil wegfällt - das Offshore-Geschäft ist ungleich lukrativer als das mit einheimischen Kundenguthaben - und sich auf das Niveau der vier britischen Vermögensverwalter Rathbone Brothers, Rensburg Sheppards, Brewin Dolphin und Charles Stanley zurückbilden würde, sind die Aktien der drei gelisteten Vermögensverwalter zwischen 33 und 38% zu hoch bewertet.

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Die drei Banken reagieren mit Aufstockungen in Asien. So hat allein Julius Bär in der 1. Jahreshälfte netto 17 neue Kundenberater eingestellt und Büros eröffnet. Laut den Analysten der Credit Suisse legen solche Einstellungen die Grundlagen für zukünftiges Wachstum, sie rechnen bereits für dieses Jahr mit einem Nettozufluss von 11 Mrd Fr. und empfehlen die Bär-Aktie zum Kauf.

Vontobel verfolgt mit dem Kauf des Schweizer Geschäfts der Commerzbank eine andere Strategie - und hat mit einer Kapitalunterlegung von 20% noch Spielraum für weitere Käufe, glaubt KBW-Analyst Matthew Clark. Weil es indes schwierig ist, eine Erholung des Geschäftes mit strukturierten Produkten zu prognostizieren, empfiehlt er, die Aktie zu halten. Die gleiche Empfehlung spricht er für Sarasin aus, obwohl hier die Kundenmittel in der Private-Banking-Sparte nach den aggressiven Neueinstellungen der letzten Jahre deutlich zugelegt hatten. Die Aktie ist auf dem gegenwärtigen Niveau bereits angemessen bewertet.