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Gold
«Verschwörungstheoretiker wittern einen Krieg »

Samuel Gerber, Goldbarren im Lager: «Nicht zwingend aus der Schmuddelecke». (Bilder: HZ/Keystone)

Um das gelbe Edelmetall ranken sich zahlreiche Mythen. Wer steckt dahinter? Wie seriös sind sie? Und warum haben sie so viele Anhänger? «Handelszeitungs»-Anlageexperte Samuel Gerber ordnet ein.

Von Stefan Eiselin
am 25.04.2013

Um Gold ranken sich seit jeher Verschwörungstheorien. Warum eigentlich?
Samuel Gerber: Gold wird kaum industriell genutzt, verbraucht sich nicht - und ist damit eigentlich fundamental wertlos. Sein Preis ergibt sich durch das, was die Menschen dem Edelmetall zumessen. Macht etwa, Reichtum oder das Göttliche. In der Antike wurde Gold mit der Sonne in Verbindung gebracht, sein Wert wurde «vom Himmel geholt», wie Experten meinen. Gold ist ein Element, das immer genau das ist, was man gerade in ihm sehen will - das ist natürlich die ideale Grundlage für Verschwörungstheorien. Die zeichnen sich ja gerade dadurch aus, dass sie sich an einzelnen Argumenten festbeissen und alles andere konsequent ausblenden.

Nehmen die in Krisenzeiten zu?
Gold wird seit Jahrhunderten als Wertaufbewahrungsmittel genutzt. Damit steigt das Interesse am Edelmetall, wenn sich eine Krise anbahnt. Heute ist diese Situation in besonderem Mass gegeben, weil angesichts der massiven Geldschwemme auch durchaus seriöse Stimmen in Gold eine Alternative zum Papiergeldssystem sehen. Verschwörungstheoretiker wittern natürlich einen Krieg des billigen Papiergeldes gegen das althergebrachte, «ehrliche» Gold-Geld.

Sind alles wirklich falsche Mythen oder steckt teilweise auch ein Quäntchen Wahrheit in diesen Theorien?
Jede gute Verschwörungsstory enthält ein Körnchen Wahrheit. Das ist auch bei Gold nicht anders. Nehmen wir etwa die oft geäusserte Vermutung, der Goldpreis sei jüngst nur deshalb so tief gestürzt, weil ein Kartell aus Politik, Grossbanken und Notenbanken die Enteignung der Goldbesitzer plant und bei der Rücknahme nicht zuviel zahlen will. Das klingt irre – aber in den 1930-Jahre verboten nicht nur Hitler und Mussolini, sondern auch der demokratisch gewählte US-Präsident Franklin Roosevelt privaten Goldbesitz.

Wer steckt denn hinter diesen Legenden?
Gold-Verschwörungstheorien kommen nicht zwingend aus der Schmuddelecke. So schrieb der 2005 verstorbene und als Goldexperte hoch geachtete Schweizer Bankier Ferdinand Lips das Buch «Die Gold-Verschwörung», auf das sich heute zahlreiche Theorien berufen.

Haben die Mythen eine gewisse Breitenwirkung oder zirkulieren sie vor allem in geschlossenen Kreisen?
Der massive Anstieg des Goldpreises und damit das Interesse an Gold haben auch die Verschwörungstheoretiker beflügelt. Das ist eine eigene Industrie mit Büchern, Internetforen, Blogs und ganz realen Goldangeboten, die bestens vom Hype um das Edelmetall lebt. Die Breitenwirkung nahm damit sicher zu. Auch die Goldinitiative der SVP etwa profitiert nicht wenig von den Mythen ums Gold, wenn sie den Goldschatz der Schweiz bewahren will.

Lesen Sie mehr dazu in der neuen Ausgabe der «Handelszeitung», ab heute am Kiosk.

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