Nach dem Investorentag von Zurich Financial Services (ZFS) Ende Juni könnten sich einige Anleger zum Handeln veranlasst sehen. Zwar möchte der Versicherer auf das Eigenkapital eine Rendite aus dem operativen Geschäft, dem Business Operating Profit (BOP), von 16% erzielen. Weiter hielt man sich zum laufenden 2. Quartal 2010 aber bedeckt - und dies hat einiges Enttäuschungspotenzial. Zudem liess das ZFS-Management durchblicken, dass man über Zukäufe die Stellung in aufstrebenden Märkten sowie im Lebensversicherungsbereich stärken möchte.

Kein Aktienrückkauf angesagt

Gerade das BOP-Ziel bei 16% veranlasste einige Analysten dazu, genau nachzurechnen. Es gilt laut der Versicherung über den ganzen Geschäftszyklus hinweg. «Damit glauben wir, könnte es nicht nur im 1. Quartal dieses Jahres unter 16% ausfallen», kommentiert Michael Huttner, Analyst bei JP Morgan, «sondern auch gleich im ganzen Jahr.» Im 1. Quartal 2010 erreichte ZFS einen Wert von 13,5%, wobei das Chile-Erdbeben 2% kostete. Für das Gesamtjahr lassen sich somit 15% erzielen, wenn alles gut geht. «Wir gehen für das gesamte Jahr eher von 14,5% aus», sagt Huttner weiter.

Und das laufende Quartal birgt noch weiteres Enttäuschungspotenzial. «Eine wahrscheinliche Ursache für Druck auf den Ertrag ist der Rohölschlamm im Golf von Mexiko», so Huttner. Hier ist offen, wie die Versicherten reagieren werden, und ob sie erst ihre Ansprüche gegenüber dem 20 Mrd Dollar schweren BP-Fonds geltend machen, bevor sie ihre Versicherung kontaktieren.

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Leicht enttäuscht hat schliesslich, dass kein weiteres Aktienrückkaufprogramm angekündigt wurde. Laut den Analysten der Bank Vontobel könnte dafür die Dividende im nächsten Jahr noch um 1 Fr. auf 17 Fr. aufgestockt werden. Das entspräche einer Rendite von 6,8%. Allerdings sind solche Erwartungen immer mit einiger Unsicherheit behaftet. ZFS könnte die Gewinne auch für Akquisitionen verwenden. «Hier liegt ein weiteres Risiko», sagt William Hawkins, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods, einer auf Banken und Versicherungen spezialisierten Finanzboutique.

Attraktiv dank Dividende

Hawkins sieht zudem noch einiges Restrukturierungspotenzial beim Nichtlebengeschäft von Zurich. «Der Transfer von Mario Greco vom globalen Lebensversicherungsgeschäft zum Chef des Nichtlebengeschäfts ist für uns ein Hinweis dafür, dass man da noch Restrukturierungs- und Effizienzsteigerungspotenzial sieht.» Bei ZFS stellt man die Profitabilität vor das Wachstum - und das dürfte Akquisitionen eher auf kleinere Zukäufe beschränken.

Für Anleger wird die Sache dadurch nicht einfacher. ZFS wird zwar hinsichtlich des Buchwertes leicht über, aber hinsichtlich des Gewinns leicht unter dem europäischen Durchschnitt gehandelt.

Beim Geschäftsverlauf bestehen, wie auch bei anderen Versicherungen, einige Risiken, die der Markt auch dementsprechend einpreist. ZFS gilt, gleich wie Allianz, Axa und Prudential, als globaler Konzern mit entsprechenden Risiken, wenn irgendwo auf der Welt eine Katastrophe eintritt. Die Kapitalisierung «sieht auch unter den neuen regulatorischen Erfordernissen stark aus», drücken sich die Analysten der Deutschen Bank aus. Die Kursziele liegen auch bei den skeptischen Analysten zwischen 280 und 300 Fr. und damit ein gutes Stück über den aktuellen Kursen.

Die Aktie eignet sich aufgrund der hohen Dividende als gutes Basisinvestment für Anleger, die auf regelmässige Erträge angewiesen sind und am Bondmarkt nicht (mehr) fündig werden.