Von Katerstimmung kann bei Swisscom keine Rede sein. Im Gegenteil. Der Umsatz bleibt stabil, der Gewinn robust, und auch der Cashflow fliesst, als stecke die Wirtschaft nicht nach wie vor in einer tiefen Rezession. Für Anleger könnte es sogar noch besser kommen: Der Schweizer Telekomprimus dürfte seine Dividende für das laufende Geschäftsjahr kräftig nach oben schrauben, schätzen Analysten von Vontobel.

«Dividendenstrategien sind besonders in unsicheren Zeiten bei Anlegern beliebt», sagt Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Research von Vontobel. «Hohe Dividenden funktionieren wie Versicherungen», sagt Spiliopoulos. Sie schützen die Anleger vor schwankenden oder fallenden Kursen, indem sie Kursverluste ausgleichen. Und mehr als das: Historisch machen Gewinnausschüttungen 60 bis 70% der Aktienrendite aus.

Gute Renditen dank Dividenden

Trotz ihres defensiven Charakters - in Boomphasen setzen Anleger vermehrt auf steigende Kurse - sind Dividenden eine willkommene Einkommensquelle. «Die Zinsen bleiben weiterhin auf niedrigem Niveau», sagt Oliver Dettmann, Anlagestratege der UBS. «Mit Dividenden lassen sich gute Renditen erwirtschaften.» In den vergangenen 12 Monaten betrug die Dividendenrendite von SMI-Unternehmen 2,6%. Laut UBS dürfte sich dieser Wert in Zukunft vor allem dank der sich erholenden Finanzindustrie auf über 3% erhöhen.

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Dividendenrenditen basieren auf vergangenen Gewinnausschüttungen. Doch wer kann garantieren, dass die Dividendenzahlungen in Zukunft aufrechterhalten werden können? «Die Ertragskraft Schweizer Unternehmen zieht wieder an», sagt Dettmann. Ausserdem wirkten sich die zahlreichen Kostensenkungsprogramme positiv auf die Gewinne aus. Der Anlagestratege ist sich sicher: «Unternehmen, die Dividenden ausschütten, können sich das leisten.»Aber auch die Signalwirkung von Dividenden dürfe nicht unterschätzt werden, meint Spiliopoulos. «Eine stabile Dividende ist ein Zeichen von Normalität», sagt der Analyst. Ein Unternehmen, das Dividenden ausschüttet, teile den Anlegern mit, dass es definitiv über den Berg sei. Eine gute Nachricht für Anleger mit einem Anlagehorizont von länger als 12 Monaten, die nicht täglich auf die Kurse schauen wollen. «Sie können ruhig schlafen», so Spilio- poulos.

Mit einer Dividendenrendite von 6,2% schlägt Swisscom den Branchendurchschnitt um fast 2,5%. Und auch im internationalen Vergleich kann sich dieser Wert sehen lassen. «Hohe Dividenden werden oft in gesättigten Märkten wie der Telekombranche in Westeuropa ausgeschüttet», sagt Spiliopoulos.

Aber auch Finanz- und Versicherungstitel fallen positiv auf. Etwa Credit Suisse mit einer Dividendenrendite von 4,5%, die Kantonalbanken und die beiden Versicherungen Bâloise (5,1%) und Zürich Financial Services (4,7%), welche die Krise gut gemeistert haben.

Sichere Wiederanlage

Wer eine Dividendenstrategie fährt, muss sich Gedanken über die Wiederanlage der Dividendenerträge machen. «Dank Zinseszinsen treiben reinvestierte Dividenden die Gesamtrendite in die Höhe», sagen Analysten von J.P. Morgan.

Anlegern, die auf Nummer Sicher gehen wollen, empfiehlt Oliver Dettmann defensive, azyklische Branchen, die ein stabiles Wachstum von 5 bis 6% aufweisen. Traditionell sind dies Nahrungsmittel (Nestlé), Pharma (Novartis, Roche), Energie (Shell, British Petrol, Total) und Telekommunikation wie die Swisscom.