Boeing verschob vergangene Woche die Einführung seines neuen Modells ein weiteres Mal. Statt im Mai soll der Erstflug des 787-«Dreamliners» erst im 3. Quartal 2008 erfolgen, die ersten Flugzeuge sollen rund ein Jahr später fertig werden. Mit der dritten grösseren Verschiebung in sechs Monaten reagierten auch die Kunden. Analysten berechneten Milliardensummen, wenn Konventionalstrafen und weitere Rabatte – eine beliebte Entschädigungswährung – gewährt werden.

Wichtiger als die Verschiebung ist aber die Frage, ob und wann der Höhepunkt des gegenwärtigen Kaufzyklus erfolgen wird. Das aktuelle Kursniveau mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 und einem Gewinn pro Aktie von 6.25 Dollar nimmt einen Bestellungshöhepunkt für 2008 vorweg – obwohl die Auftragsbücher für die nächsten sieben Jahre voll sind. Boeing hat im laufenden Jahr bereits 318 Aufträge bekommen (Airbus 395), damit bleibe die Auftragslage gut. Und auch wenn sich jetzt aufgrund einer abschwächenden Weltkonjunktur der Bestellungseingang ausdünnt – ein Orderbuch mit Aufträgen für fünf Jahre dürfte für die Überbrückung einer Durststrecke ausreichen.

Die Analysten der Deutschen Bank stufen die Auswirkungen der Verzögerungen und milliardenteuren Entschädigungen für dieses Jahr für gering ein, für 2009 und 2010 haben sie die Gewinnerwartungen um je 2,5% auf 5,87 bzw. 6,81 Dollar reduziert. Weil auch jetzt nicht alle Risiken beseitigt sind und sich das Geschäftsklima bei Airlines deutlich verschlechtert, überwiegen die Risiken die möglichen Chancen. Die Boeing-Aktie ist damit weiterhin kein Kauf. Sie litt Ende letzter Woche zunächst nicht unter der Verschiebungsmeldung.

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Auch die EADS-Papiere zeigten sich zunächst unbeeindruckt. Die EADS-Tochter Airbus in Toulouse hatte zuvor mit dem Superjumbo-Modell A380 eine ähnliche Serie von Verschiebungen erlebt, die EADS-Aktien haben ihre Kurskorrektur bereits hinter sich. Die Analysten der Credit Suisse sehen aber andere Gefahren: So stockt der Verkauf von Produktionswerken, dann wird der starke Euro gegenüber dem Dollar zum chronischen Problem und schliesslich verschlechtert sich das Klima in der Airline-Industrie zusehends. Immerhin dürfte EADS dieses Jahr wieder in die Gewinnzone vorstossen. Bei der Credit Suisse schätzt man die Gewinne pro Aktie für 2008 und 2009 auf 1.30 bzw. 1.57 Euro. Daraus ergeben sich Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 11,5 bzw. 9,6. Auch hier sind die Schätzungen laut den Analysten von Exane BNP Paribas mit Unsicherheiten behaftet.

Längerfristig sind deshalb die Boeing-Papiere den EADS-Aktien vorzuziehen.