Als zum Wochenauftakt Holcim eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Zukäufe in Australien und China ankündigte, eröffnete die Aktie des Zementherstellers zu Handelsbeginn 4% im Minus. Bereits am Mittag war der Rückstand aber aufgeholt. Ähnlich war es zuvor bei Duftstoffproduzent Givaudan gewesen, der ebenfalls eine Kapitalerhöhung ankündigte.

Zwar war die Aktie letzte Woche im Vorfeld des Ergebnisses ebenfalls unter Druck geraten, und die Analystenkommentare zur Kapitalaufnahme waren nicht alle wohlwollend, aber zu Wochenbeginn performte auch Givaudan besser als der SPI.

Gütesiegel Kapitalaufnahme

«Zurückblickend haben sich die Befürchtungen vor einem massiven Ausverkauf nach Aktienemissionen als übertrieben herausgestellt», sagt David Kostin, Analyst bei Goldman Sachs. Allein in den letzten drei Wochen sind in den USA Aktien für über 50 Mrd Dollar emittiert worden. Gesamthaft liegt jetzt die Summe bei 100 Mrd Dollar. Auch wenn man die Kapitalerhöhungen von Banken und Finanzdienstleistern ausklammert, legten die 21 Firmen, die seit Januar über die Börse frische Mittel beschafft haben, um 8% mehr zu als der breite S&P-500-Index. Und noch besser sieht die Bilanz der vier grösseren IPO (Börsengänge) in New York aus. Diese Aktien verbesserten sich seit ihrer Emission um durchschnittlich 23%. Das zeigt, dass sich die Wahrnehmung an den Börsen grundlegend verändert hat: Titel von Firmen mit Kapitalerhöhungen wurden bisher meist mit Abschlägen für den Verwässerungseffekt bestraft. Jetzt gilt ein Unternehmen, das sich am Markt frische Mittel beschaffen kann, als vergleichsweise solide, denn sonst müsste es andere Wege finden und unter staatliche Rettungsschirme oder in die Arme von Staatsfonds flüchten.

Zudem geben Firmen heute meistens «normale» Stammaktien aus. Nicht stimmberechtigte Vorzugsaktien oder Wandelanleihen waren das bevorzugte Instrument bei den staatlichen Notfallübungen gewesen. Schliesslich ist das Umfeld für eine Kapitalerhöhung günstig: Die Märkte haben sich deutlich beruhigt und frisches Aktienkapital bringt Firmen einen leichter steuerbaren und weniger hohen Geldabfluss als beispielsweise hochverzinsliche Obligationen.

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«Ich stelle einen ähnlichen Effekt fest bei den Kapitalerhöhungen, die wir in der Schweiz gesehen haben», sagt Helvea-Analyst Stefan Gächter und verweist auf die Transaktionen von AFG oder die geplante Kapitalerhöhung bei Looser. «Gerade im Solarumfeld, wo etliche Firmen ihr Aktienkapital aufstocken, nutzen viele Firmen einfach die Gunst der Stunde, nachdem sich die panische Angst an den Kapital- und Kreditmärkten gelegt hat», sagt Gächter. Dennoch würde der Markt nicht unbesehen jedes Unternehmen akzeptieren, das neue Aktien ausgibt. «Die Faktoren beim Einzelfall müssen stimmen», so der Helvea- Analyst.

«Der Common Sense bei Kapitalerhöhungen ist anders», sagt seinerseits ZKB-Analyst Armin Rechberger. «Grundsätzlich sind solche Transaktionen eher kursbelastend, auch wenn jetzt einzelne wie die von AFG positiv aufgenommen wurden.» Zudem steht dieser Weg nicht jeder Firma offen. Georg Fischer beispielsweise würde dieser Weg wohl offenstehen, bei OC Oerlikon halte er diesen Weg für weniger wahrscheinlich, so Rechberger. «Wobei: Auch hier kann ein Solar-Grossauftrag das Klima stark aufhellen dann sieht es wieder anders aus.»

Wichtige strategische Schritte

Givaudan hingegen ist ein gutes Beispiel dafür, dass Kapitalerhöhungen nicht alle Probleme gleichzeitig lösen können. «Hier wird zwar das Aktienkapital um 10% verwässert, aber weil dadurch Schulden abgebaut werden und die operative Flexibilität steigt, verbessert sich auch die Visibilität», sagt JP-Morgan-Analystin Celine Pannuti.

Bei Holcim ist die Kapitalerhöhung mit 20% sogar noch höher. Hier überwiegen laut den Analysten der Bank Vontobel aber ebenfalls die positiven Seiten: Weil die Mittel wichtige strategische Schritte ermöglichen, erhöhten sie ihr Kursziel für Holcim um 5 Fr. auf 75 Fr. (aktuell 60 Fr.). Credit Suisse verweist auf das bessere Risikoprofil: Die Verschuldung sinkt, die Finanzierungsrisiken sinken ebenfalls.