Im Versuch, sich gegen drastische Preissteigerungen bei Stahl zu stemmen, weigern sich einzelne Autohersteller in den USA, Preisaufschläge auf bereits vereinbarte Lieferkontrakte zu zahlen. Einige Automobilunternehmen haben sogar gedroht, wegen der Aufschläge vor Gericht zu ziehen.

Derzeit befinden sich die meisten Stahlhersteller in den USA, einschliesslich ArcelorMittal, U.S. Steel und AK Steel, mitten in geheimen Verhandlungen mit Ford, General Motors, Toyota und anderen, um den Preis und die Bedingungen eines Stahlkontrakts festzulegen. Beiden Seiten ist klar, dass der Preis für die nächsten Stahlkontrakte aufgrund der höheren Kosten für Eisenerz und Energie deutlich höher sein wird.

Vor ungefähr zwei Wochen gab BHP Billiton – das nach Ausstoss grösste Minenunternehmen der Welt – bekannt, dass es den Stahlkochern durchschnittlich 85% mehr für Eisenerz berechnen werde. ArcelorMittal, der weltgrösste Stahlhersteller, hat auf jede US-Tonne (907,18 kg) Stahl 250 Dollar aufgeschlagen. Dieser Aufschlag, der bereits im April angekündigt wurde, sollte ab 5. Mai gelten.

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Nicht alle akzeptieren

Aber selbst jetzt, bald drei Monate später, weigern sich einige Autohersteller. «Einige Kunden haben den Aufschlag akzeptiert, andere nicht», sagt Aditya Mittal, Finanzchef bei ArcelorMittal. «Mit denen, die ihn nicht akzeptiert haben, befinden wir uns in Verhandlungen.» Andere Stahlhersteller haben keine einseitigen Aufschläge erhoben, verhandeln aber solche einzeln mit Autoherstellern. ArcelorMittal ist zuversichtlich, dass die Autohersteller die teureren Preise zahlen werden.

Die steigende Nachfrage vor allem aus den Schwellenländern hat dazu geführt, dass das Stahlangebot knapper wurde und die Preise stiegen. Ausserdem verschlechterte sich die Verhandlungsposition der amerikanischen Autohersteller. Jahrzehntelang waren sie die lukrativsten Kunden für die Stahlhersteller und haben diese zu langfristigen Stahlkontrakten zu Discountkonditionen gezwungen.

Kampf um die Kosten

Doch nun steckt die Autoindustrie in einer schweren Krise. Im Juni fielen die US-Autoverkäufe im Vergleich zum Vorjahresmonat um 18%. Die Automobilunternehmen versuchen verzweifelt, ihre Kosten zu senken, auch wenn immer weniger Stahl für die Produktion benötigt wird. Bei einem 30000-Dollar-Auto betragen die Kosten für den Stahl derzeit rund 1500 Dollar. Die Stahlunternehmen wiederum versuchen, den Anteil ihres in Kontrakten verkauften Stahls zu reduzieren, da sie auf dem Spotmarkt derzeit bessere Preise erzielen. Bei ArcelorMittal finden gegenwärtig nur 20% der Verkäufe auf Kontraktbasis statt.