Er liegt, meist in Würfelform, unbeachtet im Küchenschrank und wartet darauf, irgendwann einen Kaffee zu versüssen. Dabei ist Ignoranz hier völlig unangebracht, denn Zucker ist der Rohstoff der Stunde: Der Preis des Süssstoffs legte allein im vergangenen Jahr um satte 120% zu ? Zucker ist damit so teuer wie zuletzt vor 29 Jahren. Diese Entwicklung genügte sogar, um Edelmetalle wie Gold und Silber klar abzuhängen.

Der rasante Preisanstieg beim Zucker ist keineswegs eine Ausnahme. Auch andere sogenannte Agrarrohstoffe machen derzeit Schlagzeilen, weil sie stetig teurer werden. Mit schmerzhaften Folgen auch für Verbraucher: Weil etwa der Preis für Kakao zuletzt sprunghaft angestiegen ist, soll jetzt auch Schokolade deutlich teurer werden. Die Hersteller berufen sich darauf, die höheren Kosten für die Zutaten weitergeben zu müssen. Der Kakaopreis steht heute etwa doppelt so hoch wie 2007.

Dabei ist zumindest dieser Rohstoff keineswegs knapp. Preistreiber seien zum grossen Teil Anleger, die sich von einem Investment in die Rohstoffe eine höhere Rendite versprechen als von herkömmlichen Geldanlagen. Ein vergleichbares Phänomen ist auch beim Rohöl zu beobachten. Schon im Sommer 2008 hatten Spekulanten den Preis für das schwarze Gold auf das Rekordhoch von fast 150 Dollar je Fass getrieben, ehe die Notierung im Zuge der Finanzkrise bis auf 30 Dollar abstürzte.

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Beim Zucker hingegen gibt es durchaus echte Anzeichen für eine Angebotsverknappung. «Vor allem die Ernte im Land des weltgrössten Rohzuckerproduzenten Brasilien hat durch andauernde Regenfälle gelitten», sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Hinzu kommt, dass auch Indien mit einer geringeren Ernte als erwartet auf den Markt kommt und zugleich China seinen heimischen Bedarf nicht mehr aus eigener Produktion decken zu können scheint. «Allein hier liegt die Angebotslücke aufgrund gefallener Produktion in diesem Jahr nach staatlichen Angaben bei rund 3 Mio t», so Commerzbank-Analyst Fritsch. So steigt der Preis aus Furcht vor Versorgungsengpässen immer weiter.

Achtung Rollverluste

Knappes Angebot und Investoren mit vollen Geldbeuteln: Das ist die aus Anlegersicht ideale Kombination für weiter steigende Preise. Und da die Zentralbanken die Zinsen weiter niedrig halten, könnte die Sause noch einige Zeit weitergehen und zunehmend auch Agrarrohstoffe erfassen, die von den Spekulanten bisher noch nicht entdeckt wurden.

Wer als Privatanleger dabei sein will, kann auf sogenannte ETC (Exchange Traded Commodities) setzen, also Schuldverschreibungen auf die Preisentwicklung der einzelnen Rohstoffe. Das Problem: Dabei drohen sogenannte Rollverluste. Da die Rohstoffe ja nicht ausgeliefert werden sollen, sondern die Kontrakte kurz vor Fälligkeit verkauft und in einen weiter in der Zukunft fälligen Kontrakt reinvestiert (rolliert) werden, kommt es meist zu Verlusten. Diese können sogar dazu führen, dass ein Index ein Minus aufweist, obwohl der Preis des Rohstoffes gestiegen ist.

Hinzu kommt, dass Agrarrohstoffe besonders anfällig für Preisschwankungen sind. Denn letztlich führen höhere Preise zu einer Ausweitung der Produktion und somit mittelfristig wieder zu sinkenden Preisen. Solche ETC sind daher nichts für eine langfristige Anlage, sondern nur für das Ausnützen günstiger Gelegenheiten. Eine Alternative für Anleger ist der Kauf von Einzelaktien, die von bestimmten Entwicklungen am Markt profitieren. Zuckerproduzenten wie die am deutschen MDax kotierte Südzucker können von dem Preisansteig pofitieren. Lohnend sind hohe Rohstoffpreise auch für den Schweizer Prüfkonzern SGS, während Schokoladenproduzenten wie Barry Callebaut oder Lindt & Sprüngli teurer einkaufen müssen.

Risiken mit Fonds streuen

Wem Einzelinvestments zu riskant oder aufwendig sind, der kann die Arbeit auch Fondsmanagern überlassen, die die jeweiligen Märkte gut einschätzen können oder günstige Exchange Traded Funds (ETF) kaufen, die die Entwicklung über die gesamte Palette der Agrarrohstoffe abbilden und damit für eine bessere Risikostreuung sorgen. Denn «Alles auf Zucker» sollte weiterhin besser ein Filmtitel bleiben.