Tiefer kann die UBS-Aktie nicht mehr fallen, hat sich mancher Investor gedacht, als der Titel 40 Fr. kostete. Doch der Aktienkurs hat sich nochmals halbiert. «Irgendwann sind die Anleger so enttäuscht, dass sie keine Bankaktien mehr wollen», sagt Sacha Holderegger, Analyst von Clariden Leu. Wie unbeliebt eine ganze Branche plötzlich werden kann, hat die Krise im Versicherungssektor gezeigt. Die Bewertungen sind auch heute noch deutlich tiefer als vor dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000.

Dahinter steckt mehr als Psychologie. «Die gegenwärtigen Probleme im globalen Bankensektor erinnern stark an die Krise der Versicherer in den Jahren 2001 bis 2003», sagt Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Damals wurde den Versicherungen zum Verhängnis, dass sie zu viele Aktien im Anlageportefeuille hielten. Sie mussten sich zu jedem Preis von ihnen trennen. Heute sehen sich Banken gezwungen, Notverkäufe ihrer riskanten Positionen zu Discountpreisen vorzunehmen.

Die Bewertung bleibt tief

«Der Bankensektor könnte dem Beispiel der Versicherer folgen», erwartet Venditti. Dies bedeutet, dass sich die Aktien in den nächsten Jahren nicht richtig von ihren Bewertungstiefs erholen (siehe Grafik). Die Eigenkapitalrenditen ? die wichtigste Bestimmungsgrösse für die Bewertung anhand des Kurs-Buchwert-Verhältnisses ? werden nicht mehr die vor der Finanzkrise erzielten Niveaus erreichen.

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«Die hohen Eigenmittelrenditen vieler Banken dürften von den üblichen 20 bis 35% wohl eher in die Region 10 bis 20% zurückkommen», schätzt Sarasin-Analyst Rainer Skierka. Denn die Bankgeschäfte werden mit mehr Eigenmitteln unterlegt sein, nicht zuletzt auf Druck der Aufsichtsbehörden. Dies hat auch Einfluss auf die Gewinne. «Die künftigen Gewinne schrumpfen, weil das Ertragswachstum zurückgeht, die Banken ihre Risiken minimieren sowie weniger Fremdkapital einsetzen», sagt Holderegger von Clariden Leu. Den Investmentbanken sind mittlerweile sogar ganze Ertragszweige weggebrochen.

Allein aufgrund der künftig zu erwartenden Gewinnkraft und Eigenkapitalrendite sind also keine so hohen Aktienkurse mehr gerechtfertigt, wie die Bankaktien noch vor Ausbruch der Finanzkrise vor über einem Jahr erreichten. Die UBS-Aktie wird also nicht mehr auf den Rekordstand von 80 Fr. steigen. Zur tieferen Gewinnkraft kommt auch noch die starke Gewinnverwässerung durch die beiden Kapitalerhöhungen.

Gewinner in der Krise

Vom erwarteten Gewinnrückgang sind aber nicht alle Banken gleich betroffen. «Als Gewinner der Finanzkrise gelten Banken, die von der Krise weitgehend verschont blieben, eine hohe Eigenkapitaldecke haben oder in attraktiven Märkten tätig sind», so Venditti. Dies seien vor allem die Kantonal- sowie die Privatbanken, die stark in den aufstrebenden Märkten Asien und Mittlerer Osten vertreten sind.

Für Holderegger von Clariden Leu gehen insbesondere die Retailbanken, die sich allein über ihre Kundengelder refinanzieren, gestärkt aus der Finanzkrise hervor. Zu denken ist etwa an die Universalbanken wie die spanische Santander, Unicredit sowie BNP Paribas.

Auch Sarasin-Analyst Rainer Skierka zieht Aktien von Banken vor, welche von der Subprime-Krise nicht oder nur wenig betroffen wurden sowie breit abgestützt sind. Dazu gehören neben BNP Paribas die spanische Banco Bilbao oder JP Morgan Chase. Die Investmentbank hat die Finanzkrise bisher gut überstanden und gewinnt Marktanteile von geschwächten Banken.

 

 


UBS: Anleger spekulieren auf eine Aufspaltung der Bank

Die UBS-Aktie hat in der letzten Woche fast 20% zugelegt. Am Tag der Veröffentlichung der Resultate zum 2. Quartal hat die Aktie an Wert verloren. Das Ergebnis ist in den Augen von Analysten insgesamt eher enttäuschend ausgefallen ist. Besonders der Abfluss an Kundengeldern in der Höhe von 43,8 Mrd Fr. gab Grund zur Besorgnis. Doch mehr Gewicht gaben die Experten den strategischen Schritten und der Wahl von vier neuen Mitgliedern in den Verwaltungsrat. Mit der Entflechtung der Einheiten haben die Spekulationen wieder Auftrieb erhalten, dass das Investment Banking vom Vermögensverwaltungsgeschäft abgetrennt wird. Auch nach den Kurssteigerungen in den letzten Monaten spiegelt sich in der Börsenkapitalisierung der UBS nicht einmal mehr der Wert des Vermögensverswaltungsgeschäfts. Dennoch scheint es für einen Einstieg noch zu früh. «Mit einem lang anhaltenden Turnaround der Bankaktien kann frühstens gerechnet werden, wenn die Häuserpreise in den USA sowie in Europa Boden gefunden haben», so Clariden-Leu-Analyst Sacha Holderegger.

Sarasin-Analyst Rainer Skierka sieht den richtigen Moment ebenfalls noch nicht gekommen: «Solange die gebeutelten Banken nicht glaubhaft machen können, dass die aktuellen Probleme überwunden sind, wird eine nachhaltige Kurserholung auf sich warten lassen.»