Für viele Bankkunden ist ihre Debitkarte die zentrale Schnittstelle zu ihrem Konto. Sie wird tagtäglich zum Bezahlen oder zum Bargeldbezug genützt. In der Schweiz sind rund 7,5 Mio der praktischen Plastikstücke im Umlauf. Bei den Karten, die nicht von PostFinance oder der Migros Bank stammen, hat Mastercard mit den Maestro-Karten bisher einen Marktanteil von 100%.

Das in Europa bereits verbreitete Debitkartensystem V-Pay von Visa Europe soll das nun ändern. Laut Visa Europe sollen sich mehrere Banken dazu bekannt haben, ab 2011 ihr System umzustellen und V-Pay Karten herauszugeben.

Die derzeit grössten Herausgeber von Maestro-Karten geben sich entsprechend offen. Bei UBS ? die Bank hat derzeit über 1 Mio Maestro-Karten im Umlauf ? wird ein Umstieg auf die Debitkarten von Visa geprüft, entschieden sei aber noch nichts. V-Pay könne in Zukunft für die Kartenherausgeber eine echte Alternative zu Maestro darstellen, so ein UBS-Sprecher.

Auch bei Raiffeisen wird die Einführung von V-Pay geprüft. Für Raiffeisen machen die verbesserte Sicherheit für den Kartennutzer und die Konkurrenzsituation zu Mastercard V-Pay zu einem interessanten Produkt. Einen Zeitrahmen für einen Entscheid gebe es aber nicht. Nicht eingeführt wird die V-Pay-Karte bei der Zürcher Kantonalbank. Auch PostFinance, mit rund 2 Mio Karten die Nummer 2 im Debitmarkt, prüft momentan keinen Umstieg.

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Visa mit grossen Zielen

Zwar sind Debitkarten das eigentliche Hauptgeschäft von Visa Europe, doch gibt es noch weisse Flecken auf der Landkarte. «Wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzt: Wir wollen 2015 die Hälfte der Marktanteile in den Märkten, in denen wir derzeit noch kein Debitsystem haben», so Peter Ayliffe, CEO von Visa Europe. Entsprechend bietet die Schweiz für Visa grosse Wachstumschancen. Unterstrichen werden die Ambitionen mit der Neueröffnung einer Schweizer Vertretung.

Für die Banken ist die Herausgabe der neuen Karten jedoch auch mit einem gewissen Risiko verbunden, da sie nicht wissen, ob es ausreichend Akzeptanzstellen gibt. Auch für die Händler ist das Umrüsten auf ein neues System ein Mehraufwand.

Die technische Abwicklung ist laut den grössten Zahlungsverarbeitern SIX Multipay und Aduno jedoch kein Hindernis. Bereits 2012 könnten sogar Zahlungen ohne Kartenkontakt erfolgen.

Noch gibt sich Mastercard gelassen. «Die Lancierung des neuen Produkts ist für uns keine Überraschung», so Christian Stolz, General Manager von Mastercard für die Schweiz. Mastercard will trotz der neuen Konkurrenz die Stellung in der Schweiz weiter ausbauen. «Der Bargeldanteil in der Schweiz beträgt noch immer 60%, das bietet genügend Wachstumspotenzial», so Stolz.

Der Detailhandel fürchtet neue Gebühren

Visa wird von der Wettbewerbskommission (Weko) zugestanden, den Markteintritt über eine neue Gebühr von durchschnittlich 20 Rp. pro Transaktion zu finanzieren. Das Gebührenmodell wird entweder für die Dauer von drei Jahren akzeptiert oder solange der Marktanteil von V-Pay unter 15% liegt. Bei Maestro kostet eine Transaktion den Händler bisher 12 bis 30 Rp. Jetzt befürchten die Detaillisten, dass auch Mastercard neue Gebühren einführen könnte. «Sollte Visa ein neues Gebührenmodell mit Interchange Fee einführen dürfen, könnte Mastercard nachziehen», so Pierre-André Steim, Präsident beim Verband Elektronischer Zahlungsverkehr (VEZ). Von Preissteigerungen zwischen 40 bis sogar 1000% ist die Rede. Nicht ganz zu Unrecht, denn jetzt fordert auch Mastercard «gleich lange Spiesse für alle Marktteilnehmer». (jb)