Strukturierte Produkte sind Finanzanlagen, die sich aus herkömmlichen Anlagen wie Aktien oder Obligationen sowie einer Optionskomponente zusammensetzen. Optionen wiederum sind derivative Finanzinstrumente, deren Wert sich aus dem Wert eines Basiswertes ableitet, zum Beispiel dem Kurs der ABB-Aktie oder dem Stand des S&P-500-Aktienindexes. Das Preisverhalten von Optionen hängt aber nicht nur vom Kursverhalten der Basiswerte ab, sondern auch von Faktoren wie Laufzeit, Ausübungspreisen, Zinsniveau, Dividenden und vor allem auch der Volatilität.

Schwankungen variieren zeitlich

Die Volatilität ist ein Mass für die Schwankungsbreite von Anlagerenditen. Je stärker der Kurs einer Anlage im Zeitablauf schwankt, umso höher ist die Volatilität. Die Volatilität wird in Prozentpunkten und annualisiert ausgewiesen. Beträgt die Volatilität zum Beispiel 15% jährlich, kann der Anleger davon ausgehen, dass die Rendite nur ungefähr an jedem dritten Tag grösser als plus 1% oder kleiner als minus 1% ist. Steigt die Volatilität aber auf 50% jährlich an, sind tägliche Renditen von mehr als plus 3% oder weniger als minus 3% häufig anzutreffen.

Volatilitäten sind im Zeitablauf nicht konstant: Phasen mit hoher Volatilität folgen auf Phasen niedriger Volatilität. Dabei galt immer schon, dass die Volatilität gerade in Zeiten fallender Aktienkurse ansteigt - erst kürzlich wurden selbst für Aktienindizes Volatilitäten von bis zu 80% jährlich ausgewiesen.Sind nun die aktuell immer noch relativ hohen Volatilitäten vorteilhaft für Anlagen in strukturierte Produkte, oder sollen Anleger abwarten, bis sich tiefere Volatilitätsniveaus einstellen?

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Die Antwort hängt hauptsächlich davon ab, ob eine Optionskomponente ge- oder verkauft wird - und damit von der Kategorie des strukturierten Produktes. Der Zusammenhang ist im Allgemeinen einfach: Je höher die Volatilität ist, umso höher sind auch die Optionsprämien. Kaufen Anleger durch ein strukturiertes Produkt indirekt Optionen, bezahlen sie in diesem Fall einen hohen Preis. Das strukturierte Produkt ist «teuer». Werden hingegen Optionen in einem Umfeld mit hohen Volatilitäten indirekt verkauft, erhalten Verkäufer hohe Optionsprämien, die beispielsweise durch attraktive Couponzahlungen ausgeschüttet werden können. Bei Kapitalschutz-produkten werden im Allgemeinen Call-Optionen gekauft und mit einer Obligationenkomponente kombiniert, welche die Rückzahlung in der Höhe des Kapitalschutzes sicherstellt. In Zeiten mit hohen Volatilitäten ist die Optionskomponente jedoch teuer.

Kommt ein tiefes Zinsniveau dazu, kann mit dem zur Verfügung stehenden Kapital nur wenig in Call-Optionen investiert werden, sodass die Partizipationsrate an steigenden Kursen gering ausfällt. Wird also zu spät abgesichert, ist die «Versicherungsprämie» aufgrund der hohen Volatilität hoch. Kapitalschutzprodukte sind also dann attraktiv, wenn die Volatilitäten tief und das Zinsniveau hoch sind - gemeinhin ist das gegen das Ende einer Aktienmarkthausse der Fall. Wer diesen (antizyklischen) Einstiegszeitpunkt nicht verpasst, ist mit Kapitalschutzprodukten auf der sicheren Seite.

Hohe Volatilität, starke Coupons

Umgekehrt werden bei Renditeoptimierungsprodukten im Allgemeinen Put-Optionen verkauft. In Zeiten mit hohen Volatilitäten ist die Optionsprämie hoch und Reverse Convertibles weisen zum Beispiel attraktive Couponzahlungen auf. Erwartet der Anleger in diesem Fall noch seitwärts tendierende bis leicht steigende Kurse, kann sich eine Investition in Reverse Convertibles lohnen.

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Sinkt zudem die Volatilität während der Laufzeit, kann der Anleger doppelt profitieren: Erstens wird die verkaufte Option günstiger - sodass das Produkt allenfalls bereits vor Verfall zu einem attraktiven Preis auf dem Sekundärmarkt verkauft werden kann -, und zweitens sind zurückgehende Volatilitäten häufig mit Kursgewinnen verbunden, sodass die Put-Option am Ende der Laufzeit nicht ausgeübt wird und Anleger neben dem Erhalt der Couponzahlungen keine Kursverluste in Kauf nehmen müssen.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz von strukturierten Produkten ist also nicht nur eine möglichst präzise Erwartung bezüglich der zukünftigen Kursentwicklung, sondern auch das Timing bezüglich der Volatilität.