Noch plagen das Eurosystem die Sorgen um Griechenland. Dessen ungeachtet stehen aber vor der Tür schon die nächsten Kandidaten, die dem Währungsverbund beitreten wollen. Und einige haben durchaus gute Aussichten, in den kommenden Monaten ihrem Ziel ein Stück näher zu rücken.

«Der Konvergenz-Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) im Mai dürfte klarmachen, dass der Beitritt von mittel- und osteuropäischen Ländern auf der Agenda bleibt, trotz den Problemen mit Griechenland», sagt Radoslaw Bodys, Volkswirt bei der Bank of America und zuständig für Osteuropa. Er erwartet, dass die EZB die Fortschritte Ungarns loben wird und den Weg für einen Beitritt Estlands im Jahr 2011 frei macht. Gleichzeitig dürfte Bulgarien dem sogenannten Wechselkursmechanismus II beitreten, einer zwei Jahre dauernden Vorstufe, bei der die Devisenkurse nur noch in einer relativ engen Bandbreite schwanken dürfen.

Musterschüler Estland

Lädt sich die Eurozone damit nun gleich die nächsten Probleme auf, steht ihr bald ein nächstes Griechenland bevor? Auch Bodys will das nicht ganz ausschliessen. «Es besteht das Risiko, dass Länder, die zu früh beitreten, in den ersten Jahren einen Boom mit anschliessender Krise durchlaufen», sagt der Volkswirt.

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Gleichwohl legen die Maas-tricht-Kriterien klar die Vorgaben fest, die ein Land erfüllen muss, um der Eurozone beizutreten. Und mehr noch: Der EU-Vertrag sieht sogar eine Pflicht zum Beitritt vor, wenn ein Land die Kriterien erfüllt.

Und trotz der Wirtschaftskrise gibt es durchaus einige Länder, die diese Vorgaben erfüllen. Am eindeutigsten ist dies im Falle Estlands. Das Land befindet sich schon seit Juni 2004 im Wechselkursmechanismus II, die Währung Krone ist inzwischen auch fest an den Euro gebunden. Und bei den Maastricht-Kriterien steht das Land besser da als alle Euroländer; die Gesamtverschuldung des Staates liegt gerade mal bei knapp 11% des BIP (Deutschland: 79%). Eine Reihe von Politikern, darunter auch der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle, haben zudem schon erklärt, dass sie mit einem Beitritt zur Eurozone im kommenden Jahr rechnen.

Neben Estland sind derzeit Dänemark, Lettland und Litauen im Wechselkursmechanismus II vertreten. Die Dänen wollen den Euro jedoch nicht, die beiden anderen erfüllen derzeit die Maastricht-Kriterien nicht. Daher gibt es aktuell keine weiteren Kandidaten für einen Eurobeitritt. Allerdings gibt es drei Staaten, die demnächst dem Wechselkursmechanismus II beitreten und damit einen wichtigen Schritt näher an den Euro rücken dürften.

Dass Ungarn darunter ist, mag zunächst erstaunen. Im Zuge der Finanzkrise geriet das Land an den Rand des Staatsbankrotts, konnte nur mithilfe des IWF vor der Pleite bewahrt werden. Allerdings hat Ungarn inzwischen ein Schock-Programm hinter sich. Schon 2011 oder 2012 könnte das Land daher die Maastricht-Kriterien erfüllen.

Relativ gut sind die Aussichten auch für Bulgarien. Die Daten sind hier ähnlich positiv wie in Estland. Zudem ist die Währung bereits fest an den Euro gekoppelt.

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In Polen hängt dagegen viel von den Wahlen im Frühjahr kommenden Jahres ab, ob das Land die Mühen auf sich nimmt, den Staatshaushalt in Ordnung zu bringen und für einen Beitritt zum Wechselkursmechanismus zu optieren. In Tschechien dagegen scheinen Politik und Bevölkerung einer solchen Idee nach wie vor wenig abgewinnen zu können.

Konvergenz-Effekt auf Währung

Anleger können von einer Annäherung der einzelnen Wirtschaftsräume an den Euro profitieren. Die vergangenen Beispiele zeigen, dass es in den jeweiligen Ländern meist zu Aufholjagden kommt. Entscheidend ist dabei jedoch nicht der Beitritt zum Euro selbst, sondern die Phase nach dem Beitritt zum Wechselkursmechanismus II. Infolgedessen entwickelten sich beispielsweise die Aktienmärkte in Griechenland (ab 1. Januar 1999) und in Zypern (ab 29. April 2005) deutlich besser als jene im Rest Europas.

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Über Zertifikate können Privatanleger auf die Börsen in Budapest, Sofia oder Warschau setzen. Allerdings gehen sie hierbei hohe Risiken ein, da diese Märkte sehr klein und daher auch hohen Schwankungen ausgesetzt sind. Es gibt jedoch auch aktiv gemanagte Aktienfonds, die auf die Konvergenz-Staaten Osteuropas setzen und somit breiter gestreut sind.

Ein weiterer Konvergenz-Effekt ist die Aufwertung der Währung nach dem Beitritt zum Wechselkursmechanismus. Bodys rechnet deshalb beim ungarischen Forint mit leichtem Aufholpotenzial, der polnische Zloty könne seiner Meinung nach bis zu 3.00 und 3.50 Zloty je Euro aufwerten (aktuell: 4.01 Zloty), sofern Polen dem Wechselkursmechanismus beitritt.

Auf eine Währungsaufwertung können Anleger über Knock-out-Zertifikate setzen. Sie bergen aber das Risiko, dass sie wertlos verfallen, wenn der Devisenkurs einen bestimmten Schwellenwert überschreitet.

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