Exchange Traded Funds boomen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der im August mit den börsenkotierten Index-Fonds (Exchange Traded Funds ETF) erwirtschaftete Umsatz um 43,3%. Alain Picard, ETF-Experte bei der SIX, geht davon aus, dass die ETF-Nachfrage Bestand hat, auch wenn die Anleger wieder risikofreudiger werden: «ETF dienen nicht nur als sicherer Hafen, sondern bieten auch verschiedene andere Vorteile wie leichte Handelbarkeit oder Verständlichkeit und Kostengünstigkeit», führt Picard aus. Viele Banken stellten ausserdem fest, dass immer mehr institutionelle Anleger den Kernanteil ihres Portefeuilles mit ETF abdecken. Für ein weiteres Wachstum spreche auch, dass die in ETF verwalteten Vermögen in Europa noch relativ gering seien, so Picard weiter.

Neue Anbieter sind am Start

Kein Wunder, dass bei den rasant steigenden Umsatzzahlen immer mehr Anbieter ins ETF-Geschäft einsteigen. «Es ist ein gewisser Druck von Seiten der Kunden da», erklärt Picard. «Die Anbieter fragen sich, wieso sie den Konkurrenten das Feld überlassen sollen.» So erweitert sich die Produktepalette laufend. Derzeit können an der SIX 183 Vehikel gehandelt werden. Und bei verschiedenen Instituten stehen neue Produkte am Start. So bei Marktführerin Credit Suisse: «Xmtch von CS will mit physisch hinterlegten Rohstoff-ETF wie Gold, Schweinebäuche etc. auf den Markt kommen», sagt Sebastian Burkhard von fundexplorer.ch.

Auch ETF Securities, die weltweite Nummer zwei im ETF-Markt, will neue Indexfonds an der SIX listen lassen. Laut Marktbeobachtern sind darunter vor allem Hebel- und Short-Produkte (siehe Kasten). Ein Neuling im ETF-Geschäft ist dagegen HSBC: Jüngst liess die Grossbank ihren ersten ETF an der Londoner Börse listen. Konkurrenz belebt das Geschäft - so heisst es gemeinhin. Doch profitiert der Anleger tatsächlich von der zunehmenden Konkurrenz in der ETF-Sparte? Das Gegenteil ist der Fall ? die Gesamtgebühr (Total Expense Ratio TER) ist in jedem ETF-Segment ausser bei den Aktienprodukten in diesem Jahr gegenüber 2008 gestiegen. Dies liege daran, dass die neu lancierten Produkte der ETF-Anbieter zum Teil deutlich teurer sind als die bestehenden. «Wir gehen davon aus, dass der Tiefpunkt bei den ETF-Gebühren fürs Erste erreicht ist und in den kommenden Jahren eher Preiserhöhungen anstehen.» Der Spielraum dürfte allerdings wegen des starken Wettbewerbs nach oben begrenzt sein.

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Konsolidierung ist fällig

Den ETF-Anbietern weht zunehmend ein rauher Wind entgegen. Lyxor hat jüngst den Gobal Titans 50 ETF eingestellt. Powershares will ebenfalls weltweit 19 ihrer ETF schliessen. Burkhard erwartet auch künftig vermehrt Fondschliessungen und Dekotierungen. «Bei Indizes mit mehreren ETF beobachten wir, dass sich 75% der verwalteten Vermögen auf ein oder zwei Produkte konzentrieren», so Burkhard. Die restlichen Anbieter müssten sich dann den verbleibenden Viertel teilen. Vor allem in Nischenmärkten weisen viele ETF sehr kleine Volumen auf, weil sie nicht genügend Investoreninteresse wecken können. «Eine Marktkonsolidierung ist fällig und wird 2010 eintreten», prognostiziert er. Anbieter hätten wenig Spielraum: «Die Erträge sind so gering, dass nur diejenigen Anbieter langfristig rentabel sind, die mehrere gutlaufende ETF im Angebot haben.»

Dies ist für Anleger zentral, bringt doch die Schliessung eines Fonds stets Kosten mit sich. «Der Gefahr einer Schliessung kann man vorbeugen, indem man unter anderem auch auf die verwalteten Vermögen schaut: Als Richtgrösse empfehlen wir 250 Mio Fr.» 

Bei Short- und Hebelprodukten ist Vorsicht das Gebot der Stunde

Die Schweizer Börse SIX Swiss Exchange hat neu Hebelstrategie-Indizes auf verschiedene Aktien- und Bond-Indizes lanciert. Damit ermöglicht sie es Anbietern, ETF oder Derivate auf diese Indizes aufzulegen. Hebelprodukte verstärken die Bewegung des Basiswertes um einen vorab definierten Faktor. Steigt etwa der SMI um 2%, verdoppelt sich bei einem Hebel von 2 die Performance des Produktes auf 4%. Laut Picard von der SIX eignen sich die Produkte für die kurzfristige Kapitalanlage oder fürs Hedging.

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In den USA sorgten derartige Vehikel jüngst für Aufmerksamkeit, weil die Finanzmarktaufsicht sie als «nicht geeignet für Privatinvestoren» bezeichnet hatten. Darauf stellten verschiedene Emittenten, darunter auch die UBS, den Verkauf von gehebelten und inversen (Wette auf fallenden Basiswert) ETF in den USA ein.

An der SIX können aktuell drei Short-ETF gehandelt werden, gehebelte ETF sind noch nicht im Angebot. Gerade für den langfristigen Einsatz sind diese jedoch auch nicht zweckmässig: «Bei einem langfristigen Backtesting hat sich gezeigt, dass Hebelprodukte die Performance nicht einfach eins zu eins verdoppeln (bei einem Hebel von 2)», erklärt Picard. Dazu kommen die hohen Kosten: «Aufgrund komplizierterer Strukturen und eines hohen Derivate-Einsatzes sind sie teurer als herkömmliche ETF», so Burkhard. (maj)

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