Asher Edelman, früherer Unternehmensjäger und Vorbild für die Figur des Gordon Gekko im Kinofilm «Wall Street», hat einen neuen Job: Er finanziert Kunst. Nachdem er Jahrzehnte als Sammler, Museumsdirektor und Galeriebesitzer tätig war, gründete er mit Art Assured nun sein eigenes Unternehmen, das Kunstinvestments arrangiert.

Kunstsponsoring ist aktuell der Wilde Westen der Finanzwelt. Als die Rezession vor einem Jahr den Kunstmarkt erwischte und die Preise fielen, verweigerten zahlreiche Banken und Auktionshäuser weitere Darlehen an die Kunstbranche. Kredithaie und Finanziers füllten die Lücke.

Die prominentesten Kreditgeber arbeiten als Pfandleiher der Oberklasse, die an Sammler, Händler und Künstler im Gegenzug für die Rechte an Kunstwerken schnelles Geld austeilen. Bleiben die Rückzahlungen aus, werden die Werke verkauft.

Die Kreditgeber geben dem Markt dringend benötigte Liquidität. Aber in dieser Arena wird ohne Bandagen gekämpft: Jährliche Zinssätze können über 20% liegen, und Zahlungsversäumnisse führen nicht selten zu Gerichtsverfahren. Edelman ist ein neuer Spieler auf diesem Gebiet. Seine Pläne sind ehrgeizig, und sein forsches Auftreten erregt Aufsehen in der geschlossenen Kunstgesellschaft.

Preisgarantien für Kunstwerke, die in Auktionen ersteigert werden können, sind neben der Kreditvergabe Edelmans Geschäftsmodell. Vor der Rezession garantierten auch die grossen Auktionshäuser wie Sothebys und Christies Mindestpreise. Wurden diese überboten, zahlten die Verkäufer bis zu 40% des Überschussbetrags an das Auktionshaus. So profitierten beide Seiten von der Garantie.

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Preisgarantie bei Auktionen

Als die Kunstpreise aber 2007 ihren Zenit überschritten hatten, erlitten die beiden Auktionshäuser durch Preisgarantien 63 Mio Dollar Verlust und zogen sich von diesem System zurück. Edelman will diese Nische nun besetzen. Erzielt ein Kunstwerk eines Kunden seiner Firma Art Assured auf einer Auktion einen niedrigeren Preis als garantiert, verpflichtet sich Edelman, ihm das Kunstwerk abzukaufen. Im Gegenzug erhält er eine Gebühr von 5 bis 10% des garantierten Preises.

Kunst ist wie Gold

Anders als die Auktionshäuser hat Edelmans Geschäftsmodell die Werke aus dem mittleren und unteren Preissegment im Blick. Dort gebe es eine Marktlücke und deutlich mehr Kunden, sodass die kleineren Beträge durch die Masse an Kunstwerken ausgeglichen würden.

Die Kunstwelt ist gespalten, was die Pläne Edelmans betrifft. Einige sagen, die Preisgarantien für Künstler aus der zweiten Reihe könnten den Markt in Schwung bringen, da Sammler beim Verkauf ihrer weniger bekannten Werke nicht mehr fürchten müssten, dass sie deutlich unter Wert über den Tisch gingen. «Geschäfte wie das von Asher Edelman könnten einen Fremdfinanzierungspool in zweistelliger Milliardenhöhe anzapfen», glaubt Christies-Chef Marc Porter.

Kritiker befürchten aber, dass Edelmans System die Preisbildung am Kunstmarkt noch intransparenter macht. Die Auktionshäuser gaben in ihren Katalogen an, für welche Werke sie Mindestpreise garantieren. Bei privaten Unternehmen wie Art Assured wird das nicht der Fall sein. Ausserdem schloss Edelman nicht aus, selbst auf Werke seiner Kunden zu bieten und damit Auktionen in die Höhe zu treiben, um den Mindestpreis zu erreichen.

Wie bei Gordon Gekko ist Edelmans Vertrauen in den Markt unerschütterlich. Und wie der «Wall Street»-Protagonist schätzt Edelman neben dem ideellen auch den monetären Wert von Kunst. In einem Memo an Finanziers und Kunstkenner vom Januar 2009 schlug er die Brücke zwischen beidem: «Wie Gold hat auch Kunst einen intrinsischen Wert», schrieb Edelman damals. «Ich kenne keine Epoche der modernen Geschichte, in der dieser nicht dienstbar gemacht wurde, wenn keine anderen Werte greifbar oder beständig waren.»