Während der 1990er-Jahre waren sie der letzte Schrei und schossen auch am Finanzplatz Schweiz wie Pilze aus dem Boden. Mit der Finanzkrise haben die Beteiligungsgesellschaften nun aber kräftig Patina angesetzt.

Die über 30 an der SIX Swiss Exchange kotierten Vehikel werden mit einem Abschlag von teils über 50% zum Inventarwert (Net Asset Value NAV) gehandelt. Wer heute verkauft, tut dies also zu einem Bruchteil des eigentlichen Werts seines Investments. Aber auch solche Verluste werden von den Anlegern offensichtlich hingenommen - wenn sie die Papiere nur schnell loswerden.

Ein schlau eingefädelter Deal

Der Leidensdruck führt jetzt aber zu Umwälzungen im Segment: Im Juni gab Creinvest, eine Hedge-Fonds-Beteiligungsgesellschaft der ersten Stunde, die Fusion mit Julius Bär Invest bekannt. Gibt die Generalversammlung am 3. August grünes Licht, wird die Aktie dekotiert und die Beteiligungen von der Privatbank übernommen, die heute schon über 25% an Creinvest hält. Die Aktionäre dürfen dann ihre Papiere zu einem Abschlag von 1% zum NAV in Aktien von Julius Bär tauschen. Ein Verlustgeschäft - angesichts des Abschlags von 5% per Anfang Juli aber immer noch besser als der Verkauf über die Börse.

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Ebenfalls verkauft wird BB Medtech, die sich auf Beteiligungen an kotierten Medizinaltechnik-Unternehmen spezialisiert hat. Die Bellevue Group, die hinter BB Medtech steht, verkauft dabei die «Hülle» der Beteiligungsgesellschaft an die Bank Vontobel. Die Beteiligungen selber gehen an einen Aktienfonds über. «Die Anlagestrategie des Fonds BB Medtech wird sich dahingehend ändern, dass wir die Beteiligung von rund 15 auf 30 bis 40 Positionen und auf zusätzliche Sektoren ausweiten», heisst es bei Bellevue.

Ab dem 24. Juli können BB-Medtech-Aktionäre nun ihre Aktien zu gleichen Teilen in Fondsbeteiligungen tauschen. Dies allerdings zu einem Abschlag von 3,9%. Das entspricht den Kosten, die Vontobel für die Transaktion und die Abwicklung von BB Medtech verlangt - umgerechnet eine Summe von über 20 Mio Fr.

Günstig ist der Deal auch für die Grossaktionäre von BB-Medtech, so für Martin Bisang, der derzeit 11% an der Beteiligungsgesellschaft hält. Denn dank der Übernahme durch die Bank Vontobel ist die Umwandlung von BB Medtech in einen Fonds für ihn als Aktionär steuerfrei; zusätzlich reduziert sich der Abschlag von derzeit 16% auf die besagten 3,9%.

Nützlich für die Bellevue Group, der Bisang als CEO vorsteht, ist ausserdem die Änderung im Gebührenmodell. Zwar sinken gemäss Angebotsprospekt die Gebühren von in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 2,21% (BB Medtech) auf «kompetitive» 1,7% (Fonds). In Tat und Wahrheit stabilisiert Bellevue aber damit ihre Einkünfte: Nahm die Bank via BB Medtech 2007 noch 3,57% an Gebühren ein, sank diese Quote wegen des Ausfalls von Performancegebühren 2008 auf 1,06%.

Für Adrian Hagenbach vom Corporate Finance der Bank Vontobel, der an der BB-Medtech-Transaktion beteiligt ist, hat die Umwandlung trotzdem Beispielcharakter. «Börsenkotierte Beteiligungsgesellschaften sind heute ein Auslaufmodell», so Hagenbach. Denn meist handelten diese mit einem Abschlag zum NAV, was es dem Aktionär verunmögliche, den vollen Wert seines Investments zu realisieren. Dies im Gegensatz zu Open-End- Strukturen wie beispielsweise bei Anlagefonds.

Dem stimmt unter Vorbehalt auch Andreas Wicki zu, CEO der Beteiligungsgesellschaft HBM Bioventures. «Beteiligungsfirmen, die in wenige kotierte und liquide Werte investieren, eine schlechte Performance ausweisen, zu einem grossen Abschlag auf ihrem Inventarwert gehandelt werden und dazu noch höhere Gebühren beziehen als Anlagefonds, werden heute vielfach zu Recht kritisiert.» Auch Private-Equity-Vehikel, die in nichtkotierte Werte investieren, hätten heute Probleme, sagt Wicki. «Der Fremdkapital-Anteil, von dem diese Gesellschaften in der Vergangenheit wesentlich profitierten, muss drastisch abgebaut werden.»

HBM hält an Rechtsform fest

In der Folge sehen sich viele solche Vehikel mit Überschuldung, Rückzügen von Aktionären und mangelnder Liquidität konfrontiert. An der SIX kotierte Private-Equity-Gesellschaften wie AIG Private Equity oder Castle Private Equity mussten schon bei Banken zusätzliche Kredite in Anspruch nehmen, um über die Runden zu kommen.

Für HBM Bioventures entwarnt Wicki. «Wir können unseren Verpflichtungen nachkommen, verfügen über 60 Mio Fr. Cash und viele gesunde Beteiligungen.» Zur Verbesserung der finanziellen Flexibilität werde zudem die IPO-Wandelanleihe jetzt teilweise in einen Bond umgewandelt. Und: «HBM Bioventures hält an ihrer Rechtsform fest. Unser Private-Equity-Portefeuille hat weiterhin seine Daseinsberechtigung.» Wicki verweist damit auch auf die positiven Seiten von kotierten Beteiligungsgesellschaften. «Die Idee macht Sinn, da die meisten Privatanleger nur über sie in Private Equity investieren können», sagt Wicki. Solche Firmen verfügten meist auch über ein sehr gutes Know-how, da sie langfristig von ein und demselben Team betreut würden.

Wicki spricht damit ein Argument für die Beteiligungsgesellschaften an, das bei Investoren schon seit jeher stach: Das Know-how und die Strahlkraft bekannter Anlageprofis - angefangen bei Martin Ebners «Visionen», weiter über Ex-Roche-Finanzchef Henri B. Meiers HBM Bioventures bis zum Wagniskapitalgeber Peter Friedli mit New Venturetec.

Doch auch für solche Grössen ist die heutige Finanzkrise ein Novum, wie das Agieren der milliardenschweren Beteiligungsgesellschaft Pargesa unter Präsident Paul Desmarais zeigt. Die Positionen von Pargesa bei Lafarge und Pernod Ricard haben sich dieser Tage wenig gewinnträchtig gezeigt. «Das Stockpicking bei Pargesa erweist sich derzeit nur bedingt als glücklich», sagt dazu Daniel Bürki, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank.