W ie sich die Bilder unterscheiden. Noch vor zwei Jahren waren ausländische Staatsfonds der Schrecken aller Regierungen. Mit prall gefüllten Kassen gingen sie weltweit auf Einkaufstour, beteiligten sich mit knapp 80 Mrd Dollar an kriselnden Banken der Singapurer Staatsfonds GIC stieg damals bei der UBS ein , sicherten sich Rohstoffunternehmen und führende Technologiekonzerne.

Und nun? Mit Dubai World droht nun dem ersten Staatsfonds die Pleite, und auch sonst haben die staatlichen Investmentgesellschaften in diesem Jahr viel Zeit mit Schadensbegrenzung verbracht. Neue Investitionen hatten Seltenheitswert. Doch Experten warnen davor, die neuen Global Player der Kapitalmärkte frühzeitig abzuschreiben. «Die finan-zielle Macht der Staatsfonds hat sich nicht relativiert», sagt Joachim von Hoyningen-Huene von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Vielmehr werden sich die Staatsfonds, so Analysten der ING, im nächsten Jahr verstärkt zurückmelden - mit teuren und spektakulären Übernahmen.

Weniger Öl, mehr Schulden

Die Finanzkrise hat auch die einstmals erfolgsverwöhnten Staatsfonds hart getroffen. Nach Berechnungen der Deutschen Bank büssten sie bei ihren Aktienbeteiligungen zeitweise mehr als 40% ein. Der Wert der Gesamtportfolios schrumpfte um durchschnittlich 18%. «Mittlerweile aber haben sich diese Werte wieder erholt, und das Anlagevolumen staatlicher Investoren dürfte wieder bei etwa 3,6 Billionen Dollar liegen», sagt Steffen Kern von der Deutschen Bank.

Anzeige

Und diese Summe wird sich wegen der weiterhin hohen Rohstoffpreise in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. «Die Staatsfonds werden im nächsten Jahr daher die Schlagzeilen wieder dominieren», so die ING-Experten. Daran werde auch die Krise von staatlichen Investmentgesellschaften in Dubai nichts ändern. Das Bild der Staatsfonds hat sich in der Tat in den letzten Jahren gleich mehrmals geändert.

Vor der Finanzkrise waren sie gefürchtet, zu Beginn der Bankenkrise wurden sie dann als willkommene Retter in der Not gefeiert. «Und nun stellt sich spektakulär heraus, dass einer dieser Fonds genauso fehlbar ist wie andere Finanzinvestoren auch», so Hyningen-Huene.

Doch Dubai ist ein Einzelfall. «Das Emirat hat nicht mehr viel Öl, dafür aber viele Schulden. Das ist mit Abu Dhabi etwa nicht zu vergleichen», sagt der Unternehmensberater, der viel mit Staatsfonds zusammengearbeitet hat. In der Tat hatten sich das Emirat und seine staatlichen Investitionsgesellschaften in den letzten Jahren durch eine aggressive Anlagepolitik ausgezeichnet. «Dubai hat sehr ambitioniert wie ein Private-Equity-Unternehmen agieren wollen und hohe Kaufpreise gezahlt, die sie mit einer hohen Eigenkapitalquote finanziert haben», sagt ein Manager eines asiatischen Staatsfonds. Dieses Vorgehen rächt sich nun. Dubai World ächzt nun unter einem Schuldenberg von fast 60 Mrd Dollar.

Während Dubai tief in der Krise steckt, scheinen sich aber andere Staatsfonds wieder erholt zu haben. Zeitgleich, als Dubai World mit seinen Gläubigern um eine Umschuldung rang, kündigte China neue Millionen-Investitionen seines Staatsfonds an. Zwischen umgerechnet 0,5 und 1,2 Mrd Fr. will die Pekinger Regierung in den Private-Equity-Fonds des Finanzinvestors Apax investieren.

Der Einstieg von Katar beim deutschen VW-Konzern letzten Mai machte schon damals deutlich, dass wohl eine Trendwende eingeläutet ist. Staatsfonds melden sich immer stärker zurück. «Die meisten Staatsfonds haben ihr Pulver noch sehr trocken», sagt Hoyningen-Huene. Gerade in der Chemiebranche erwartet der A.T.- Kearney-Berater, dass Staatsfonds kräftig bei Übernahmen mitmischen werden. Insbesondere für die Länder aus der Golfregion böten sich viele Kaufmöglichkeiten, um die eigene Wirtschaft zu verstärken und zu internationalisieren.

Vergoldete Investitionen

Ohnehin haben einige der weltweit etwa 50 Staatsfonds ein glückliches Händchen bei ihren Investments bewiesen. Auch wenn der Wert ihrer Aktienbeteiligungen im Zuge der allgemeinen Börsendepression zunächst in den Keller ging, konnten andere ihre Investitionen vergolden. Im Oktober etwa verkaufte das Emirat Katar eine Beteiligung am britischen Bankhaus Barclays im Wert von 2,2 Mrd Fr. und freute sich über einen Gewinn von 900 Mio Fr.

Noch besser schnitt aber der Staatsfonds aus Abu Dhabi ab. Das Emirat trennte sich bereits im Frühjahr auch von einer Beteiligung an der Barclays Bank und strich so 1,46 Mrd Pfund ein. So weit ist Abu Dhabi bei seinem Investment an Daimler noch nicht. Doch offenbar plant der Staatsfonds, seinen Einfluss weiter auszubauen: Gerade werde geprüft, den Anteil von 9 auf gut 15% aufzustocken. Der Aktienkurs reagierte mit einem deutlichen Satz auf 35,91 Euro. Als Abu Dhabi vor neun Monaten einstieg, war eine Daimler-Aktie 17.40 Euro wert.