Die Schuldenkrise in Europa hat einen Höhepunkt erreicht – ist die Gemeinschaftswährung Euro zum Scheitern verurteilt?

Thomas Steinemann: Die Wahrscheinlichkeit eines positiven Ausgangs der Euro-Krise ist etwas gestiegen, seit sich die Politik auf eine Fiskalunion zubewegt. Viele praktische Fragen bleiben allerdings unbeantwortet. Ausserdem wurden Massnahmen weder zur Lösung der Liquiditätskrise noch zur Lösung der Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte innerhalb der Euro-Zone präsentiert. Es fehlt an Ideen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Peripherie sowie zu mehr Wirtschaftswachstum in der EU.

Mit dem Schlingern der Euro-Zone steigt der Aufwertungsdruck auf den Franken. Kann die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihr Kursziel von 1.20 Franken je Euro halten?

Die klare Ansage der Schweizerischen Nationalbank wurde gehört. Die darauf folgenden Massnahmen zur Verteidigung der Untergrenze waren deshalb – trotz immer wieder aufflammender Spannungen in der Euro-Zone – erfolgreich. Das dürfte auch weiterhin der Fall sein, sogar in einem negativen Euro-Szenario mit einem akzentuiertem Aufwertungsdruck.

Einen Weg aus der Krise böte die Inflationierung der Schuldenlast – gleichzeitig droht nun die Gefahr einer Deflation. Welches Szenario ist für 2012 wahrscheinlich?

Wir befinden uns mitten in einem deflationären Umfeld. Darauf haben wir schon lange vor der nun eingetretenen Deflation in der Schweiz hingewiesen. Der Grund ist einfach: Die Welt ist dabei, sich zu entschulden. Das betrifft die privaten Haushalte genauso wie die Banken und die Staaten. Darum wirkt sich die expansive Geldpolitik, die wir zurzeit erleben, nicht inflationär aus.

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Angesichts der zahlreichen Risiken haben sich viele Anleger aus dem Markt verabschiedet. Doch bei welchen Investments würde sich jetzt der Einstieg lohnen?

Im Rahmen unseres Hauptszenarios könnten sich die Aktien Europas und der Schwellenländer zur bevorzugten Anlageklasse mausern − vorausgesetzt, die Anleger nehmen die damit verbundene hohe Volatilität in Kauf.