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Devisen
Vor EZB-Treffen: Experten setzen auf Euroverluste

Die Finanzwelt blickt auf Frankfurt: Am morgigen Donnerstag dürfte die EZB ein riesiges Kaufprogramm von Staatsanleihen verkünden. Mächtige Devisenhändler scheinen zu wissen, wohin die Reise geht.

Von Marc Iseli
am 20.01.2015

Die Erwartungen sind riesig: Grösser als 550 Milliarden Dollar sollte das Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) am morgigen Donnerstag schon sein, damit Ökonomen und Analysten nicht enttäuscht von dannen ziehen. Diese Summe erwarten die von Bloomberg befragten Fachleute am morgigen Donnerstag von EZB-Präsident Mario Draghi. Kaum ein Experte glaubt, dass die Währungshüter erst die griechische Parlamentswahl am Sonntag abwarten.

An den Märkten wird bereits antizipiert: 1 Euro kostet mittlerweile nur noch 1.15 Dollar – so wenig wie zuletzt vor fast elf Jahren. Während Berlin Bedenken über die erwartete Geldschwemme äussert, bauen einige südeuropäische Länder fest auf die EZB. So liess Frankreichs Staatspräsident François Hollande in einer Rede vor Unternehmern in Paris bereits wissen, dass die Notenbank der Konjunktur in der Währungsunion auf die Beine helfen werde. Er respektiere freilich die Unabhängigkeit der Notenbank.

SNB und Dänemarks Zentralbank reagierten bereits

Dass die EZB nun den grossen Schritt wagt, darauf deutet so manch anderes Indiz – nicht zuletzt der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am vergangenen Donnerstag, die Frankengrenze aufzuheben. Bei der SNB rechnet man offenbar damit, dass die EZB angesichts der schwachen Konjunktur über längere Zeit eine sehr aggressive expansive Politik verfolgen wird, vielleicht über mehrere Jahre. Daneben senkte am Montag auch Dänemarks Zentralbank die Depositenrate – von minus 0,05 auf minus 0,2 Prozent.

Wie sich ein grosses EZB-Kaufprogramm auf den Frankenkurs und die Finanzmärkte auswirkt, ist noch unklar. Einerseits könnte der Franken an Wert gewinnen. Doch möglich ist auch, dass ein mutiges Paket die Konjunkturzuversicht in der Euro-Zone und damit die Inflationserwartungen steigen lassen könnte. Unterm Strich könnte das den Franken sogar eher belasten als beflügeln.

20 Prozent Wertverlust bis 2017

Führende Investmentbanken setzen indes offenbar darauf, dass die Talsohle des Euro gegenüber dem Dollar noch nicht durchschritten ist. Die grossen Devisenhändler raten inzwischen ihren Kunden, sich auf einen weiter fallenden Euro einzustellen, wie die deutsche Tageszeitung «Die Welt» berichtet. Goldman Sachs prophezeit, dass die Gemeinschaftswährung 2016 die Parität zum Dollar erreichen werde. 2017 soll der Euro dann nochmals 10 Cent verlieren. Gesamthaft würde die Einheitswährung innerhalb der kommenden zwei Jahre demnach mehr als 20 Prozent an Wert einbüssen.

Den Daumen gesenkt hat auch die Deutsche Bank. Das grösste deutsche Kreditinstitut sagt ebenso wie Goldman Sachs für 2016 die Parität voraus und für das Jahr 2017 einen Kurs von 0.90 Dollar. Morgan Stanley kann sich sogar vorstellen, dass der Gleichstand von Euro und Dollar bereits dieses Jahr eintreten wird. In die gleiche Kerbe schlägt die niederländische ING. Binnen zwei Jahren soll der Greenback mit dem Euro gleichziehen. Pikant: Die Niederländer waren im vergangenen Jahr laut Medienbericht die besten Prognostiker für das Währungspaar Dollar-Euro. Sie prophezeiten, dass ein Dollar bis Ende 2014 um 13 Prozent auf 1.20 Euro steigen würde. Die meisten anderen Fachleute hatten dem Euro mehr Kraft zugetraut. Tatsächlich notierte die Einheitswährung Ende 2014 aber bei 1.2098 Dollar – beinahe eine Punktlandung also.

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