Der September gilt insbesondere in den USA als schlechter Börsenmonat. Vergangene Woche gab es dazu ein Argument von den Derivatebörsen: Der VIX, der von der CBOE in Chicago berechnete und an dieser Börse gehandelte Volatilitätsindikator auf den breiten S&P-500-Aktienindex, weist auf einen Anstieg der Volatilität um 15% bis Ende September 2009 hin.

Auch die Analysten sind besorgt. Gemäss einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg erwarten Experten für die kommenden Wochen grössere Kursschwankungen, zumal sich das Call-Put-Options-Verhältnis, ein wichtiger Stimmungsindikator an den Börsen, leicht in Richtung Puts verschoben hat.

TED-Spread und Dividenden

Allerdings weisen die Derivateanalysten der Bank Santander in einer Studie darauf hin, dass diesem Anstieg des VIX und des Call-Put-Verhältnisses einige Derivate-indikatoren gegenüberstehen, die eher auf eine Entspannung hindeuten.

So liegt der TED-Spread weiterhin auf niedrigem Niveau. Diese Kennzahl ergibt sich aus der Differenz zwischen dem 3-Monats- Liborzins-Satz und der Rendite der 3-Monats-US-Schatzamts-Bills.

Einige exotische Alpha-Derivate, welche die relativen Differenzen zwischen Zinssätzen ausnutzen, basieren auf dem TED-Spread. Je höher der Spread, desto grösser sind die Befürchtungen an den Märkten, dass sich das wirtschaftliche Umfeld verschlechtert. Zwischen 2002 und 2005 verharrte dieser Indikator auf Werten unter 50 Basispunkten. Unmittelbar nach dem Kollaps von Lehman explodierte der TED-Spread auf 450 Basispunkte. Jetzt liegt er wieder unter 30 und damit auf dem Niveau vor der Lehman-Pleite. Aus der akademischen Forschung kommen einige Belege, dass der TED-Spread ein gutes Prognosemerkmal für Rezessionen und das Ende von Abschwüngen ist. Dieser Indikator steht demnach auf «Grün».

Weiter haben sich auf der positiven Seite die Preise der Dividendenfutures auf den EuroStoxx-50-Index fast verdoppelt. Mit solchen Futures sichern sich Anleger und Banken gegen fallende Dividenden ab. Dividenden fallen bei Rezessionen und dem damit verbundenen Druck auf Unternehmensgewinne. Dividendenfutures spielen für Derivateemittenten auch deshalb eine wichtige Rolle, weil die Strukturen von Derivaten meistens über sie finanziert werden. Hohe Kurse der Dividendenfutures weisen also auf schwindende Befürchtungen um eine Fortsetzung der Rezession hin.

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Sinkende Risikoaufschläge

Schliesslich haben sich die Risikoprämien auf Anleihen (Credit Spreads) auf Vor-Lehman-Niveau zurückgebildet. Mit solchen Aufschlägen lassen sich Investoren für die im Vergleich zu den ganz sicheren US-Staatsanleihen riskanteren Firmenobligationen entschädigen. Auch hier gilt: Je niedriger, desto weniger Befürchtungen haben die Investoren. Auch dieses Signal steht auf «Grün».

Und der VIX? Die Santander-Analysten verweisen auf den intakten technischen Abwärtstrend und den aktuellen Stand von 25%. Auf dem Hintergrund der zunehmend besseren Nachrichten aus der Realwirtschaft halten sie diesen Rückgang für angemessen. Es gebe, so das Fazit, von diesen Derivateindikatoren keine Anhaltspunkte für eine scharfe Korrektur an den Aktienmärkten.