Die UBS-Aktie unter 9 Fr.: Die Papiere der Grossbank sind auf neue Tieftststände gefallen, seit Jahresanfang hat sich der Aktienkurs beinahe halbiert. Nicht einmal während der Pleite des LCTM-Hedge- Fonds oder nach dem Platzen der Internet-Blase waren tiefere Kurse erreicht worden.

Bei Restrukturierung im Vorteil

Bei Analysten verweist man auf die halbwegs bereinigten Baustellen, die illiquiden Anlagen, die bisher die Bilanz belastet hatten aber auch auf die neuen Probleme. Zu diesen zählt einerseits das schwächer werdende Kreditgeschäft, andererseits schrumpfen sowohl im Investment Banking als auch in der Vermögensverwaltung die Umsätze aufgrund des globalen Konjunktureinbruchs und der abfliessenden Kundengelder.

«In Grübel we trust» - «In Grübel vertrauen wir», gelte nun laut Derek De Vries, Analyst bei der Bank of America, auch für die UBS. Das Argument für das Vertrauen liegt in der Leistung des neuen UBS-CEO Oswald Grübel bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Credit Suisse.

Dort hatte er die Geschäftsbereiche Investmentbank und Vermögensverwaltung dicht integriert - und somit der CS-Aktie zu einem Höhenflug von 33% gegenüber den UBS-Aktien verholfen. «Aber Grübel ist kein Supermann, und der Turnaround ist schwierig zu erreichen», warnt denn De Vries im gleichen Atemzug.

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Er setzt sein Kursziel bei 17.60 Fr., mehr als 100% über dem gegenwärtigen Niveau. Bei 14 Fr. steht das Kursziel bei Citigroup-Analyst Jemery Sigee. Er traut CEO Grübel zu, Ruhe und Stabilität ins Geschäft zu bringen, zumal die Liste der Herausforderungen für die UBS jetzt ziemlich die gleiche ist, mit der sich Grübel 2002 bei der Credit Suisse konfrontiert sah. Die UBS sieht er gegenüber den Konkurrenten im Vorteil, weil die Bank bereits früh mit der Restrukturierung begonnen hat. Sigee empfiehlt denn auch einen Wechsel von der CS- in die UBS-Aktie.

Eine zweigeteilte Entwicklung erwartet WestLB-Analyst Georg Kanders. Die Investmentbanksparte sollte sich stabilisieren können. Unter Druck steht jedoch jetzt das Vermögensverwaltungsgeschäft, in der Krise bisher einer der starken Pfeiler der UBS. Mindestens für das laufende 1. Quartal erwartet Kanders von dieser Seite her keine Zuflüsse. Die Aktivitäten bei und mit Kunden dürften schwach bleiben und für Margendruck sorgen, so der Analyst weiter.

Zwar prognostiziert auch Kanders für das laufende Jahr einen bescheidenen Gewinn von 67 Rp. pro Aktie, er bleibt aber bei seiner seit Februar gültigen «Halten»-Empfehlung.

Abgänge wirken positiv

Mit 13 Fr. pro Aktie schliesslich setzt CA-Analyst Christian Stark sein Kursziel mit Sechsmonatshorizont noch etwas tiefer als seine Kollegen an: «Wenn der Wechsel beim Verwaltungsratspräsidium eine Auswirkung auf den Aktienpreis hat, dann eher weil Peter Kurer geht und weniger weil Kaspar Villiger vorgeschlagen wird.»

Für dieses Jahr erwartet Stark einen Gewinn pro Aktie von 1 Fr., für die nächsten Jahre Gewinnzuwächse um 30 bzw. 20%. Starks Urteil lautet weiterhin auf «Underperform» und damit auf «Verkaufen».