Der Geschäftsgang der Schweizer Firmen im 3. Jahresviertel war bereits für einige Überraschungen gut - wenige Werte haben die Erwartungen der Investoren jedoch so deutlich übertroffen wie Nobel Biocare und Clariant.

Der Grund: Beide Unternehmen stecken seit Monaten wenn nicht Jahren in der Bredouille und kämpfen gegen Umsatz- und Ertragszerfall. Dass der Zahnimplantatehersteller Nobel Biocare jetzt im 3. Quartal den Reingewinn auf 33,6 Mio Euro steigern konnte - ein Plus von knapp 150% zum Vorjahr -, war den Anlegern ein Preisanstieg von unmittelbar 7% wert. Mit 11% Performance innert Wochenfrist weit nach vorne am Swiss Performance Index katapultiert wurden die Valoren des Spezialitätenchemiekonzerns Clariant. Der als ewiger Turnaround-Fall geltende Konzern konnte nach harten Sparmassnahmen und einem etwas besseren Branchenumfeld seine Gewinnmargen ausweiten.

Clariant und Nobel Biocare: Beide Beispiele haben bei den Anlegern den Hunger nach Mehr geweckt - und damit auch Spekulationen genährt, welche «Kellerkinder» als Nächstes in das für Top-Performer reservierte Rampenlicht treten könnten. Nach 50% Anstieg des breiten Schweizer Aktienmarkts seit dem Tiefpunkt im März gestaltet sich die Suche nach ungeschliffenen Diamanten jedoch nicht einfach.

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Besonders starken Schub erhalten haben seit dem Tiefpunkt der Börse von vergangenem März ausser den Finanztiteln die zyklischen Werte der Branchen Industrie, Bau- und Grundstoffe. Das Muster ist dabei typisch: Firmen, die besonders tief gefallen sind, steigen bei den ersten Anzeichen einer Erholung am meisten. Doch die Luft könnte hier bald draussen sein, warnt Markus Bäch-told, Leiter des Aktien-Research bei der Privatbank Clariden Leu. Denn die Anleger hätten übersehen, dass die Bilanzen in vielen Fällen nicht so stark seien und die Gewinne auch im 3. Quartal dieses Jahres weit unter den Ständen von 2007 geblieben seien. Bächtolds Fazit: «Ich würde nicht unbedingt empfehlen, jetzt noch auf diesen Zug aufzuspringen.»

Begrenzte Sichtweite

Die Befürchtungen des Chef-analysten bestätigt ein genauerer Blick auf die Ausweise, die Nobel Biocare und Clariant diesen November vorgelegt haben. Clariant rechnet für das Gesamtjahr weiterhin mit einem Umsatzschwund bis zu 20%. Nobel Biocare verzichtet für das Jahr 2009 ganz auf einen konkreten Ausblick, die Umsätze sind in den letzten Monaten um über 10% zurückgegangen. Den Anlageentscheid für solche Werte sollte deshalb nur treffen, wer auch die damit verbundenen Risiken zu tragen bereit ist.

Unterbewertete Defensive

Für alle anderen Investoren lohnt es sich dagegen, sich auf Solidität zu besinnen. Das kann sich heute doppelt auszahlen. Denn erstens dürften solche Werte im Falle einer Korrektur besser bestehen, und zweitens sind viele defensive Titel heute unterbewertet.

Bächtold von Clariden Leu sieht vorab bei Basiskonsumgütern, Energie - und Pharmarwerten Potenzial. In der Schweiz würde dies den Fokus auf die Schwergewichte Novartis, Roche und Nestlé rücken - ebenfalls interessant sind aber auch die Valoren von Versorgern. Wegen der geringen Kapitalisierung kommen die meisten Schweizer Elektrizitätsproduzenten zwar nur bedingt in Frage; stattdessen könnten die Namen von Swisscom gespielt werden.

Von Swisscom wird erwartet, dass sie die hiesigen Konkurrenten von Cablecom bis Sunrise noch weiter ausgebremst hat und damit einmal mehr stabile, wenn auch nicht berauschende 3.-QuartalsZahlen abliefern wird. Doch die Zeiten des Rausches nähern sich allmählich ihrem Ende.