Es gibt kaum noch weisse Flecken auf der Anlegerlandkarte: Von A wie Argentinien bis W wie Weissrussland reicht die investierbare Palette in der Schweiz. In Deutschland ist die Auswahl noch breiter - und wo sich nicht direkt anlegen lässt, weil es beispielsweise in Ländern wie Kuba keine Börsen gibt, behilft man sich mit Aktienbaskets von Firmen, die in Geschäftsbeziehungen mit diesem jeweiligen Land stehen.

Allerdings sind diese Schwellenländeranlagen mit besonderen Eigenschaften verbunden. So stiegen die Aktienindizes in Vietnam 2007 besonders stark, weil gleich drei deutsche Emittenten eingestiegen waren, ihre entsprechenden Produkte erfolgreich vermarkten und damit gleichzeitig die Kurse der wenigen, relativ illiquiden Aktien nach oben trieben, die den ausländischen Investoren zugänglich sind.

Liquidität nicht überall gegeben

«Die Liquidität der Märkte in normalen Marktsituationen ist unter Stressbedingungen oft nicht mehr gegeben», kommentieren Guorong Jiang und Robert McCauley in einem Positionspapier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Die beiden Experten geben auch einige Anhaltspunkte für die Anfälligkeit auf Liquiditätsprobleme mit. So ist die Grösse des Landes ein wichtiger Anhaltspunkt. Dann spielt auch eine geringe Kapitalisierung in Verbindung mit einer ungünstigen Stückelung eine Rolle. Schliesslich sollten die Anleger in Schwellenländern auf die potenzielle Käuferseite ein Auge werfen. Wenn nur einige Lokalbanken und/oder Staatsfonds als wichtigste Käufer auftreten, kann die Liquidität im Krisenfall rasch austrocknen. Und wenn Einschränkungen für ausländische Investoren bestehen, kann es im Krisenfall ebenfalls zu Kursverzerrungen kommen. Ein gutes Beispiel sind die Vergleiche der Preise für die in Shenzen gehandelten A-Aktien, die nur chinesischen Anlegern offenstehen, und den B-Aktien, die auch Ausländern offenstehen, derselben Firma. Hier gibt es Differenzen bis zu 50%.

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Für die Analysten der HSBC ist die Währung der wichtigste Hinweis auf die Liquidität von Schwellenländermärkten. Vietnam ist allein aufgrund der Illiquidität der Währung und der gering kapitalisierten Börse kein attraktives Anlageziel, genauso wenig wie Indonesien, Kroatien, Pakistan, Peru, die Philippinen und Rumänien. Hinsichtlich einer Reihe weiterer Länder, die hier auch über Indexzertifikate erschlossen sind, sehen die Analysten Einschränkungen bezüglich der Liquidität. Sie ist in Ländern wie Argentinien, Polen, Thailand oder Ungarn nur bedingt gegeben. Grünes Licht gibt es unter anderem für Ägypten, Brasilien, Chile, China, Hongkong, Indien, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Singapur, Südafrika, Südkorea, Taiwan, Tschechien und die Türkei. Dass auch Länder wie Ägypten, Saudi-Arabien, Russland und die Türkei hier aufscheinen, hat einen einfachen Grund: Hier ist die Landeswährung auch ein lokaler «Dollar-Ersatz» in einigen Nachbarländern.

Währungsrisiken beachten

Für Zertifikateanleger stellt sich noch eine weitere Frage: Alle Anlagen ausserhalb der eigenen Landesgrenzen bergen Währungsrisiken. Quanto-Produkte bringen zwar ein gewisses Hedging gegen Währungsschwankungen, sie sind aber relativ teuer bei exotischen Währungen. Eine letzte Frage ist zudem, wie sich die Aktien selber bewegen, bergen doch viele Schwellenländer Klumpenrisiken bei Rohstofffirmen, Telekom-Netzbetreibern oder Versorgern.