Die Pensionskassen-Verantwortlichen kön­nen sich über das bisherige Börsenjahr zu freuen. Ihre Einrichtungen erzielten in den ersten neun Monaten eine Rendite von durchschnittlich 6 Prozent. Davon profitieren die Versicherten nicht – im Gegenteil. Ihre in Aussicht gestellten Renten werden gekürzt. Denn viele Kassen nutzen die Gewinne, um überhöhte Rentenversprechen nach unten zu korrigieren.

Das scheinbare Paradox erklärt sich dadurch, dass nur dank den aufgebauten Reserven der technische Zinssatz gesenkt werden kann. Ohne Börsengewinne wäre der Deckungsgrad der meisten Kassen zu tief und würde diese Massnahme verunmöglichen. Mit dem technischen Satz werden die Renten­verpflichtungen verzinst. Er sollte der tatsächlich erzielbaren, langfristigen Nettorendite entsprechen.

Selbst bei einer sportlichen Strategie betrug die Rendite zwischen 1999 und 2011 nur 2,5 Prozent pro Jahr, gemessen am Index «Pictet BVG 40 plus». 3 Prozent seien also tendenziell immer noch zu hoch, sagt Mario Passerini von der Schindler-Pensionskasse. Seine Vorsorgeeinrichtung vollzog die Senkung auf 3 Prozent ­bereits Ende 2011. Es sei «logisch und konsequent», dass dieser Satz entgegen der Börse falle, sagt Vorsorgeexperte Olivier Deprez. Für 2013 peile eine Vielzahl von Kassen 3 Prozent oder gar weniger an.

Die tieferen technischen Zinsen haben keinen Einfluss auf laufende Renten. Aber für die noch im Berufsleben stehenden Versicherten bedeuten tiefere technische Zinsen später weniger Geld im Alter. Dadurch ist Sozialminister Alain Berset mit seinen Reformvorschlägen zur Schweizer Vorsorge bereits von der Realität überholt worden. Er will den Rentenumwandlungssatz fürs Obligatorium von heute 6,9 auf 6,4, allenfalls 5,8 Prozent senken. Pro 100 000 Franken Vorsorgekapital gäbe es statt 6900 nur 6400 oder 5800 Franken. Zum Vergleich: Mit der Senkung des technischen Zinses auf 3 Prozent verwenden Post und SBB bereits Umwandlungssätze von 5,85 Prozent. Die UBS taucht Anfang 2013 gar unter 5,5 Prozent.

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