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Lebensversicherer: Spielball der Politik

41 Prozent aller befragten Kassen weisen eine Rendite unter 2,5 Prozent aus

Der Bedarf an Garantielösungen steigt. Die Politik sollte Rahmenbedingungen schaffen, die Vollversicherungsmodelle begünstigen.

Von Pascal Harder *
am 22.06.2011

Ddas Vollversicherungsmodell der beruflichen Vorsorge ist erfolgreich. Doch immer weiter reichende Regulierungen bedrohen die 2. Säule und sorgen für Verunsicherung in der ­Bevölkerung. Was ist das Besondere am Vollversicherungsmodell und was ist sein Erfolgsgeheimnis?

Garantien:
Die Vollversicherung bietet den Arbeitgebern und den versicherten Arbeitnehmern umfassende Garantien. Neben der Abdeckung der Vorsorgerisiken Alter, ­Invalidität und Tod bestehen zusätzliche Sicherheiten: Mit der Nominalwert- und Zinsgarantie werden das einbezahlte Kapital und seine Verzinsung zu den gesetzlichen beziehungsweise reglementarischen Sätzen jederzeit garantiert. Mit der Liquiditätsgarantie besteht Sicherheit, dass die angesparten Vorsorgegelder jederzeit verfügbar sind und fällige Vorsorgeleistungen immer erbracht werden können. Die Leistungsgarantie steht dafür, dass laufende Renten immer vollumfänglich garantiert sind. Kürzungen sind ausgeschlossen.

Sicherheit:
Hinter den erwähnten Garantien stehen Lebensversicherungsgesellschaften, welche jederzeit die Deckung der eingegangenen Verpflichtungen durch genügende Eigenmittel sicherstellen müssen (Solvabilität). Im Vollversicherungsmodell können und dürfen Vorsorgeeinrichtungen nie eine Unterdeckung aufweisen. Über die jederzeitige Einhaltung der Solvabilitätsanforderungen wacht die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma).

Stabilität:
In Zeiten unsicherer Finanzmärkte hat das Vollversicherungsmodell beziehungsweise die dahinter stehenden Lebensversicherer die schweizerische Vorsorgelandschaft stabilisiert. Circa 1 Million Erwerbstätige mussten sich weder um ihre BVG-Gelder noch um irgendwelche Sanierungsmassnahmen je Sorgen machen.

Berechenbarkeit:
Das Vollversicherungsmodell ermöglicht den Unternehmen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Die Arbeitgeber müssen sich keine Gedanken machen bezüglich Sanierungsbeiträgen oder anderweitiger Nachschusspflichten. Die Vorsorge ist somit budgetier- und planbar.

Die Branche steht vor grossen Herausforderungen. So ist etwa der Umwandlungssatz zu hoch. Leider ist diese von ­biometrischen, demografischen und ökonomischen Verhältnissen abhängige Grösse zum Spielball der Politik geworden. Es ist unverantwortlich, die langfristige Sicherheit und Stabilität der beruflichen Vor­sorge aufs Spiel zu setzen beziehungsweise den eigenen politischen Interessen zu opfern. Eine Anpassung des Umwandlungssatzes ist unumgänglich und daher dringend erforderlich.

Auch ist der BVG-Mindestzins immer noch eine politische Grösse und wird jährlich vom Bundesrat neu festgesetzt. Schon lange wird eine Formel als Basis für die Festsetzung diskutiert, welche sich an den jeweils herrschenden ökonomischen Realitäten orientiert. Diese sollte endlich verbindlich festgelegt werden.

Im Rahmen der sogenannten Legal Quote wird der maximale Gewinn der ­Lebensversicherer definiert. Es bestehen Bestrebungen, diese Quote zu verschärfen beziehungsweise den möglichen Gewinn der Lebensversicherer weiter ein­zudämmen.

Die Politik muss sich hier ­bewusst sein, dass ein angemessener Gewinn und Dividendenausschüttungen an die Aktionäre, die mit ihrem investierten Kapital als Garantiegeber für die Verpflichtungen einer Vollversicherung geradestehen, Grundlage für das Modell der Vollversicherung sind. Nur eine risiko- und marktgerechte Verzinsung des Aktien­kapitals bietet Gewähr dafür, dass den Lebensversicherern auch in Zukunft das benötigte Eigenkapital zur Verfügung gestellt wird.

Für KMU ist eine Vollversicherung oft der einzige Weg, das BVG effizient und ökonomisch durchzuführen. Diese Unternehmen sind vielfach entweder nicht ­bereit oder nicht in der Lage, bei der Betriebsvorsorge das Risiko einer Unterdeckung einzugehen. Daneben gibt es eine ansehnliche Anzahl an grösseren Firmen, die aufgrund der erwähnten Garantien eine Vollversicherung wählen und damit bewusst auf gewisse Chancen der Finanzmärkte verzichten. Sie stellen bewusst die Sicherheit der Vorsorge in den Vordergrund.

Der Bedarf an Garantielösungen in der 2. Säule und damit die volkswirtschaftliche Bedeutung der Vollversicherung ist klar belegt. Eigentlich stünde die Politik somit in der Pflicht, Rahmenbedingungen zu schaffen, die das Vollversicherungsmodell begünstigen.

* Pascal Harder, Leiter Kollektiv-Leben, Basler Versicherungen, Basel.

Erfolgsmodell: Vollversicherungen gefragter denn je

Zuwachs
Den Vollversicherungslösungen in der beruflichen Vorsorge wird seit Jahren das Ende prophezeit. Unterschiedliche Interessenvertreter versuchen auf politischer Ebene, die Lebensversicherer aus dem Markt zu drängen. Der Ruf der 2. Säule leidet und Einzelfälle dienen als Vorwand für überbordende Regulierungswut. Dieser politisch motivierte Argwohn zielt jedoch an den Vorsorgebedürfnissen der Schweizer Firmen vorbei.

Nachfrage
Mittlerweile sind zwar einzelne Versicherungsanbieter ganz oder teilweise aus dem Markt ausgestiegen (zum Beispiel Generali, Zurich und Nationale Suisse), die Nachfrage nach Vollversicherungslösungen ist insbesondere als Folge der Finanzkrisen aber stark angestiegen. Heute haben rund 150 000 Unternehmen in der Schweiz (etwa 50 Prozent aller KMU) ihr Personal im Rahmen einer Vollversicherungslösung vorsorgeversichert.

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