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Müssen Bankkunden bald für ihr Erspartes zahlen?

Kleinsparer: Währungsturbulenz und tiefe Zinsen machen Privatanlegern zu schaffen.  Keystone

Auch Schweizer Banken beginnen, bei grossen Firmenkunden und institutionellen Anlegern Negativzinsen zu verlangen. Kommen bald auch die Privatkunden mit Sparkonten dran?

Von Lukas Rohner
am 22.01.2015

Es war ein Paukenschlag als die Schweizerische Nationalbank Mitte Dezember Negativzinsen einführte. Mit der Aufgabe des Mindestkurses senkte die SNB die Zinsen noch weiter unter Null. Damit kommt auch Bewegung in die Konditionen der Schweizer Banken. Nach der Credit Suisse und der Privatbank Lombard Odier hat nun auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) Negativzinsen für einige Kunden mit grossen Vermögenswerten eingeführt. Bei der Postfinance wird bei einzelnen Geschäftskunden eine so genannte «Guthabengebühr» erhoben.

Müssen nun bald auch Kleinsparer damit rechnen, dass sie Geld zahlen müssen, wenn sie ihr Erspartes zur Bank tragen? Handelszeitung.ch hat bei den wichtigsten helvetischen Geldinstituten nachgefragt, ob «Guthabenkommissionen», sprich Strafzinsen geplant sind. Das Resultat:

UBS: Bisher sind die Konditionen bei der Grossbank unverändert geblieben. «Für institutionelle und Firmenkunden mit grossen Bargeldeinlagen werden wir die Situation weiter sehr eng verfolgen und behalten uns vor, analog zum Bankensegment auch für Firmenkunden mit grossen Bargeld-Beständen Guthabengebühren einzuführen», teilt Sprecherin Karin Aquilino mit. Privatanleger bleiben vorerst verschont.

Credit Suisse: Bereits am Wochenende liess die Credit Suisse verlauten, dass bei «bei institutionellen Kunden und grossen Firmenkunden eine Guthabenkommission eingeführt» wird. «Derzeit plant die Credit Suisse keine Einführung von Negativzinsen bzw. Guthabenkommissionen auf Sparguthaben von Individualkunden», schreibt die Bank in ihrer Stellungnahme.

Raiffeisen: «Wir sind grundsätzlich nicht betroffen von den Negativzinsen», antwortet Sprecher Franz Würth. Die Konditionen bleiben vorerst unverändert und Würth hält negative Zinsen für Privatanleger bei der Raiffeisenbank für unwahrscheinlich.

Zürcher Kantonalbank: Wie alle Finanzinstitute muss auch sie auf Girokonten bei der SNB einen Negativzins zahlen. Sie führt deshalb auf Guthaben bestimmter Grosskunden Negativzinsen von 0,75 Prozent ein. «Negativzinsen für Kleinsparer und Kleinunternehmen sind nicht vorgesehen, solange die Schweizer Nationalbank ihre Politik nicht verschärft», so die Pressestelle. Künftige Konditionenanpassungen werden aber nicht ausgeschlossen.

Postfinance: «Bei grossen Geschäftskunden und Banken behalten wir uns vor, auf dem Guthaben, das den kundenindividuellen Schwellenwert überschreitet, Massnahmen festzulegen», schreibt Sprecher Johannes Möri. Unter den Massnahmen wird unter anderem die Einführung einer Guthabengebühr verstanden. Auch hier sind die Gelder von Privatkunden vorerst nicht betroffen.

Bank Juliusbär: Ob man diese Negativzinsen direkt und offen den Privatkunden weitergeben werde, müsse sich weisen, erklärt die Vermögensverwaltungsbank knapp.

Migros Bank: Für Migrosbank-Kunden sind die Konditionen gleich geblieben. Dennoch sind Änderungen nicht ausgeschlossen. «Bei Unternehmenskunden mit einem Guthaben von mehreren Millionen Franken wird derzeit in der gesamten Branche über eine mögliche Anpassung der Konditionen nachgedacht», sagt Sprecher Urs Aeberli.

Luzerner Kantonalbank: «Negativzinsen auf Sparguthaben sind für uns kein Thema. Hingegen sind bei institutionellen Kunden und weiteren juristischen Personen Negativzinsen oder zusätzliche Gebühren nicht auszuschliessen, sofern die Kunden die jederzeitige Verfügbarkeit der Kontosalden beibehalten wollen», so Kommunikationschef Daniel von Arx.

St. Galler Kantonalbank: «Die St. Galler Kantonalbank hat bereits Anfang Jahr ihre Zinsen angepasst, dennoch wird vor dem aktuellen Hintergrund laufend geprüft und beobachtet», sagt Sprecher Simon Netzle.

Berner Kantonalbank: «Grosskunden haben vereinzelt einen Negativzins von maximal minus 0,75 Prozent erhalten», sagt Mediensprecher Michael Buess. Von den Änderungen sind die Privatkunden bisher nicht betroffen.

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