Schweizer Pensionskassen stützen sich bei ihren Anlagen vor allem auf Obligationen und Aktien. Das liegt an den regulatorischen Anforderungen und an den Pensionskassenmanagern selbst, die oft in diesen Anlageklassen die grössten Erfahrungen mitbringen. Die exklusive Ausrichtung auf Obligationen und Aktien könnte für die Kassen und ihre Versicherten doch von Nachteil sein. In den letzten zehn Jahren hatten Pensionskassen Mühe, damit die nötigen Renditen zu erzielen. Zudem binden Aktien überproportional Risiken. Risikoanalysen zeigen, dass in einem Portefeuille mit 75 Prozent Obligationen und 25 Prozent Aktien Letztere für 80 Prozent der Anlagerisiken verantwortlich sind.

Limiten bei weitem nicht ausgeschöpft

Alternative Anlagen bieten sich für Pensionskassenmanager als Lösung an. Der Gesetzgeber hat ihrem Einsatz zwar Limiten gesetzt, diese werden aber derzeit bei weitem nicht ausgeschöpft. Zum Beispiel Rohstoffe: Diese bieten einen gewissen Inflationsschutz, Aussicht auf hohe Erträge, sind liquide und korrelieren wenig mit den Aktienmärkten. Letzteres gilt erst recht für verbriefte Versicherungsrisiken (Insurance Linked Securities, ILS). Die Investoren schlüpfen dabei in die Rolle von Rückversicherern und kommen in den Genuss einer festgelegten Prämie. ILS haben Obligationencharakter, aber im ­Gegensatz zu konventionellen Bonds nur eine geringe Sensitivität, falls die Zinsen steigen sollten. Die Versicherungsrisiken, zum Beispiel Wetter, haben in der Regel nur eine geringe Korrelation zu den Finanzmärkten, was sie für institutionelle Anleger interessant macht. Das jüngste Erdbeben in Japan hat daran nichts geändert. Es bescherte den Investoren zwar leichte Verluste, erlaubt aber gleichzeitig interessante Reinvestitionsmöglichkeiten. Infrastuktur-Investments bieten eine gewisse Unabhängigkeit von ökonomischen Zyklen, dazu noch relativ stabile Cashflows und einen gewissen Inflationsschutz. Die Pensionskasse setzt sich damit allerdings neuen Risiken – regulatorischen und politischen – aus, welche aufmerksam beobachtet werden müssen.

Ruf von Hedgefonds hat gelitten

Auch Hedgefonds können eine Lösung sein. Ihr Ruf hat in den letzten Jahren gelitten, weil viele ihr Versprechen, selbst in Krisenzeiten stabile Erträge zu liefern, nicht halten konnten. Dabei wird übersehen, dass Hedgefonds keine homogene Anlageklasse bilden, sondern ein Sammelbecken von Strategien mit ganz unterschiedlichen Risiko-Ertrags-Profilen bilden. Investoren müssen sich daher gut überlegen, welche Rolle Hedgefonds in ihrem Portefeuille spielen sollen. Und sich entweder für die speziellen Strategien entscheiden, die einen Mehrwert für ihr Gesamtportefeuille bieten, oder einen Hedgefonds auswählen, der bereits bewiesen hat, das er sowohl stabile Erträge liefern als auch einen gewissen Kapitalschutz zu akzeptablen Kosten bietet.

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Die grosse Mehrheit der Unternehmen ist nicht börsenkotiert. Mit Hilfe von Pri­vate Equity können institutionelle Anleger ihr Anlageuniversum auf diesen Bereich erweitern und gleichzeitig ihre Erträge steigern. Grosse Qualitätsunterschiede, komplizierte Anlageprozesse und illiquide Investments erschweren Engagements in Private Equity. Investoren sollten daher unbedingt darauf achten, erfahrene Manager auszuwählen, die breit diversifizierte und kosteneffiziente Engagements ermöglichen.

Apropos Kosten: Die heute noch übliche Praxis der Fees on commitment benachteiligt den Anleger: Die Gebühren werden bereits fällig, bevor die vereinbarte Summe komplett investiert ist. Neue Lösungen kommen den Interessen von institutionellen Schweizer Anlegern entgegen: Bei ihnen hängt die Höhe der Gebühren vom tatsächlich investierten Vermögen (Net Asset Value, NAV) ab und nicht von der Höhe der Kapitalzusage. Zudem berücksichtigen sie regulatorische und steuerliche Aspekte von Schweizer Vorsorgeeinrichtungen.

Anders als es die jüngste Debatte um die Höhe der Vermögensverwaltungskosten nahelegt, liegt es im Interesse der Versicherten, wenn Pensionskassen bei ihrer Anlagestrategie auch auf alternative An­lagen setzen. Gerade in einem Tiefzinsumfeld können diese dringend benötigte zusätzliche Erträge liefern und die Abhängigkeit von Aktienrisiken mindern. Voraussetzung dafür ist, dass die Pensionskassenmanager den Einsatz alternativer Anlagen in einem Gesamtkontext analysieren und regelmässig überprüfen, ob die gewählten Strategien mit den langfristigen Anlagezielen und dem individuellen Ri­siko­profil der Kasse übereinstimmen.

* Sébastien Dirren, Head of Institutional Mandates, Zurich Invest AG, Zürich.

Alternative Anlagen: Mehrerträge generieren

Regulation
Oft bringen Pensionskassenmanager die grössten Erfahrungen mit Obligationen und Aktien mit. Auch regulatorische Anforderungen sorgen dafür, dass Pensionskassenportefeuilles häufig sehr stark auf diese beiden Anlageklassen fokussieren. Dies könnte jedoch für die Kassen und ihre Versicherten von Nachteil sein. Eine Lösung sind Alternative Anlagen.

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Fazit
Zwar hat der Gesetzgeber dem Einsatz von Alternativen Anlagen Grenzen gesetzt: Diese sind jedoch längst nicht ausgeschöpft. Es ist durchaus im Interesse von Versicherten, wenn die Anlage‑strategie von Pensionskassen auch auf alternative Anlagen setzt. Vor allem bei tiefen Zinsen können diese zusätzliche Erträge generieren und Aktienrisiken mildern. Dabei müssen stets das langfristige Anlageziel und das individuelle Risikoprofil der Kasse im Auge behalten werden.