HOLZINDUSTRIE. Die Sägeindustrie verarbeitet Rohholz (runde Stammabschnitte) zu parallelen Schnittholzprodukten wie Bretter, Balken und Latten. Lange Jahre stand das Rohholz im Überfluss zur Verfügung, nun baut die Sägeindustrie ihre Kapazitäten massiv aus.

Die europäische Holzindustrie war unterwegs, Investitionen zunehmend in Osteuropa zu tätigen, bis dann im Herbst 2004 die Fichtenwälder Bayerns in den Brennpunkt rückten. Rohstoff-Reserven, die gut zugänglich waren, in Grosssägewerken rationell verarbeitet und auf der Schiene rasch an einen Seehafen gelangen konnten – zur Verschiffung in die USA. Zollstreitigkeiten USA-Kanada und ein sehr gutes Preis-Qualitäts-Verhältnis öffneten den Europäern dort den Markt.

Strukturelle Anpassungen

Im Sommer 2007 ist mit der Firma Stallinger in Domat/Ems das erste auf Export ausgerichtete Grosssägewerk in Betrieb gegangen und im Herbst 2009 folgt mit Schilliger das zweite in Luterbach. Die nächstgrösseren Werke Despond (FR), Zahnd (VD), Lädrach (BE) und Lehmann (SG) bauen massiv aus. Ferner hat die in den letzten zwei Jahren eingetretene Marktbelebung auch viele Investitionen bei den spezialisierten kleineren und mittleren Sägewerken ausgelöst.Die Produktion wird sich zwischen 2002 und 2010 verdoppeln. Damit geht ein markanter Struk-turumbau einher: Im nächsten Jahr leisten die 6 Grossbetriebe mit über 100000 m3 Rundholzverarbeitung pro Jahr bereits 51% der Gesamtproduktion, die 25 mittleren Betriebe noch einmal 20%. Die 320 regional ausgerichteten Betriebe, die weniger als 10000 m3 verarbeiten, haben noch einen Anteil von 29% – 1999 waren es noch 64%. Die Kleinbetriebe sichern ihre Zukunft mit Nischenstrategien, regionaler Marktnähe und Servicebereitschaft.Die Nachfrage nach Nadel-stammholz wächst rasch auf 4 Mio m3. Die Waldbesitzer sind erfreut über diese Nachfrageentwicklung, haben aber Mühe, mit der Holzernte Schritt zu halten. Immerhin können sie von diesem gefragten Sortiment mehr einschlagen, als aktuell zuwächst, weil die stehenden Holzvorräte sehr hoch sind, und deren massvolle Reduktion über die nächsten 20–30 Jahre ökologisch sinnvoll und für die Waldverjüngung positiv ist. Die Holzernte wird sich vermehrt auf die Voralpen- und Alpenzone konzentrieren, weil die Fichte im Mittelland unter dem Sturm Lothar Folgeschäden erlitten hat.

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Aktuelle Marktsituation

Aus dem Windwurf Kyrill Anfang 2007 stand in Mitteleuropa zu viel billiges Rohholz zur Verfügung. Die deutsche und die österreichische Sägeindustrie hat die Gunst der Stunde genutzt, neue Produktionsrekorde aufgestellt, aber mit der Mehrmenge viele wichtige Exportmärkte wie Italien, Nordafrika, Mittlerer Osten und Ja-pan überliefert. Zusätzlich schlägt die US-Hypothekenkrise mit scharfen Preis- und Mengeneinbrüchen durch. Die gegenwärtige Anspannung tut dem Optimismus der Branche aber kaum Abbruch: Sowohl die Auswirkungen des Sturmes als auch die Wende auf dem US-Markt hätten vor wenigen Jahren weit gravierendere Auswirkungen gehabt. Der Einfluss einzelner Konjunkturen und Märkte hat abgenommen. Die Branche wird von der weltweiten Rohstoffnachfrage getragen.

Hansruedi Streiff, Direktor, Holzindustrie Schweiz, Bern