China gilt als weltweite Konjunkturhoffnung. Anleger sind jedoch mit Aktien aus der Volksrepublik bisher unterschiedlich gefahren: Auf Zweijahressicht haben die Börsen in Schanghai, gemessen am dortigen Composite-Index, gleich schlecht abgeschnitten wie der SMI, der DAX oder der Dow Jones Industrial Index. Und der MSCI-China-Gesamtindex, der 1996 beim Stand von 100 ins Rennen gegangen war, notiert jetzt bei 61 Zählern.

Warnende Stimmen

Mittlerweile mehren sich zudem die Hinweise, dass die Situation in China bald noch schwieriger wird: Laut Kenneth Rogoff, ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) und jetziger Harvard-Professor, droht in China ein Immobilien-Kollaps. Der heissgelaufene Markt werde von der Regierung in Peking als eines der dringlichsten Probleme angesehen, weil ein Preissturz auch für die Banken zu einem Problem werden könne. Laut dem IWF selber sind die Aussichten hingegen gut - die Experten haben ihre jüngste Prognose für dieses Jahr für Asien von 7 auf auf 7,5% geschraubt. Weltweit soll dagegen ein Plus von 4,5% erzielt werden.

Die Diskrepanz zwischen den bescheidenen globalen Wachstumsraten und dem Boom in China lässt die Anleger denn auch weiterhin zu China-Derivaten greifen. Allein die Auswahl des «richtigen» Index als Basiswert kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. So sind die an den Börsen von Schanghai gelisteten A-Aktien, die nur von einheimischen Anlegern gekauft werden dürfen, in den letzten zwölf Monaten um 15% gefallen.

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Die für Ausländer offenen B-Aktien hingegen stiegen im gleichen Zeitraum um 10%, etwa gleich stark wie die in Hongkong gehandelten «H»-Aktien von chinesischen Unternehmen.

Die Unterschiede zeigen sich bei der Performance des Index-Trackers DB0RCA3 auf A-Aktien und SHANG auf B-Aktien. Vergrössert werden die Differenzen weiter durch die unterschiedlichen Referenzwährungen. DB0RCA3 ist in Euro, SHANG in Dollar denominiert. China-Anlagen sind deshalb oft auch mit Währungsrisiken verbunden. Der bei weitem beliebteste chinesische Basiswert ist der in Hongkong berechnete Hang Seng China Enterprise Index. Dieser bildet die chinesischen Blue Chips ab. Auf diesen Index sind Tracker in einer Franken-, einer Dollar- und in einer Euro-Variante erhältlich. Seit dem Start Anfang 2008 haben sich die Preise der Scheine aufgrund der Währungen aufgefächert. Am besten fuhren mit einem Minus von 7,5% die Käufer der Euro-Tranche. Die Dollar-Tracker-Besitzer verloren 20,3% und die Besitzer von Franken-Trackern 25,3%.

Basiswerte vergleichen

Einige Emittenten haben neben den Leitindizes auch attraktive Themen oder Branchen in eigenen Baskets zusammengefasst. Die Credit Suisse hat zwei Tracker auf ihren China Domestic Consumer Basket emittiert, Merrill Lynch (ML) drei auf ihren Consumer-Index. Der Performance-Vergleich zeigt, dass ML die Kurspflege etwas vernachlässigt. Der CS-Tracker CHICO beispielsweise machte den Abschwung der Basiswerte im Zeitraum April/Mai eins zu eins mit. ML hingegen stellte für den Tracker CHINU in diesem Zeitraum einen Kurs bei 95 Dollar.

Auch beim Vergleich zwischen dem von der CS emittierten Infrastrukturbasket CHINA mit dem von EFG im Mai herausgebrachten Tracker EFHGW zeigen sich auf kurze Sicht Differenzen. Der in Dollar denominierte Schein CHINA liegt leicht vorne, ist aber auch anders zusammengesetzt. Es lohnt sich deshalb, auch bei der Zusammensetzung des Basiswertes genau hinzuschauen.