Der Dollarkurs zeigt sich urplötzlich bärenstark: Gegenüber dem Franken stieg er innert vier Wochen um 7% auf aktuell 1.09 Fr, der Euro ist mit einem Gegenwert von 1.49 Dollar gar auf den niedrigsten Stand seit Februar 2008 gefallen.

Ausgelöst wurde der Kursgewinn der US-Leitwährung nicht nur durch die günstigeren Energiekosten, sondern vor allem durch die Geschehnisse auf dem alten Kontinent. Insbesondere waren dies die Aussagen von Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), in denen er nach Einschätzung von Volkswirten die Risiken für die Konjunktur stärker betont hat. Eine weitere Leitzinserhöhung wird daher am Markt nicht mehr erwartet. Zuletzt hatten sich die Konjunkturindikatoren in der Eurozone deutlich stärker als von vielen Experten erwartet verschlechtert. So ist die italienische Wirtschaft im 2. Quartal um 0,3% zum Vorquartal geschrumpft. Auch in Deutschland und in der Eurozone werden sehr schwache Wachstumsdaten erwartet.

Bremsspuren in Europa

Allerdings dürfte im Fall des Dollar die Schwalbe noch keinen Frühling machen. Beim Aufstieg des Dollar gegenüber dem Euro handle es sich um keine Trendwende, sondern um eine Korrektur, die auch länger anhalten könnte, schlussfolgern Experten. Die Gemeinschaftswährung der Eurozone könnte jetzt bis auf 1.40 Dollar zurückfallen. Mitte Juli hatte der Euro noch einen Rekordstand von 1.6038 Dollar markiert.

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Die Konjunkturdaten in der Eurozone haben sich in den letzten Wochen aber deutlich eingetrübt. Angesichts der deutlich schwächeren konjunkturellen Lage ist es deshalb denkbar, dass die EZB bereits im 4. Quartal den Leitzins senkt. Dies dürfte den Euro weiter belasten – und würde dem Dollar Auftrieb geben.

Allerdings steht in den USA dem Comeback des Dollar einiges im Weg. Denn: Die Angst vor einer Rezession steigt.

Dollar: Fehlende Rückendeckung

Gestützt von einem umfassenden Konjunkturprogramm, ist die US-Wirtschaft im 2. Quartal 2008 im Vergleich zum 1. um 1,9% gewachsen. Das war deutlich weniger als die 2,4%, die Volkswirte an der Wall Street erwartet hatten. Gleichzeitig wurden die Wachstumsdaten für die vergangenen Jahre korrigiert. Demnach ist die US-Wirtschaft im 4. Quartal des vergangenen Jahres um 0,2% geschrumpft. Damit dokumentieren die Behörden den ersten Rückgang des US-Bruttoinlandprodukts seit Herbst 2001.

«Wir sind in einer Rezession. Sie wird sich noch ausweiten und vertiefen», sagte Allen Sinai, Chefvolkswirt bei Decision Economics in New York. Eine Rezession liegt einer gängigen Definition zufolgevor, wenn die Wirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft. Dem sind die Vereinigten Staaten bis jetzt entkommen, denn auf das Minus Ende 2007 war im 1. Quartal 2008 ein Wachstum von 0,9% gefolgt.

Doch entscheiden wird schliesslich die Zukunft: Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass das Wachstum 2009 wohl nur 0,8% betragen wird. Vor allem die fallenden Immobilienpreise drückten das Wachstum, schlussfolgert der IWF.