Der Wall-Street-Primus Goldman Sachs hat die Ergebnissaison der US-Banken mit einem fulminanten Quartalsresultat eröffnet. Die Bank hat im 2. Quartal die Markterwartungen deutlich übertroffen. Mit einem Gewinn von 2,7 Mrd Dollar wurde die Messlatte für die anderen Banken hoch gelegt. Seit neustem empfiehlt auch die einflussreiche Analystin Meredith Whitney Goldman Sachs als einzige US-Bank zum Kauf.

Das Handelsgeschäft bei den festverzinslichen Wertpapieren läuft gut. Die Wiederbelebung des Emissionsgeschäfts im Bereich Aktien und festverzinsliche Wertpapiere hat sich im 2. Quartal fortgesetzt. «Die Erträge sind aufgrund von unüblich hohen Margen nicht nachhaltig und dürften sich in den nächsten Quartalen wieder abschwächen», erwartet Daniel Bischof, Bankanalyst bei der Bank Sarasin.

Institute wie Goldman Sachs profitieren derzeit nicht nur von einem besseren Marktumfeld, sondern auch von der geschwächten Konkurrenz. Wichtige Wettbewerber sind angeschlagen oder ganz aus dem Markt ausgeschieden.

Lockere Bilanzierungsregeln

Zudem helfen den Banken die gelockerten Bilanzierungsregeln: Es ist schwierig abzuschätzen, wie stark die drohenden Abschreiber die Banken nach der Änderung der Bilanzierungsregeln noch treffen. «Auch die steigenden Kreditausfälle belasten die Resultate», so Bischof. Dies trifft vor allem die stark im Konsumkreditgeschäft tätigen Banken wie die angeschlagene Citigroup, JP Morgan Chase oder Bank of America, die ihre Ergebnisse am 17. Juli vorlegen.

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Im Durchschnitt wird bei der Citigroup mit einem Quartalsverlust und bei der Bank of America mit einem Gewinn gerechnet. Die Gewinnschätzungen der Analysten gehen allerdings angesichts der Unsicherheit weit auseinander.

Staatshilfe zurückbezahlt

Auch die beiden Banken JP Morgan Chase und Morgan Stanley dürften ein Verlustquartal ausweisen, allerdings aus anderen Gründen. Wie Goldman Sachs haben die beiden Banken bereits die Staatshilfe zurückbezahlt, was die Ergebnisse im 2. Quartal belastet.

In den nächsten Quartalen dürfte sich dies allerdings für die Banken auszahlen. Die Rückzahlung wird am Markt als Zeichen der Stärke interpretiert; die Bankinstitute werden als Gewinner der Krise wahrgenommen. Sie können weitere Mitarbeiter und Kunden von den weniger erfolgreichen Konkurrenten abwerben und ihre Marktanteile ausbauen.

«JP Morgan Chase ist einer der grossen Gewinner der Finanzkrise und wird von den Kunden als sicherer Hafen angesehen», kommentiert Michael Schwaller, Bankanalyst der Zürcher Kantonalbank.

Weiteres Aufwärtspotenzial?

Doch zwischen den solideren und den schwächeren Banken tut sich immer mehr ein Graben auf. Eine Tendenz, die sich in den nächsten Quartalen noch verstärken dürfte. Doch irgendwann würden die angeschlagenen Banken mit besseren Konditionen wieder Marktanteile zurückgewinnen, rechnet Bischof.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Banken zeigen sich auch in der Entwicklung der Aktienkurse. So haben die Titel von Goldman Sachs seit Jahresbeginn rund 70% zugelegt, während Citigroup rund 60% eingebüsst haben (siehe Tabelle).

Dennoch sieht Analystin Meredith Whitney für die «Goldie»-Aktien noch ein weiteres Aufwärtspotenzial von 30%. Für Bischof sind mit den satten Kursanstiegen schon viele Vorschusslorbeeren verteilt. Mit Kaufempfehlungen für die Verliereraktien in diesem Jahr halten sich dagegen die meisten Analysten trotz gesunkenen Bewertungen noch zurück.

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