Infolge der Finanzkrise haben sich institutionelle Investoren in Europa von computergestützten, quantitativen Anlagestrategien abgewendet und bevorzugen nun wieder eine fundamentalere Herangehensweise. Das belegt die kürzlich veröffentlichte Anlegerbefragung European Equity Survey von JP Morgan Asset Management. Darin gab mehr als ein Drittel der institutionellen Investoren an, ihr Interesse an quantitativen Strategien habe sich im Vergleich zu 2008 abgekühlt.

Absage an das Quantitative

Mehr als die Hälfte der 128 Umfrageteilnehmer und 80% der grössten Institutionen in Europa mit jeweils mehr als 20 Mrd Euro Anlagevermögen neigen jetzt mehr zu fundamentalen Ansätzen als noch vor einem Jahr. Nur 10% der Befragten gaben an, quantitativen Strategien positiver gegen-überzustehen als noch vor einem Jahr.

Der Sinneswandel rührt daher, dass viele Investoren, die auf quantitative Anlagemodelle vertrauten, von der Finanzkrise schwer erwischt wurden. Bereits Ende 2007 führte eine Kursschwäche bei einigen Aktien zu weiteren Kurseinbrüchen, da quantitative Strategien das Signal für den massenhaften Verkauf von Aktienbesitz gaben. Einer der ersten Fonds, die es traf, war das Flaggschiff von Goldman Sachs, der Global Alpha Fund. Bis Mitte 2007 war er auf etwa 12 Mrd Dollar angewachsen. Ende des vergangenen Jahres hatte sein Volumen wegen der Kurseinbrüche und des Abflusses von Anlagekapital um rund 80% abgenommen.

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Das Scheitern von Big Playern

Laut dem JP-Morgan-Report ist das gesteigerte Interesse an den Fundamentaldaten von Unternehmen auch auf den Kollaps mehrerer Big Player zurückzuführen. In Anbetracht des Zusammenbruchs grosser Firmen auch im Finanz- und Automobilsektor hat sich selbst die Betrachtung von Blue-Chip-Aktien geändert. Da nun klar ist, dass kein Unternehmen zu gross zum Scheitern ist, müssen Investmenthäuser noch genauer wissen, in was sie investieren.

Bereits 2007 wiesen einige Beraterfirmen auf die potenziellen Probleme bei quantitativen Ansätzen hin. Ihr Argument: Manager gründeten ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen oft auf dieselben Modelle. Da sie gezwungen seien, immer grössere Summen anzulegen, blieben am Ende kaum noch Chancen durch Markt-ineffizienzen, und selbst Revi- sionen von Gewinnschätzungen hätten schliesslich keinen Effekt mehr.