Sie sind der Ursprung der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise, nun keimt auch bei ihnen zuerst Hoffnung: Die Investoren gehen davon aus, dass die USA der Rezession als erste westliche Volkswirtschaft entkommen werden.

Zu den Favoriten der Anleger gehören dabei Unternehmen aus dem S&P 500 Index , die wie Coca-Cola oder PepsiCo einen hohen und wachsenden Anteil ihres Geschäfts in den grossen Schwellenländern haben. Im Börsenjargon werden diese Länder Brasilien, Russland, China und Indien unter dem BRIC-Kürzel zusammengefasst.

Auf den BRIC-Faktor setzen

Der BRIC-Faktor wird während der Berichtssaison für Anleger eine wesentliche Rolle spielen. Die Entscheidung über eine Wende im US-Aktienmarkt werden die Strategien der Konzerne bringen. «Der Ausblick auf das 2. Halbjahr ist viel wichtiger als die Quartalszahlen», sagt Citigroup-Chef-Aktienstratege Tobias Levkovic. Denn die niedrigen Erwartungen der Analysten für das 2. Quartal haben die Anleger nach der starken Bärenrally abgehakt. Nach Schätzungen des Datendienstleisters Thomson-Reu-ters rechnen Analysten bei S&P-500-Unternehmen im Durchschnitt mit 36% Gewinnrückgang.

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Angesichts des schwachen US-Wirtschaftswachstums scheinen die Gewinnerwartungen der Analysten für 2010 - im Durchschnitt plus 21% - hoch. Sie sind nach Einschätzung des Citigroup-Strategen Levkovic jedoch nicht überzogen. Denn in Bezug auf die bisherigen Abschwungphasen seien diese Erwartungen eher die Regel als die Ausnahme. Wegen der geringen Auslastung der Produktion und niedriger Lagerbestände gebe es ausreichend Raum für zweistellige Gewinnsteigerungen, so Levkovic.

Seit März haben am US-Aktienmarkt vor allem klassische Fonds gekauft. Im grossen Stil geordert haben zudem institutionelle Investoren, die mit dem Verkauf von geliehenen Aktien auf fallende Kurse spekuliert haben. Weil sie die Papiere an ihre Besitzer termingerecht zurückliefern müssen, blieb ihnen schliesslich keine andere Wahl, als die Papiere teuer zurückzukaufen.

Mit den Konzernen, die in der kommenden Woche Zahlen präsentieren, darunter zahlreiche Banken, die Technologieriesen IBM und Intel und der Phar- ma- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson, nimmt die Berichtssaison jetzt Fahrt auf. Die Vorzeichen sind ermutigend: Der Aluminiumriese Alcoa, dessen Bilanz die US-Berichtssaison in New York eröffnet hat, überraschte mit einem geringeren Quartalsverlust und optimistischem Ausblick. Auch hier spielte der BRIC-Faktor mit: «Eines der Dinge, die von der Regierung in Peking gut gemacht werden, ist, Menschen in China davon zu überzeugen, sich neue Autos und Klimaanlagen zu kaufen, statt übermässig stark zu sparen», sagte Alcoa-VR-Präsident Klaus Kleinfeld.

Vorsicht bei Energietiteln

Allerdings werden sich Investoren nach den jüngsten Schwankungen beim Ölpreis, die Unsicherheit über Stabilität und Schnelligkeit der wirtschaftlichen Erholung signalisieren, bei einigen Branchen besonders zurückhalten. «Das sind die stark zyklischen S&P-500-Sektoren Energie sowie Bau- und Grundstoffe», sagt Binky Chadha, Chefstratege der Deutschen Bank für den US-Aktienmarkt. Chadha verweist dabei auf die historische Kursentwicklung der S&P-500-Branchen während der ersten zwölf Monate nach Erreichen der Talsohle im wirtschaftlichen Abschwung.

Demnach gehören Konzerne wie Amazon oder der börsennotierte Hochschulbetreiber Apollo Group, die im Index im Sektor zyklischer Konsum notieren, zu den Favoriten. Während Amazon stark von der Sonderkonjunktur Internethandel profitiert und mit Kindle, dem elektronischen Lesegerät für Bücher und Zeitungen, einen neuen Wachstumsmarkt erschlossen hat, überraschte Apollo Group vor wenigen Tagen mit starken Quartalszahlen und positivem Ausblick.

Techwerte überraschen positiv

Zu den Kandidaten aus dem favorisierten Industriesektor, die positiv überraschen könnten, gehört der US-Konzern 3M, der vor allem für die Erfindung der Post-it-Zettel bekannt ist. Mit gut der Hälfte des Umsatzes profitiert 3M nach Einschätzung der US-Bank Jeffries, die am Dienstag die Bewertung der Aktie startete, von der Nachfrage nach Umwelttechnologien, zum Beispiel zur Verbesserung der Qualität von Luft und Wasser.

Im Techsektor, der neben der IT-Branche auch den Halbleitersektor umfasst, könnte in der kommenden Woche der Branchenriese IBM mit einem starken IT-Dienstleistungsgeschäft in Schwellenländern positiv überraschen. Bessere Zahlen als erwartet kann auch der Computerchip-Riese Intel vermelden. Weniger spekulativ ist der Kauf der Coca-Cola-Aktien. Trotz Wirtschaft hält der Weltmarktmarktführer für Getränke an der jährlichen Steigerung der Dividende fest und wird 2009 mehr Gewinn einfahren.