Es gibt sie zuhauf, die Pessimisten, die glauben, die nächste US-Regierung werde die gleichen Fehler wie in den 1930er Jahren begehen. Es wird sogar orakelt, dass die USA die Weltwirtschaft in naher Zukunft in eine schwerwiegende Krise führen könnten. Profiinvestoren halten derzeit wenig davon: Sie geben sich zuversichtlich.

«Die Wahl von Obama war ein positives Ereignis, das schafft Vertrauen», so Oliver Pfeil, Fondsmanager bei DWS Investments und Spezialist für US-Aktien. Die Wahl könne die Grundlage für eine weitgreifende Politikveränderung sein.

«Der kurzfristige Ausblick für die USA ist eher durchzogen», sagt Cormac Weldon, Head of US Equities bei der Investmentgesellschaft Threadneedle. Die Wirtschaftsdaten, wie etwa die Konsumentenstimmung, sind zurzeit negativ. Doch: «Die USA ziehen früher an als andere Märkte», so Weldon. Sollte der Aufschwung Ende des nächsten Jahres kommen, könnten die Märkte dies bereits im 1. Quartal des neuen Jahres vorwegnehmen. «Die Aktienmärkte suchen nach Erfolgssignalen der Rettungspakete», sagt Weldon. Der Immobilienmarkt brauche noch mehr Stabilität. So sinken etwa die Preise für Wohneigentum weiter, obwohl sie bereits auf einem niedrigen Niveau sind.

Es ist daher nicht so wichtig, dass die US-Konsumenten hohe Schulden haben, glaubt Weldon. Diese Verbindlichkeiten seien gegenüber den verbleibenden Hypotheken das kleinere Problem. Die steigende Arbeitslosigkeit sorge zwar für einen Anstieg bei den Kreditkartenschulden, jedoch ist ein grosser Teil davon bereits in den Hypotheken enthalten.

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Immobilienmarkt noch kritisch

«Die amtierende Regierung hat bereits sehr viel getan», so Weldon. Nun müsse man abwarten, ob die Medizin etwas bewirke und sich der Patient bald wieder rege. Die neue Regierung könnte versuchen, die Hypothekarzinsen zu senken und direkt im Immobilienmarkt zu intervenieren. «Die Administration Obama müsste ihre Kontrolle über Freddie Mac und Fannie Mae nutzen, um Einfluss auf den Immobilienmarkt zu nehmen», sagt Weldon.

Der derzeitige Umwälzungsprozess werde durch die Amtsübergabe nicht unterbrochen, da der Kongress bereits jetzt in demokratischer Hand sei und die alte und die neue Regierung in dieser Frage zusammenarbeiten wollten. Das sorgt auf den Märkten zusätzlich für Vertrauen.

Aufschwung vorwegnehmen

«Der Markt ist billig», sagt Oliver Pfeil von DWS Investment. Der 10-Jahres-Schnitt der Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) ist auf dem niedrigsten Niveau seit 15 Jahren. Kaufwillige Anleger würden allerdings einen langen Horizont benötigen. Pfeil ist zuversichtlich, dass die USA im Zyklus weiter vorne stehen und daher schneller als andere Volkswirtschaften mit einem Aufschwung rechnen könnten. Im Vorfeld einer Rezession sollten sich Investoren sehr diversifiziert aufstellen, grosse Unternehmen bevorzugen und defensive Werte wählen, etwa aus den Bereichen Telekom und Energie. In einer Rezessionsphase sollte man auf Luxusgüter und Finanzwerte umschwenken. «Doch ob diesmal die Finanzwerte früh den Aufschwung vorwegnehmen, ist ungewiss, da die Krise schliesslich durch die Finanzinstitute verursacht wurde», so Pfeil. Die Banken, die bereits vom Staat Geld erhalten haben, würden jedoch aller Voraussicht nach überleben.

Bisher wurde von Energiewerten eher abgeraten, wenn sich die Märkte von der Krise befreien konnten. Diesmal ist das anders: «China wird alles tun, um das Wachstum am Leben zu halten», so Pfeil. Davon könnten Titel aus diesem Sektor profitieren. Die günstigen Bewertungen der Unternehmen tun ihr Übriges – sie könnten ausländische Erdölunternehmen dazu bewegen, günstig bewertete US-Zulieferer zu übernehmen und damit die Kurse zu treiben.

Auch hier ergeben sich Chancen für Investoren. Keine Branche ist jedoch derzeit eindeutig zu bewerten. «Die Bewertungsunterschiede innerhalb der Sektoren machen einen Einstieg sehr interessant», sagt Oliver Pfeil.

Gesundheitsbranche lockt

«Die sehr zyklischen Bereiche sind in den USA kleiner als in anderen Märkten, das und die grössere Auswahl an Titeln macht den US-Markt für Investoren spannend», sagt der Head of US Equities bei Threadneedle Cormac Weldon.

Es gebe zahlreiche Unternehmen in den USA, mit sehr gesunden Bilanzen, die jetzt günstig zu haben seien. Weldon selbst sieht viel Potenzial in der Gesundheitsversorgung. Auch die Analysten der Credit Suisse glauben, dass Pharmaunternehmen wie Celgene mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 43,6, Gilead und Teva Pharma von der neuen Präsidentschaft profitieren können. Hatte sich doch Barack Obama das Gesundheitswesen im Wahlkampf auf die Fahnen geschrieben.

Weiteres Wachstumspotenzial macht die Credit Suisse im Industriesektor aus. Infrastrukturunternehmen Honeywell und der Abfallentsorger Waste Management könnten von allfälligen Kon-junkturprogrammen profitieren. Marktbeobachter sehen zudem im Detailhandel grosse Chancen. Die Supermarktkette Wal-Mart könne mit ihrem Preisvorteil gegenüber den Konkurrenten punkten.