Viele Anleger befinden sich derzeit in einem Zwiespalt. Umfragen zufolge erwartet die Hälfte der Privatanleger in den kommenden sechs Monaten steigende Kurse. Doch nicht einmal jeder Dritte der Optimisten will auch wirklich handeln.

Diesen Unentschlossenen kann geholfen werden. Denn es gibt eine Anlageklasse, die die Chancen von Aktien und den Schutz von Festverzinslichen verbindet. Diese Papiere heissen Wandelanleihen und bieten derzeit grosses Potenzial. «Noch nie in meiner Karriere habe ich eine so günstige Situation für Wandelanleihen gesehen», sagt Carl Fox, der für Union Investment umgerechnet rund 3 Mrd Fr. in diesen auch Convertibles genannten Titeln verwaltet.

Geld-zurück-Garantie

Wandelanleihen sind im Grund nichts anderes als festverzinsliche Wertpapiere. Der einzige Unterschied zu klassischen Bonds liegt darin, dass der Anleger am Ende der Laufzeit nicht einfach sein Geld zurückbekommt. Er kann die Anleihe auch in eine vorher festgelegte Zahl von Aktien des Emittenten wandeln. Steigt der Börsenkurs während der Laufzeit kräftig an, wird sich der Investor für die Aktie entscheiden. Sinken dagegen die Notierungen, gibt es zum Schluss Bargeld zurück.

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Das Risiko für Sparer, die traditionell Festverzinsliche bis zum Laufzeitende halten, ist damit allein auf die Zahlungsunfähigkeit des Emittenten begrenzt, weil es ja im Zweifelsfall eine Geld-zurück-Garantie gibt. «Der Anleger profitiert von einer Erholung der Aktienmärkte. Und selbst wenn die Börsen in einigen Jahren immer noch auf dem niedrigen Niveau notieren, winken ihm zweistellige Renditen», wirbt Fox für die Anlagevehikel.

Tatsächlich sind die Papiere derzeit besonders attraktiv, weil deren Kurse zuletzt gewaltig unter Druck kamen. Das liegt zu einem Teil daran, dass die weltweite Rezession die Zahlungsfähigkeit vieler Unternehmen verschlechtert. Doch noch stärker fällt ins Gewicht, dass Hedge-Fonds als wichtigste Gruppe von Wandelanleiheninvestoren in den vergangenen Monaten massive Abflüsse verzeichneten und damit die Papiere zu jedem Preis an den Markt bringen mussten.

Profit aus Zwangsverkäufen

«Nach solchen Zwangsverkäufen gibt es Chancen für Anleger», sagt Patrick Gügi, Chef der auf Wandelanleihen spezialisierten Fisch Asset Management in Zug. Viele Convertibles seien drastisch unterbewertet. «Das Wandelrecht gibt es für Anleger derzeit quasi gratis.» Ein Beispiel ist ein Wandler der staatlichen Förderbank KfW, der bis Februar 2010 läuft und aktuell mit 4,7% rentiert. Dagegen wirft eine klassische KfW-Anleihe mit gleicher Laufzeit gerade einmal etwas mehr als 3% ab. Dabei haben Anleger des Convertibles noch die Chance, an der Kursentwicklung der Deutsche-Post-Aktie mitzuverdienen. Sollte die Aktie Gelb in den kommenden 15 Monaten über 19,38 Euro klettern, könnten die Anleger sogar noch mehr als die erwähnten 4,7% mit dem Wandler erzielen. Auch wenn die Post-Aktie für die Mehrrendite um rund 90% steigen müsste, sind die 4,7% für den staatlich garantierten Bond attraktiv.

Bei anderen Wandelanleihen gibt es deutlich höhere Renditen. Insbesondere Papiere aus der Branche der erneuerbaren Energien bieten ohne Beachtung des Wandlungsrechts schon zwischen 13 und 20%. Allerdings ist hier auch die Gefahr, dass die Unternehmen am Ende der Laufzeit die Anleihe nicht zurückzahlen können, deutlich höher.

Viele Papiere haben für Kleinsparer zwei Nachteile. Oft werden sie nur mit einem Nennwert von 75 000 Fr. gehandelt. Beim SGL-Carbon-Wandler, der aktuell bei 60% notiert, müssen die Investoren für einen Titel 45 000 Fr. auf den Tisch blättern. Ausserdem sind Convertibles oft illiquide. «Wandelanleihen sind für Privatpersonen schwer zu bekommen», sagt Fox. «Der Markt wird zu mindes-tens 99% von institutionellen Investoren beherrscht.» Einen Ausweg bieten die zahlreichen Wandelanleihefonds.