Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Momentan beschäftigen vor allem politische Themen wie die Zwischenwahlen in den USA, die Wahlen in Brasilien, der Handelsstreit zwischen den USA und China, der Brexit und die populistische italienische Politik die Finanzmärkte. Des Weiteren rücken auch die Inflation und die steigenden Rohstoffpreise in den Fokus und – damit verbunden – die künftige Politik der US-Notenbank. Das alles sind Ereignisse, welche die Märkte in Atem halten und auch kürzlich zu Rückschlägen geführt haben. Obwohl die Märkte zunehmend volatil sind, denken wir, dass das globale Wachstum noch immer stabil und nachhaltig ist.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Wir gehen davon aus, dass die Börsen nach den kürzlichen Rückschlägen durchaus das Potential haben, gegen Jahresende wieder zuzulegen. Ein positiver Schub könnte von den USA ausgehen, wo nach den jüngsten Zwischenwahlen etwas Unsicherheit aus dem Markt verschwunden ist. Davon dürfte auch der Schweizer Markt profitieren. Zudem sind nun auch die Bewertungen wieder attraktiver geworden nach diesem «gesunden» Setback.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Das kommt vor allem darauf an, wie sich die Märkte nach den oben genannten Ereignissen weiter entwickeln werden. Grundsätzlich sind wir allerdings vorsichtig positiv eingestellt, weil wir noch keine bedeutenden, realwirtschaflich negativen Auswirkungen davon sehen, sondern weiterhin gute Unternehmens- und Wirtschaftszahlen. Davon ausgehend, dass sich die negativen Konsequenzen im Rahmen halten werden, denken wir, dass auch der SMI ein positives Jahr haben dürfte.

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Thomas Eckert ist Business Development Director Schweiz bei der Fondsgesellschaft Legg Mason. In dieser Funktion pflegt und entwickelt er die Geschäftsbeziehungen zu Banken, Versicherungen und Family Offices. Eckert hält einen Master of Advanced Studies in Banking and Finance.

Quelle: ZVG

Das Votum der US-Stimmbürger liegt vor. Was bedeutet das Ergebnis der amerikanischen Zwischenwahlen für die Börsen?
Die Ergebnisse der Zwischenwahlen wurden bereits weitgehend erwartet und waren an den Märkten eingepreist.  Unsere Einschätzung ist, dass die amerikanische Börse zum Jahresende und sogar ins Jahr 2019 hinein weiter zulegen wird. Die Änderungen im US-Kongress dürften allerdings zu erhöhter Volatilität führen, insbesondere da es zu Unstimmigkeiten wie zum Beispiel bei Themen wie die Erhöhung der Schuldenobergrenze kommen kann. Die guten Nachrichten sind allerdings: Nach allen 17 Zwischenwahlen seit dem Jahr 1950 sind die Börsen in den darauffolgenden 12 Monaten gestiegen, durchschnittlich um 15,3 Prozent. Da die USA solide Wirtschaftszahlen vorweisen und eine Rezession nicht in Sicht ist, könnten die Börsen auch dieses Mal zulegen. Zudem dürften die Deregulierungs-Bemühungen anhalten, allerdings abgeschwächt, was dem Unternehmensvertrauen zugute kommt und wichtig ist für die Wirtschaft.

Warren Buffet hat im grossen Stil Aktien seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway zurückgekauft. Gehen der Investorenlegende die Ideen für Anlagen aus?
Wir sehen den Trend zu aktionärsfreundlichen Transaktionen der Unternehmen auf breiter Front. Kapital-Rückführung und gutes Gewinnwachstum haben den Unternehmen erlaubt, grössere Geldbeträge anzuhäufen, welche dann für Massnahmen wie höhere Dividenden, Aktienrückkäufe, M&A oder andere Investitionen ausgegeben werden. Dies dürfte auch für die Börsen positiv sein. Warren Buffet ist also kein Einzelfall, sondern liegt im Trend.

Der US-chinesische Handelsstreit läuft seit Monaten. Mit welcher weiteren Entwicklung rechnen Sie?
Im Handelsstreit der zwei Nationen gibt es eine grosse Asymmetrie in Bezug auf die Handelssummen – die USA importieren weitaus mehr von China als umgekehrt.  China ist noch immer der grösste ausländische Gläubiger der USA und hat bereits wachstumsfördernde Massnahmen zur Ankurbelung der Binnenwirtschaft eingeleitet. Wir rechnen mit einer weiteren Beschleunigung des Intra-Emerging-Markets-Handels sowie stärkeren Beziehungen zu anderen Handelspartnern wie der EU. Die äusserst ehrgeizige Infrastrukturinitiative «One Belt, One Road» sorgt bereits jetzt für mehr Schnelligkeit und geringere Transportkosten zwischen China und Europa. Das Endspiel dieser Saga zeichnet sich noch nicht ab, aber wir glauben nicht, dass Trump einen umfassenden Handelskonflikt anstrebt. Anleger sollten über den ganzen Trubel hinausblicken, und auch wenn die Volatilität in den nächsten sechs Monaten hoch bleiben dürfte, könnten sich aus den Rückschlägen durchaus Kaufgelegenheiten für Aktien der Schwellenländer ergeben.

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RIO DE JANEIRO, BRAZIL - OCTOBER 28: Jair Bolsonaro, far-right lawmaker and presidential candidate of the Social Liberal Party (PSL), gestures after casting his vote during general elections on October 28, 2018 in Rio de Janeiro, Brazil.  (Photo by Buda Mendes/Getty Images)

Jair Bolsonaro: Der Rechtspopulist wird Brasiliens neuer Präsident.

Quelle: 2018 Getty Images

In Brasilien ist mit Jair Bolsonaro ein Rechtspopulist an die Macht gekommen. Wird es ihm gelingen, das Schwellenland aus der Wirtschaftskrise zu führen?
Die globalen Märkte sind nach wie vor angespannt, aber es scheint, dass die Investoren glauben, dass Bolsonaro eine marktfreundliche Reform der sozialen Sicherheit bewirken und die Privatisierungspläne wieder aufnehmen wird. Infolgedessen sollten wir eine starke Erholung der brasilianischen Vermögenswerte, Aktien, Anleihen und Währungen sehen. Für die Wirtschaft insgesamt ist die Situation nicht schlecht. Obwohl die Inflation ansteigt, bleibt sie auf historisch niedrigem Niveau und Brasilien steht nicht an vorderster Front des wachsenden Handelskriegs zwischen den USA und China. Brasilianische Landwirte zählen bereits zu den Gewinnern von US-Zöllen auf chinesische Waren, da Peking seine Beschaffung von landwirtschaftlichen Produkten als Vergeltungsmassnahme umleitet. Zusätzlich profitiert Brasilien von höheren Öl- und Rohstoffpreisen, und der Unternehmenssektor ist weitgehend unterdurchschnittlich verschuldet.

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