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Warum der Dax trotz Rekordstand günstig ist

Warum der Dax trotz Rekordhoch günstig ist
Börse in Frankfurt: Händler freuen sich über Gewinne. Keystone

Der deutsche Aktienindex haussiert und ist dennoch attraktiv für Anleger. Das Ergebnis der
 Bundestagswahl stützt die guten Aussichten. Wo Sie jetzt zugreifen können.

Von Carla Palm und Peter Manhart
2017-10-04

Eigentlich war 2017 als das Jahr der vielen Unsicher­heiten gebrandmarkt. Doch mittlerweile ist das vierte Quartal erreicht und Anleger können sich über eine gute Performance freuen. Die meisten Aktienindizes haben mehr als 10 Prozent zugelegt. So auch der deutsche Dax. Seit Jahresbeginn ist er über 12 Prozent davongeeilt, in Franken sogar 19 Prozent.

Dies, obwohl auf der politischen Ebene zuerst die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten verdaut werden musste, die Syrien-Krise sich zuspitzte und in Frankreich und Deutschland richtungsweisende Wahlen auf der Agenda standen. «Die zentrale Wettbewerbsdimension zwischen den Parteien in Europa hat sich verschoben», sagt der Schweizer Politologe Hanspeter Kriesi im Gespräch mit der «Handelszeitung» (lesen Sie hier das ganze Interview).

Der Dax lässt sich von alledem nicht beeindrucken. Bleibt die Frage, wie nachhaltig der Aufwärtstrend ist. Maximilian Kunkel, Chefanlagestratege Deutschland bei UBS Wealthmanagement, ist optimistisch. «Der Aufwärtstrend ist unglaublich breit abgestützt», erklärt er. In den letzten Jahren sei der Dax stark abhängig vom Automobil- und Chemiesektor gewesen. Doch diesmal haussieren selbst Titel wie Lufthansa, Eon und Commerzbank und stärken den Index.

Langfristige Vorteile

Darüber hinaus sind auch die Kerntreiber des Dax intakt. «Dazu gehören seine starke zyklische Ausrichtung, die starke Binnenwirtschaft in Deutschland und die Konsolidierungsphase beim Euro, die wir im Moment beobachten», so Kunkel. Beides sei gerade langfristig vorteilhaft. Die UBS-Analysten sehen das Währungspaar Euro/US-Dollar zwischen 1,15 und 1,20. Der Euro-Aufschwung der letzten Monate sollte sich demnach verlang­samen, was stützend für die Gewinne der Dax-Unternehmen ist, die gut 50 Prozent ihres Umsatzes ausserhalb der Euro-­Zone erwirtschaften.

Eine massive Euro-Aufwertung ist gemäss den UBS-Analysen eher unwahrscheinlich, genauso wie die Wahrscheinlichkeit einer Rezession, die nicht gut für die zyklisch ausgerichteten Unternehmen wäre. «Beides wäre ein Worst Case, von dem wir für die nächsten 12 bis 18 Monate aber nicht ausgehen.»

UBS hält Übergewicht auf deutsche Aktien

UBS hält deshalb innerhalb der Euro-Zone ein Übergewicht auf deutsche Aktien. Aus fundamentaler Sicht spricht dafür auch die im Moment güns­tige Bewertung des Dax. Im Vergleich zu anderen Indizes in Kontinentaleuropa wird der Dax mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2018 mit einem Abschlag von knapp 10 Prozent gehandelt. «Das ist sehr attraktiv», erklärt Kunkel. Auch im historischen Vergleich ist der Dax klar günstiger als der S&P 500 in den USA und der Schweizer SPI.

Vorsicht ist allein beim deutschen Automobilsektor angebracht. Zwar ist hier im Moment im Vergleich zum Vorjahr eine starke Gewinndynamik zu beobachten. Das Momentum dürfte aber angesichts der strukturellen Herausforderungen wie Carsharing und E-Mobilität zurückgehen. «Wir sehen derzeit nur wenig Potenzial für höhere Bewertungen im ­Automobilsektor», konstatiert Kunkel.

Konjunktur läuft rund

Thomas Heller, Chefanlagestratege der Schwyzer Kantonalbank, überzeugt mit Blick auf den Dax vor allem die starke Wirtschaft in Deutschland. Der Aussenhandel läuft rund, die wichtigsten Konjunkturindika­toren notieren auf mehr­jährigen Höchstständen. Auch die Inlandnachfrage habe dank der positiven Ent­wicklung des Arbeitsmaktes und der steigenden Konsumnachfrage eindeutig an­gezogen, sagt Heller. Die Profiteure der guten Konjunktur seien Siemens und BASF, deren Aktien die Analysten der Schwyzer Kantonalbank auch zum Kauf empfehlen. «Siemens ist stark positioniert, um von den Trends ­Automation, Energieeffizienz und Digi­talisierung zu profitieren», so die Einschätzung. Auch sei geplant, die Gesundheitssparte an die Börse zu bringen, was Mehrwert für die Aktionäre bringen sollte. BASF wiederum erziele dank vieler Spezialprodukte eine hohe Wertschöpfung und sei breit diversifiziert.

Die Analysten der unabhängigen Rating- und Analyseagentur Morningstar gehen mit ihrer Lobeshymne auf den Dax sogar noch weiter: «Der Dax ist eine Wette auf den globalen Aufschwung», sagt Ali Masarwah, zuständig für das Europa-Research von Morningstar in Frankfurt. Die Prognosen für das globale Wirtschaftswachstum seien gut, und da die deutschen Grosskonzerne sehr stark export­orientiert sind, sei zu erwarten, dass sie sich in diesem expansiven Umfeld gut behaupten. Morningstar setzt gerade deshalb auf die Aktien der Automobilhersteller Volkswagen, BMW und Daimler sowie auf die Titel von Pharmamulti Bayer.

Dax-Favoriten der «Handelszeitung»

Bayer gehört auch zu den Dax-Favo­riten der «Handelszeitung». Vom Wachstum im Gesundheitsbereich dürften auch Fresenius Medical Care und Merck KGaA profitieren. Mit Blick auf die gute Positionierung des Unternehmens, die Bewertung der Aktien sowie die erwartete Dividendenrendite scheinen zudem die Schwergewichte Allianz, BASF, Siemens und auch Müchner Rück attraktiv für langfristig orientierte Anleger. Wer risikofähig ist, kann einen Einstieg in Infineon und auch ProSiebenSat.1 Media wagen. Von einem Engagement im Automobilsektor ist wegen der vielen Unsicherheiten abzusehen. Schön gestiegen sind zuletzt Adidas und Lufthansa. Hier gibt es mittlerweile nur noch wenig Potenzial nach oben.

 

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