Anleger und Konsumenten behalten spätestens seit 2014 den Ölpreis im Blick. Die US-Sorte West Texas Intermediate fiel innerhalb von fast zwei Jahren von etwa 105 Dollar je Barrel (159 Liter) auf rund 27 Dollar. Der Grund: ein massives Überangebot am Ölmarkt.

Heute notiert der Ölpreis wieder deutlich höher. Eine Begrenzung der Fördermenge durch die Erdöl exportierenden Länder (OPEC) hat das schwarze Gold wieder auf über 50 Dollar steigen lassen.

Anleger setzen auf die OPEC

Die Tendenz zeigt weiter nach oben. Die 100 Dollar December 2018 Call Option» war Anfang der Woche der meist gehandelte Kontrakt aller Öl-Optionen, berichtet die US-Agentur «Bloomberg». Das Produkt verbrieft Anlegern das Recht, Öl-Futures im Dezember 2018 zu je 100 Dollar zu kaufen.

Diese Option macht nur dann Sinn, wenn der Ölpreis über 100 Dollar notiert. Sonst ist es für den Besitzer der Option günstiger, den aktuellen Preis zu bezahlen. Das bedeutet, die Anleger, die jetzt dieses Produkt kaufen, setzen darauf, dass der Ölpreis in zwei Jahren wieder über 100 Dollar notiert.

Deutliche Gegenstimme aus Frankreich

Und doch gibt es eine deutliche Gegenstimme: Sie kommt von Thierry Lepercq. Er ist Chef des französischen Energieversorger Engie aus dem Pariser Vorort Courbevoie. Die Gesellschaft war früher unter dem Namen GDF Suez bekannt und hat sich 2015 umbenannt.

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Lepercq geht davon aus, dass es keine zehn Jahre dauert, bis der Ölpreis auf 10 Dollar je Barrel fällt. Fünf «Tsunamis» würden den Energiemarkt umpflügen: Fallende Kosten für Solarenergie, die Möglichkeit der Energiespeicherung, steigende Verkaufszahlen von Elektroautos, das Wachstum von energieeffizienten Gebäuden und günstiger Wasserstoff. All diese Faktoren, so Lepercq, werden den Ölpreis drücken.

Milliardeninvestition geplant

Gerade der Wasserstoff sei das fehlende Puzzleteil auf dem Weg zur Versorgung mit ausschliesslich erneuerbaren Energiequellen. Die Forschungen seien bereits weit fortgeschritten. Selbst bei steigender Nachfrage würde das den Ölpreis belasten.

Um die Forschungen weiter voranzutreiben, plant Engie bis zum Jahr 2018 eine Investition von 1,5 Milliarden Euro in die Wasserstoff-Entwicklung.

Dieser Artikel erschien in veränderter Form bei Business Insider Deutschland unter dem Titel «Französischer Energieversorger: Darum fällt der Ölpreis bald auf 10 US-Dollar».