In immer neue Spären ist die GoPro-Aktie seit dem Börsengang im Juni gestiegen. Erst vor einer Woche erreichten die Papiere des Actionkamera-Herstellers mit knapp 99 Dollar ihren bisherigen Höchststand. In nicht einmal vier Monaten hatte sich der Kurs gegenüber dem Ausgabepreis vervierfacht. Doch die Entwicklung der vergangenen Tage zeigt, dass es selbst für GoPro auch nach unten gehen kann. In den vergangenen zwei Wochen erlebte das bejubelte Papier schon zwei grössere Einbrüche.

Und weil die Konkurrenz im Geschäft mit den Actionkameras nicht geschlafen hat, stellt sich die Frage: Ist das GoPro-Feuerwerk an der Börse bereits vorbei? Alleine am Montag dieser Woche fiel die Aktie um knapp zehn Prozent, nachdem der Skiunfall von Michael Schuhmacher in verschiedenen Medien mit GoPro in Verbindung gebracht wurde. «GoPro-Kamera verursachte Michael Schuhmachers Kopfverletzung», titelte etwa die Boulevardzeitung «New York Post». Und obwohl der Zusammenhang offiziell weder bestätigt noch dementiert wurde, stiessen viele Anleger die Aktie sofort ab.

«Normale» Schwankungen

Einen ähnlich heftigen Einbruch hatte es zuvor bereits Anfang Oktober gegeben. Auch damals verloren die Papiere an einem einzigen Tag fast sieben Prozent. Da hatten die Gründer Nick und Jill Woodman einen Teil ihrer Aktien in eine wohltätige Stiftung überführt. Die Spende in Höhe von fast sechs Millionen Anteilsscheinen wurde an der Börse negativ aufgenommen, weil Investoren fürchteten, dass GoPro bald weitere Aktien auf den Markt werfen könnte.

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Während GoPro bisher zu den Schwankungen schweigt, sind die kurzzeitigen Einbrüche für Experten offenbar noch kein Problem. «Bewegungen dieser Stärke sind normal für GoPro», sagt etwa Analyst Alex Gauna von JMP Securities gegenüber «Bloomberg». Trotz möglichen Sicherheitsproblemen, rät JMP Securities weiterhin zum Kauf: «GoPro hat klar deklariert, dass Konsumenten vorsichtig sein müssen, wenn sie riskanten Aktivitäten nachgehen.»

Analysten sind optimistisch

Auch FBN Securities aus New York sieht noch kein Ende des GoPro-Booms. Der Absturz wegen der Spende sei eine Überreaktion gewesen, sagte Analyst Shebly Seyrafi Anfang Oktober. «Die Aktie hat sich schliesslich in drei Monaten verdreifacht.» Derartige Schwankungen seien deshalb eine Kaufgelegenheit.

Das neue Auf und Ab der GoPro-Aktie ist zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Einerseits ist klar, dass viele Anleger nach dem steilen Aufstieg ihre Gewinne mitnehmen wollen. Und andererseits erwarten Analysten im bisher schwachen Börsenherbst generell mehr Volatilität an den Aktienmärkten. Beunruhigender für GoPro ist deshalb die wachsende Konkurrenz im Bereich der Actionkameras.

Konkurrenz aus Taiwan und Japan

Der Erfolg von GoPro an der Börse und bei Sportlern blieb anderen Herstellern freilich nicht verborgen. Wettbewerber drängen inzwischen auf den Markt: Vor wenigen Tagen stellte der taiwanesische Smartphone-Hersteller HTC, seine eigene Actioncam HTC RE vor. Die periskopähnliche Minikamera soll ab November für 279 Franken erhältlich sein. Mit dem grossen Sichtfeld von 146 Grad und der 16-Megapixel Full-HD-Filmkamera dürfte die Kamera vor allem bei Hobbysportlern eine echte Konkurrenz zu den GoPro-Modellen darstellen.

Schon länger auf dem Markt ist auch die Panasonic HX-A500, die in Tests immer wieder besser abschneidet als die GoPro-Modelle. «Panasonic killt die GoPro!», schrieb beispielsweise die Computerzeitschrift «Chip.de». Dass sich die High-End-Kamera aus Japan noch nicht durchgesetzt hat, liege eher an der bisher eher unpraktischeren Anwendung, als an den technischen Qualitäten. Die Kamera besteht nämlich aus zwei Modulen, was den Einsatzbereich gegenüber GoPro einschränkt.

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GoPro schlägt zurück

Auch GoPro hat inzwischen reagiert und vor wenigen Tagen drei neue Kameras auf den Markt gebracht. Die Modelle «Hero4 Black», «Hero4 Silver» und das Einsteigermodell «Hero» kosten zwischen 149 und 549 Franken. Das Topmodell beherrscht 4K und filmt mit 30 fps und 4facher Zeitlupe in Full HD.

Ob die Konkurrenz mit der neuen Linie zurückgedrängt werden kann, müssen die Sportler entscheiden. Wie weit aber der Börsenkurs von GoPro tatsächlich mit technischer Innovation zusammenhängt, ist mit Blick auf die bisherige Entwicklung der Aktie mehr als fraglich.