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Ausblick
Warum die Opec an Macht eingebüsst hat

Opec-Treffen in Wien im November 2017
Opec-Konferenz in Wien: Die Opec hat grössere Pläne als Einfluss.Quelle: Getty Images/Anadolu Agency/Kontributor

Im Dezember dürfte es an den Börsen kaum aufwärts gehen, erwartet Vermögensberater Christof Strässle. Er sagt, welchen Einfluss die Ölförderländer der Opec noch haben und warum die Airline-Branche nur was für Zocker ist.

Von Julia Fritsche
am 01.12.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Christof Strässle*: Medienberichte, welche die Aktienmärkte als überhöht einstufen, halten sich mit jenen, die Aktien als alternativlos sehen, in etwa die Waage. In den USA interessiert die Steuervorlage des Präsidenten. Diese ist selbst bei Republikanern sehr umstritten, und ein positiver Entscheid dürfte die Verschuldung der USA weiter anheizen. Negative Auswirkungen auf die Börsen hatten bisher weder die schwierige Regierungsbildung in Deutschland noch das nordkoreanische Raketenprogramm. Der globale Risikoappetit scheint robust zu sein, darf aber nicht zu Sorglosigkeit führen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die aufgelaufenen Gewinne des aussergewöhnlichen Börsenjahres 2017 dürften Investoren motivieren, gegen Ende Jahr da und dort Gewinne mitzunehmen. Mit Neuengagements wird wohl nach den hohen Preisanstiegen der letzten Monate eher zugewartet. Somit dürfte im Dezember eine sich seitwärts bewegende Schweizer Börse resultieren. Auch leicht tiefere Kurse sind denkbar. Ein grösserer Einbruch der Börsen ist aber derzeit nicht absehbar.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Die Franken-Abwertung der letzten Monate kommt primär den Schweizer Exporteuren zugute. Die leicht steigenden Zinsen helfen den Titeln aus dem Finanzsektor. Kombiniert mit dem globalen Aufschwung dürfte sich die Schweizer Börse auch 2018 positiv entwickeln.

Wenn Kleinanleger sich das Börsenjahr mit «Window-Dressing» verschönern wollen, worauf müssen sie achten?
Window-Dressing ist bis zu einem gewissen Grad Selbstbetrug. Das Portfolio wird so verändert, dass es besser aussieht, als es tatsächlich ist. Gewinner werden im Portfolio belassen und Verlierer verkauft. Dieses prozyklische Handeln führt zu einem veränderten Risikoprofil. Besser als Window-Dressing ist ein periodisches und konsequentes Rebalancing, bei dem Gewinne realisiert und Verlierertitel hinterfragt und je nachdem verkauft oder aufgestockt werden.

Was dürfte für Anleger im nächsten Jahr zum Knackpunkt werden?
Je länger der Börsenaufschwung dauert, desto wichtiger ist es, das Portfolio inhaltlich unter Kontrolle zu halten. In den letzten Monaten hat sich das Dabeibleiben gelohnt. Langfristig empfiehlt sich jedoch ein nüchterner Umgang mit der Börsenhausse. Denn auf eine Hausse folgt eine Baisse. Somit macht es für den Anleger Sinn, von Zeit zu Zeit etwas Risiko aus dem Portfolio zu nehmen und einen Teil des Aktienvermögens zu sichern. Alternativ kann periodisches Rebalancing betrieben werden. Parallel dazu sollte das eingegangene Risiko mit dem persönlichen Risikoprofil abgeglichen werden.

Die Opec-Länder haben sich diese Woche zum halbjährlichen Treffen zusammengefunden. Welche Erwartungen haben Sie für den Ölpreis?
Die OPEC versucht mit gekürzten Förderleistungen das Angebot begrenzt zu halten. Doch die Macht der OPEC ist bei weitem nicht mehr vergleichbar mit den 70er- oder 80er-Jahren. Weiterentwickelte Fördertechniken wie Fracking, neu erschlossene Ölfelder und erhöhte Raffineriekapazitäten sowie die Globalisierung haben das Marktgefüge grundlegend verändert. Nachhaltige Preissteigerungen erwarte ich daher nicht.

In der europäischen Luftfahrt steht eine Konsolidierung an, sind viele Branchenexperten überzeugt. Was raten Sie Anlegern in dieser Situation: Finger weg oder gezielt investieren?
Zwischen den Airlines findet ein ruinöser Wettbewerb statt. Dieser führt dazu, dass praktisch keine Airline mit dem Flugbetrieb Gewinne macht. Die Folge davon ist die dringend notwendige Konsolidierung der Branche. Darin die Chance zu sehen, an der Börse Geld zu verdienen, braucht Zockermentalität. Mit seriösem Investieren hat dies wenig zu tun. Somit empfehle ich: Finger weg!

* Der promovierte Ökonom Christof Strässle ist Gründer und Managing Partner der unabhängigen Vermögensberatung Strässle & Partner Vermögens-Engineering AG mit Sitz in Luzern. Er verfügt über nationale und internationale Bankerfahrung im Bereich Private Banking und institutionelle Kunden.

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