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Nebenwerte
Warum Nebenwerte besser laufen als Blue Chips

Dufry Schweiz
Dufry ein Nebenwert ist derzeit out.Quelle: Keystone

Kleine Firmen sind flexibler als grosse und können Restrukturierungen in einer Krise leichter und schneller umsetzen. Das ist gut fürs Portfolio.

Von Georg Pröbstl*
am 07.09.2018

Das ist fast schon die Lizenz zum Gelddrucken. Während der SMI seit Jahresanfang ein Minus von 600 Punkten oder fast 7 Prozent bringt und auch in den letzten 1 und 3 Jahren nicht vom Fleck kam und sogar auf Sicht von 5 Jahren nur ein bescheidenes Plus von 10 Prozent bringt, schaffen die 30 heimischen Nebenwerte im Swiss Market Mid Caps Index schöne Zuwächse. In diesem Jahr kommen sie zwar per Saldo noch nicht voran, aber auf Sicht von 12 Monaten steht ein Plus von 8 Prozent.

In den letzten drei Jahren kletterte der SMIM sogar um knapp 50 Prozent und seit September 2013 liefern die Mid Caps mit 75 Prozent noch mehr Gewinn. Dividenden sind da noch nicht einmal mit drin. Langfristig ist die Performance der Nebenwerte ebenfalls mehr als überzeugend. So bringt der SMIM in den letzten zehn Jahren einen Gewinn von 85 Prozent, die grossen Blue Chips im SMI konnten dagegen im selben Zeitraum kaum mehr als 20 Prozent zulegen.

Nebenwerte: Enorme Outperformance zu Blue Chips

Der schweizerische Aktienmarkt ist dabei aber kein Sonderfall: Egal wohin man blickt – Small und Mid Caps haben gegenüber den grossen Standardwerten in den Leitindizes einfach die Nase vorn. Laut einer langfristigen Studie des US-Beratungshauses Ibbotson Associates brachten Blue Chips in den USA zwischen 1928 und 2012 zwar eine stattliche jährliche Performance von durchschnittlich 9,5 Prozent, doch US-Nebenwerte schafften in den 85 Jahren mit einem jährlichen Plus von 12 Prozent deutlich mehr.

Denn genau diese 2,5 Prozentpunkte Mehrrendite im Jahr machen in einem so langen Zeitraum den ganz grossen Unterschied. Denn während US-Blue Chips in den 85 Jahren um das rund 20fache gestiegen sind, explodierten US-Nebenwerte auf das 200fache! Grund dafür ist der Zinseszinseffekt, der sich um so deutlicher zeigt, je länger die betrachteten Zeiträume sind.

Die zweite Reihe kommt schneller aus der Rezession

Aber Privatanleger müssen keine 85 Jahre warten. Wie der SMIM im Vergleich zum SMI zeigt, spielen Nebenwerte bereits in relativ kurzen Zeiträumen von 5 oder 10 Jahren ihre Stärken aus.

Für die deutliche Outperformance der Nebenwerte gibt es eine Reihe von Gründen. So fand das US-Research-Hauses Ned Davis in einer Studie heraus, dass Small Caps in den USA nach den 13 Rezessionen zwischen 1927 und 2003 am besten aus der Krise kamen und in den ersten drei Jahren nach einer Rezession ein durchschnittliches Kursplus von 89 Prozent brachten. Blue Chips schafften dagegen nur 52 Prozent.

Grössere Flexibilität bringt schnell steigende Margen

Börsianer sehen für die raschere Überwindung einer Rezession durch Nebenwerte zwei Gründe. Zum einen sind kleine Firmen flexibler als Grosskonzerne und können Restrukturierungen in einer Krise leichter umsetzen. Läuft es dann nach der Rezession operativ wieder besser, bringen steigende Umsätze zusammen mit den in der Krise durchgeführten Restrukturierungen einen Schub bei Marge und Gewinn. Und nicht zu vergessen: der Basiseffekt. Ein kleines Unternehmen mit einem Umsatz von wenigen Millionen Franken kann den Umsatz viel leichter verdoppeln oder verdreifachen als ein grosser Blue Chip mit ohnehin schon gewaltigen Umsätzen im Milliarden-Bereich.

Aber auch das Risikoverhalten der Anleger spielt eine Rolle. Während Börsianer in Krisenzeiten Nebenwerte tendenziell verkaufen und in liquidere Blue Chips umschichten, läuft es im wirtschaftlichen Aufschwung umgekehrt. Die Risikofreudigkeit steigt, kleine Werte sind gefragt. Auch das Research spielt eine Rolle. Small Caps werden häufig nur unregelmässig von Analysten beobachtet und bewertet. Mit steigenden Kursen und zunehmender Börsenbewertung wächst auch  das Interesse der Anleger und immer mehr – auch grössere Investoren – springen auf den fahrenden Zug auf. Das zieht die Wahrnehmung der Börsianer weiter auf sich und bringt letztendlich überdurchschnittliche Kurssteigerungen.

Dufry – ein Nebenwert, derzeit out...

Viele Anleger, die auf Nebenwerte setzen, legen sich aber nicht unbedingt immer nur die Top-Performer der jüngsten Zeit – also der letzten Monate oder wenigen Jahre – ins Depot, sondern auch Titel, die im Moment out sind. Am Schweizer Aktienmarkt zählt dazu derzeit ganz sicher die Aktie von Dufry. Der Titel hat seit dem Allzeithoch im Mai 2017 bereits rund 30 Prozent an Wert verloren.

Dabei läuft es beim Detailhändler rund. Im April wurde nach Jahren von Rendite-Nullstellen die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung und ein Aktienrückkaufprogramm bekannt gegeben. Sind das ohnehin Zeichen von Stärke und Zuversicht des Managements in die Zukunft des Unternehmens, so untermauern auch die Geschäftszahlen diese Shareholder-Value-Aktivitäten.

… dabei notiert der Gewinn auf Rekordniveau

So steigerte der Konzern aus Basel seinen Umsatz im ersten Halbjahr um 7,2 Prozent auf 4,1 Milliarden Franken. Das organische Wachstum erreichte dabei 5,5 Prozent. Das schlägt sich im Ergebnis nieder. So kletterte der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in den sechs Monaten um 12,9 Prozent und erreicht mit 464,1 Millionen Franken einen neuen Rekordlevel.

Zudem geht das Wachstum weiter. Dufry hat bereits Verträge zur Eröffnung neuer Geschäftsflächen mit einer Grösse von 14'100 Quadratmetern bis 2019 an grossen Flughäfen wie etwa in Chicago oder Kuwait unterschrieben. Die Aktie hat inzwischen die starke Unterstützung bei rund 110 Franken erreicht und ist mit einem geschätzten KGV von knapp 15 nicht teuer. Anleger setzen auf den Rebound.

ETFs auf den SMIM und US-Small Caps

Wer breit gestreut auf Mid Caps setzen will, der greift beispielsweise zu einem ETF auf den SMIM Total Return (ISIN: CH0111762537). Dort besteht nicht nur langfristig die Chance auf Kurssteigerungen, sondern derzeit auch auf kurze Sicht. Denn der SMIM läuft seit vier Monaten in einer Trading-Range zwischen rund 2550 und 2700 Punkten und hat jetzt die untere Begrenzung dieser Handelsspanne erneut erreicht. Auch hier könnte es zum schnellen Richtungswechsel nach oben kommen.

Wer in US-Nebenwerte investieren will, findet in einem ETF auf den S&P Small Cap 600 ein interessantes Vehikel. Das ETF (ISIN: IE00B2QWCY14) hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt und seit 2008 bereits verdreifacht. Berechnet man dabei die durchschnittliche jährliche Performance des ETF, dann kommt man ziemlich genau auf die rund zwölf Prozent, die US-Nebenwerte auf ganz lange Sicht erwarten lassen.

*  Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (DeutschlandÖsterreich Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +26,1 Prozent (DAX: +12,7 Prozent), 3 Jahre: +71,5 Prozent (DAX: +22,4 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +301,7 Prozent (Dax: +83,3 Prozent).

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