Die weltgrössten Ölhändler können mit Preiseinbrüchen, Handelssanktionen und Naturkatastrophen umgehen. Der mögliche Niedergang eines der grossen Internetunternehmens bereitet ihnen allerdings Sorgen.

Der Messenger von Yahoo ist seit fast 18 Jahren das Standard-Kommunikationsmittel für die Männer und Frauen, die jeden Tag Milliarden Dollar an Rohöl und Petroleum-Produkten in der ganzen Welt bewegen. Von Singapur bis Rotterdam – täglich werden über den Chat-Dienst Transaktionen beworben, Verträge ausgehandelt und globale Preis-Benchmarks begutachtet.

Zukunft des Chat-Dienstes ungewisse

Jetzt steht das Kerngeschäft des Konzerns allerdings zum Verkauf, darunter auch der Chat-Dienst. Die Zukunft des Messengers ist damit ungewiss.

Unabhängig davon zwingt Yahoo neue Nutzer auf eine überarbeitete Plattform, die Compliance-Manager bei einigen Handelshäusern für verboten erklärt haben – weil sich Chats nicht aufzeichnen und intern speichern lassen.

Die grösste Sorge ist nach Angaben von Handels-Managern, dass Yahoo eines Tages plötzlich die Unterstützung für den alten Dienst einstellen und diesen ganz abschalten wird.

Kontrollen sicher angehen

«Socar Trading ist beunruhigt über die Veränderungen beim Yahoo Messenger und muss sicherstellen, dass alle aufsichtsrechtlichen und internen Kontrollen angegangen werden», sagt Arzu Azimov, Geschäftsführer der in Genf beheimateten Handelssparte der nationalen Ölgesellschaft von Aserbaidschan.

Socar hat seinen Angaben zufolge eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um eine Lösung zu finden. Zwar konnte diese potenzielle Alternativen ausfindig machen, doch die Frage ist, ob die anderen Ölhändler diese ebenfalls annehmen werden.

«Es macht nicht viel Sinn, ein Produkt mit toller Compliance-Funktionalität anzubieten, wenn keiner in der Branche dieses nutzt», meint Azimov.

Ölhändler in Genf suchen nach Sicherheiten

In Genf –  dem Zentrum der 21 Milliarden Dollar schweren Rohstoffhandels-Branche der Schweiz, die hinter rund einem Drittel der täglichen, weltweiten Öl-Transaktionen steht – versuchen zahlreiche Compliance-Abteilungen, ebenfalls herauszufinden, was der der nächste Schritt sein könnte.

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Niemand wollte sich offiziell äussern. Doch Manager von Firmen wie Trafigura Group und Mercuria Energy Group gaben zu, dass sie sich derzeit nach einer Chat-Plattform umsehen würden, die Yahoo ersetzen könnte, falls der alte Dienst eingestellt werden sollte.

Ersatz schwer zu finden

Das Vorhaben dürfe nicht leicht werden. Denn der Yahoo Messenger ist umsonst und das bevorzugte Werkzeug seit mehr als einem Jahrzehnt für alle, die in der Branche arbeiten – von Händlern über Raffinerie-Manager bis hin zu Pipeline-Betreibern. Viele haben ihre Yahoo-ID auf ihre Visitenkarte gedruckt.

«Jeder nutzt es. Und man hat sein Yahoo immer dabei, wo immer man auch hingeht», sagt Olivier Jakob, Managing Director beim Beratungsunternehmen Petromatrix in Zug. Der ehemalige Ölprodukte-Händler von Cargill hat seine Yahoo-ID bereits seit «vielen, vielen Jahren».

Auch Snapchat oder Whatsapp keine Konkurrenz

Selbst heute – mit Dutzenden verfügbaren Instant-Messaging-Apps von Facebook über Snapchat bis WhatsApp – nutzen Ölhändler noch immer Yahoo, um Gebote für Rohöl abzugeben, sich über die neuen Jobs von Kollegen auszutauschen oder Pläne fürs Mittagessen zu machen.

Bloomberg, das Mutterunternehmen von Bloomberg News, bietet einen Instant-Messaging-Dienst innerhalb des Angebots Bloomberg Professional, der mit dem Yahoo Messenger in Konkurrenz steht.

(bloomberg/me)